Blutgerinnung und Enzym: Entscheidender Zusammenhang bei der MS entdeckt27. Dezember 2018 Wie gelangen Lymphozyten durch die Blut-Hirn-Schranke ins ZNS? Forschern sind der Antwort auf diese Frage nun einen Schritt näher gekommen. (Foto: © geosap – Fotolia.com) Die Blutgerinnung und das Enzym Kallikrein tragen dazu bei, dass bei der Multiplen Sklerose weiße Blutkörperchen die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Das berichten Wissenschaftler der Universitäten Duisburg-Essen (UDE) und Münster . „Wir können beweisen, dass Kallikrein im Blutplasma die Zahl der weißen Blutkörperchen erhöht, die in das zentrale Nervensystem einwandern“, erklärte Dr. Kerstin Göbel, Ärztin der Klinik für Neurologie mit Institut für Translationale Neurologie (ITN) der Universität Münster. Das Enzym verändert die Blut-Hirn-Schranke, sodass sie das zentrale Nervensystem nicht mehr vor schädlichen Eindringlingen schützen kann. Gerinnungsfaktor aktiviert das Enzym In den charakteristischen Entzündungsherden im Hirn und Rückenmark von MS-Patienten findet sich überdurchschnittlich viel Prä-Kallikrein, eine Vorstufe des Enzyms. Damit es die Entzündung im Nervensystem befeuern kann, muss es aktiviert werden. Hier stießen die Wissenschaftler auf einen alten Bekannten: den Gerinnungsfaktor XII. Von ihm hatte das Forschungsteam schon 2015 nachgewiesen, dass er zum Entzündungsprozess bei MS beiträgt. Auch der Gegenbeweis wurde nun erfolgreich angetreten: Fehlt das Enzym im Plasma von Mäusen, sind sie weniger gefährdet, an der experimentellen Form der MS zu erkranken. Ein Medikament, das Kallikrein blockiert, hat bei den Tieren den gleichen Effekt. Auch bei bereits erkrankten Mäusen wirkte die Behandlung noch: Ihre Blut-Hirn-Schranke wurde deutlich weniger zerstört als die unbehandelter Mäuse und auch die Entzündung des Nervensystems fiel schwächer aus. Elegante Möglichkeit für künftige Behandlung? „Wir können also die Einwanderung schädlicher Zellen in das zentrale Nervensystem bei MS verringern, wenn wir es schaffen, Kallikrein zu blockieren“, erklärte Prof. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. Dies könnte eine neue Strategie zur MS-Bekämpfung begründen. „Wir denken, dass die Beeinflussung von Gerinnungsfaktoren eine elegante Möglichkeit ist, in der Zukunft entzündliche Erkrankungen des Gehirns zu behandeln“ fügte der Koordinator der Studie und Direktor des ITN Münster, Prof. Sven Meuth hinzu. Originalpublikation: Göbel K. et al.: Plasma kallikrein modulates immune cell trafficking during neuroinflammation via PAR2 and bradykinin release. PNAS, 17. Dezember 2018
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