Blutung im Kleinhirn: OP senkt Sterblichkeit

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Experten aus Deutschland und den USA haben erstmals untersucht, wie sich eine operative Blutungsentfernung auf die Sterblichkeit und auf die funktionelle Langzeitprognose nach Kleinhirnblutung auswirkt. An der Analyse beteiligten sich insgesamt 64 Zentren unter Federführung der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen.

„Basierend auf unseren Daten und der Metaanalyse können wir Folgendes ableiten: Eine Kleinhirnblutung, deren Volumen kleiner ist als 12 Kubikzentimeter, sollte nicht operativ entfernt werden. Denn: Hierdurch wäre eher eine funktionelle Verschlechterung zu erwarten, das heißt eine körperlich-motorische Beeinträchtigung der Patientin oder des Patienten. Außerdem würde sich bei diesen Betroffenen die Überlebenswahrscheinlichkeit durch eine OP nicht grundsätzlich verbessern“, sagte der Studienleiter und leitende Oberarzt Prof. Dr. Hagen Huttner von der Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen.

„Im Gegensatz dazu senkt eine Operation bei Blutungen, die größer sind als 15 Kubikzentimeter, die Sterblichkeitsrate signifikant – im Vergleich zum konservativen Vorgehen, wie etwa dem künstlichen Koma oder einer nicht operativen Therapie zur Senkung des Hirndrucks“, sagte Huttner weiter. Einschränkend ergänzte er: „Mit einer besseren funktionellen Langzeitprognose geht eine OP allerdings nicht einher. Und für den Bereich zwischen 12 und 15 Kubikzentimetern waren die Ergebnisse nicht signifikant.“

Das übliche Vorgehen bei der operativen Entfernung einer größeren Kleinhirnblutung basierte bislang auf kleineren Studien. Diese gingen davon aus, dass den betroffenen Patientinnen und Patienten eine weitere klinische Verschlechterung droht, weil die hintere Schädelgrube räumlich begrenzt ist und der Hirnstamm durch die Blutung verdrängt werden könnte. Da in einem solchen Fall der Tod der oder des Betroffenen unmittelbar bevorstünde, befürworteten Ärztinnen und Ärzte eine Operation. Denn sie gingen zusätzlich zu einer erhöhten Überlebenswahrscheinlichkeit auch von einer besseren klinischen Prognose aus.

Höchste Aussagekraft für mittelschwere Befunde

Weil es bislang keine randomisierten Studiendaten oder größeren Beobachtungsstudien dazu gab, hat das Team um Huttner und PD Dr. Joji Kuramatsu, Oberarzt der Neurologie, die nun veröffentlichte systematische Metaanalyse durchgeführt. Im Rahmen dieser weltweit größten Untersuchung von Daten von 578 Patientinnen und Patienten mit Kleinhirnblutungen wurden Gruppen von operativ und konservativ behandelten Patientinnen und Patienten miteinander verglichen.

„Die Ergebnisse unserer Auswertung sind insbesondere für mittelschwer Betroffene sehr aussagekräftig“, sagte Kuramatsu, der Erstautor der Studie. Für Betroffene mit sehr kleinen oder sehr großen Blutungen seien die Befunde statistisch nicht so eindeutig. „Die Funktionalität des Gehirns 90 Tage nach Eintritt der Blutung ist bei denjenigen, die eine OP erhalten haben, mit dem Zustand derer vergleichbar, die konservativ behandelt wurden. Allerdings variierten die Ergebnisse deutlich, je nachdem, wie groß die Blutung anfänglich war”, ergänzte Kuramatsu.

Bessere Kommunikation mit Angehörigen

“Die funktionelle Prognose wird insgesamt durch eine Operation nicht sicher verbessert. Allerdings senkt eine OP die Sterblichkeit. Diese Erkenntnis ist sehr hilfreich für den klinischen Alltag und für unsere Kommunikation mit Angehörigen“, fasste Studienleiter Huttner zusammen.

„Unsere Studienergebnisse liefern erstmals konkrete Effektgrößen, die für die Planung künftiger Forschungsarbeiten herangezogen werden können. Denn ohne diese prospektiven randomisierten Studien fehlt – auch trotz unserer Analyse – weiterhin die abschließende Gewissheit darüber, welche Patientinnen und Patienten von einer Operation profitieren”, ergänzte Kuramatsu.

Originalpublikation:
Kuramatsu J et al.: Association of Surgical Hematoma Evacuation vs Conservative Treatment With Functional Outcome in Patients With Cerebellar Intracerebral Hemorrhage. JAMA 2019;322(14):1392–1403.