Blutkrebs: Gewebeverträglichkeit beeinflusst Überlebensrate nach Blutstammzelltransplantation weiterhin10. September 2024 Bild: ©dizain – stock.adobe.com Bei einer Transplantation von Blutstammzellen trägt eine fein abgestimmte Verträglichkeit von Gewebemerkmalen entscheidend zur Überlebensrate der Erkrankten bei − selbst unter einer Immunsuppression mit Cyclophosphamid. Das zeigt eine internationale Studie unter Leitung der Universität Duisburg-Essen, Universitätsmedizin Essen, die jüngst im „Journal of Clinical Oncology“ veröffentlicht wurde. Die Forschenden der Universitätsmedizin Essen und der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen haben gemeinsam mit internationalen Kollegen die Daten von mehr als 17.000 Blutstammzelltransplantationen, die überwiegend zwischen 2016 und 2020 in mehr als 200 Zentren in Europa durchgeführt wurden, genauer untersucht. Das Datenmaterial wurde durch das EBMT Registry, das europäische Register für Stammzelltransplantation, zur Verfügung gestellt.Bisher war es erforderlich, dass die gespendeten Blutstammzellen nahezu perfekt zum Organismus der Blutkrebspatienten passen, d.h. fast alle „human leukocyte antigen“ (HLA) Gewebemerkmale mussten übereinstimmen, um das Risiko der Schädigung gesunder Gewebe der Patienten durch die im Transplantat vorhandenen Immunzellen der Spender zu vermeiden. In den letzten Jahren wurden jedoch neue Behandlungsprotokolle entwickelt: Die Immunsuppression der Patienten durch nach der Blutstammzelltransplantation verabreichtes Cyclophosphamid hat diese Behandlung auch über HLA-Gewebedifferenzen hinweg ermöglicht. Darum wurde vermutet, dass die HLA-Gewebemerkmale unter Immunsuppression durch Cyclophosphamid keine relevante Rolle mehr spielen. Die Ergebnisse der Studie weisen jedoch darauf hin, dass dies nicht so ist. Erfolgsentscheidend ist, in welchen der HLA-Merkmale mögliche Fehlanpassungen liegen.„Wir konnten zeigen, dass vor allem Fehlanpassungen in den HLA-Merkmalen der Klasse I den Behandlungserfolg negativ beeinflussen, insbesondere eine bestimmte Untergruppe, die von uns bereits in einer unabhängigen, ebenfalls im ‘Journal of Clinical Oncology’ vor einem Jahr publizierten Studie beschrieben wurde“, erklärt Prof. Katharina Fleischhauer, Direktorin des Instituts für Zelltherapeutische Forschung an der Universitätsmedizin Essen. „Diese Effekte waren bei Transplantationen, die unter konventionellen Protokollen oder unter Cyclophosphamid durchgeführt worden waren, nicht wesentlich unterschiedlich“, ergänzt Dr. Esteban Arrieta-Bolaños, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe und Erstautor der Studie. „Da durch den Einsatz von Cyclophosphamid für fast jeden Erkrankten nicht nur ein, sondern meist sogar mehrere potenzielle Stammzellspender bzw. Spenderinnen in Frage kommen, werden unsere Ergebnisse in die Praxis umgesetzt werden können, um die Überlebenswahrscheinlichkeit der Patientinnen und Patienten durch die Auswahl der bestmöglich HLA-verträglichen Spenderinnen oder Spender zu verbessern.“
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