Brandbrief: „Krankenhausreform bedroht spezialisierte Schmerzmedizin“

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In einem gemeinsamen Brandbrief an den Gesundheitsausschuss im Bundestag schlagen Deutschlands führende schmerzmedizinische Fachgesellschaften Alarm und fordern eine eigene Leistungsgruppe.

Vier schmerzmedizinische Organisationen fordern von den Abgeordneten im Gesundheitsausschuss die sofortige Aufnahme einer eigenständigen Leistungsgruppe „Spezielle Schmerzmedizin“ in die Krankenhausreform. Dazu gehören:

  • Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS)
  • der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD)
  • die Deutsche Schmerzgesellschaft
  • die Interdisziplinäre Gesellschaft für orthopädische/unfallchirurgische und allgemeine Schmerztherapie (IGOST).

Erste stationäre Angebote bereits geschlossen

Den Gesellschaften zufolge drohen ohne diese Maßnahme bis zu 40 Prozent der stationären multimodalen Schmerztherapie-Angebote zu schließen. Die Folgen für 4,8 Millionen Menschen mit schweren chronischen Schmerzen seien „katastrophal“, heißt es von den schmerzmedizinischen Organisationen.

„Die aktuelle Systematik der Leistungsgruppen zwingt schmerzmedizinische Einrichtungen dazu, die Kriterien fachfremder Leistungsgruppen wie Innerer Medizin oder Chirurgie zu erfüllen, was weder medizinisch sinnvoll noch wirtschaftlich machbar ist. Es drohen Schließungen bestehenden stationärer Schmerztherapieangebote – erste Abteilungen verschwinden bereits“, schreiben sie.

Einführung eigener Leistungsgruppe kann sofort umgesetzt werden

In dem Brandbrief fordern sie daher den Gesundheitsausschuss auf, sich im parlamentarischen Verfahren dafür einzusetzen, die Leistungsgruppe „Spezielle Schmerzmedizin“ in die Krankenhausreform aufzunehmen. „Dies wäre ein wichtiges Signal an Millionen Betroffene und die behandelnden Teams. Die Einführung einer eigenen Leistungsgruppe mit bereits vorhandenen Qualitätskriterien kann sofort bundesweit umgesetzt werden. Das würde Ländern und Kliniken Planungssicherheit schaffen, Folgekosten reduzieren und die Versorgung chronischer Schmerzpatienten langfristig sichern“, erklären die Fachgesellschaften.

Austausch mit der Bundesregierung wird gesucht

„Der Brandbrief war nur der Anfang“, hebt Dr. Richard Ibrahim, Präsident der DGS, hervor. Gemeinsam mit den schmerzmedizinischen Partnern werde man weiterhin für eine bestmögliche Patientenversorgung eintreten. Dafür werde man bundesweit Stellung beziehen und den Dialog mit der Bundespolitik suchen – auch auf den bevorstehenden Schmerz- und Palliativtagen 2026, die vom 19. bis 21. März 2026 im Congress Center Messe Frankfurt am Main stattfinden werden. „Leider ist bislang noch keine Vertreterin bzw. kein Vertreter der Bundesregierung unserer Einladung gefolgt, um in den Austausch zu treten und an guten Lösungen zu arbeiten“, bedauert Ibrahim.