Bonner Konsortium will Zusammenhang zwischen Immunsystem und SARS-CoV-2 klären1. September 2020 Abbildung: © artegorov3@gmail/Adobe Stock Das neue Konsortium COVIMMUNE bestehend aus Fachleuten des Universitätsklinikums und der Universität Bonn unter der Leitung von Leibniz-Preisträger Prof. Eicke Latz untersucht bis Ende 2021 mit immunologischen und systembiologischen Methoden den Zusammenhang zwischen einer Immunantwort auf eine SARS-CoV-2-Infektion mit dem klinischen Verlauf der Erkrankung COVID-19. Für diese Forschung stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) rund zwei Millionen Euro zur Verfügung. Das Projekt „Verständnis divergierender Wirtsreaktionen auf SARS-CoV-2-Infektionen durch Präzisionsimmunologie“ (COVIMMUNE) vereint klinisch Forschende am Universitätsklinikum Bonn, die an der COVID-19-Patientenversorgung beteiligt sind, mit Grundlagenwissenschaftlern mit immunologischer Expertise der Universität Bonn. Beteiligt sind rund zwei Dutzend Persönlichkeiten aus Disziplinen wie Virologie, Innere Medizin, Intensivmedizin, Pulmonologie, Neurologie, Immunologie, Blutgerinnung, Bioinformatik und Systembiologie. Gemeinsam wollen sie zu einem besseren Verständnis des so unterschiedlichen Krankheitsverlaufs bei SARS-CoV-2-Infektionen beitragen. Es soll herausgefunden werden, wie das SARS-CoV-2 Virus eine fehlgeleitete Immunantwort auslösen kann und welche Rolle diese bei schweren COVID-19 Krankheitsverläufen spielt. Weiterhin soll in einer klinischen Studie untersucht werden, welche Faktoren Langzeitschäden auf die Lunge und das Nervensystem bewirken. Das Konsortium nutzt dabei seinen Zugang zu bereits bestehenden und künftigen Kohorten von COVID-19-Patienten mit asymptomatischen, milden und schweren Krankheitsverläufen. „Wir wollen den Zusammenhang zwischen den Mechanismen der Immunantwort auf die SARS-CoV-2 Infektion und dem klinischen Verlauf der Krankheit ergründen“, sagt Latz, der auch ein Sprecher des Exzellenzclusters ImmunoSensation2 an der Universität Bonn ist. Die SARS-CoV-2-Infektion kann ein weites Spektrum von Reaktionen des befallenen Organismus auslösen, das von Symptomlosigkeit bis zur akuten Atemnot, Multiorganversagen und Tod reicht. Genesene Personen erlangen in der Regel eine wirksame Immunität vor Neuinfektionen, jedoch haben manche von ihnen mit langfristigen Folgen wie zum Beispiel Lungenfibrose oder neurologischen Symptomen zu kämpfen. Was genau bei der Immunantwort auf das SARS-CoV-2 passiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Prof. Michael Heneka, dessen Teilprojekt im Konsortium die von COVID-19 verursachten Folgeerkrankungen der Lunge und des Zentralen Nervensystems in den Blick nimmt, sagt: „Es ist bisher nicht gut verstanden, wie die Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus solche Folgeerkrankungen auslösen kann. Wir wollen diese Zusammenhänge in einer klinischen Studie untersuchen, um bessere Behandlungsmöglichkeiten anbieten zu können.“ Das Bonner Konsortium geht der Frage nach, inwieweit die individuelle Immunantwort den Verlauf der SARS-CoV-2-Infektion und ihre langfristigen Folgen beeinflusst. Prof. Natalio Garbi leitet das Teilprojekt des Konsortiums zur adaptiven Immunität. Er sagt: „Wir wollen prüfen, ob das Zusammenspiel der angeborenen und der erworbenen (adaptive) Immunantwort der Schlüssel zur Beseitigung der Infektion und für die Entwicklung einer langfristigen Immunität ohne gesundheitliche Langzeitfolgen ist.“ Die Forschenden wollen die genetischen und Umweltfaktoren erkennen, die die Fähigkeit des menschlichen Körpers zur Bekämpfung von SARS-CoV-2 bestimmen. Daraus könnten Biomarker für die individuelle Krankheitsanfälligkeit und eine personalisierte Behandlung abgeleitet werden. Die Forschenden nutzen dazu einen Präzisionsimmunologie-Ansatz.
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