Bluthochdruck: Hohe Prävalenz bei den Ärmsten und am wenigsten Gebildeten26. Dezember 2022 © Anna Jurkovska – stock.adobe.com (Symbolbild) Oftmals wird angenommen, dass es sich bei Bluthochdruck um eine „Wohlstandserkrankung“ handelt. Wie eine im „Journal of the American College of Cardiology“ veröffentlichten Studie belegt, ist die Prävalenz der Erkrankung in Ländern von niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs) jedoch auch bei den am wenigsten gebildeten und ärmsten Menschen weit verbreitet. Eine internationale Forschergruppe unter Beteiligung von Wissenschaftlern verschiedener deutscher Institutionen untersuchte die Hypertonie-Raten bei 1.211.386 Menschen (medianes Alter 40 Jahre, 58,5% Frauen) mit unterschiedlichem sozioökonomischen Background in 76 LMICs. Die Länder teilten sie nach den regionalen Gruppierungen der Weltgesundheitsorganisation in 6 Regionen ein. Fragestellungen von Relevanz waren dabei 1. der Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Haushaltsvermögen mit Bluthochdruck, 2. ob und wie sich die Beziehung zwischen sozioökonomischem Status und Bluthochdruck zwischen den Regionen unterscheidet, 3. wie sozioökonomische Abstufungen von Bluthochdruck innerhalb der Länder mit dem Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung zusammenhängen. Die Studiengruppe um Erstautorin Tabea Kirschbaum stellte fest, dass die Hypertonieprävalenz zwischen den nach Bildungsniveau und Haushaltsvermögen unterteilten Gruppen in den meisten Ländern ähnlich war. Die einzige Weltregion, in der eine höhere Prävalenz von Bluthochdruck bei besser ausgebildeten und wohlhabenderen Menschen verzeichnet wurde (positiver Zusammenhang), war Südostasien. Länder mit einem niedrigeren Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt (BIP) wiesen im Durchschnitt eine positivere Assoziation der Hypertonie mit der Bildung und dem Haushaltsvermögen auf als Länder mit einem höheren Pro-Kopf-BIP, insbesondere in ländlichen Gebieten und bei Männern. Fazit Abschließend weisen die Autoren darauf hin, dass die absoluten Unterschiede in der Hypertonieprävalenz zwischen sozioökonomischen Gruppen im Allgemeinen gering waren, wobei selbst die am wenigsten gebildeten und am wenigsten wohlhabenden Gruppen eine erhebliche Hypertonieprävalenz aufwiesen. Sie sehen in ihren Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass Hypertonie mit der wirtschaftlichen Entwicklung der LMICs zunehmend Erwachsene in den untersten sozioökonomischen Gruppen betrifft. (ah) Autoren: Kirschbaum TK et al. Korrespondenz: Pascal Geldsetzer; [email protected] Studie: The Association of Socioeconomic Status With Hypertension in 76 Low- and Middle-Income Countries Quelle: J Am Coll Cardiol 2022;80(8):804–817. Web: https://doi.org/10.1016/j.jacc.2022.05.044
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