Brustkrebs: AXSANA-Studie analysiert Notwendigkeit von Operationen

Prof. Maggie Banys-Paluchowski leitet das Brustzentrum des UKSH am Campus Lübeck. Rund 1000 Patientinnen werden hier jährlich behandelt. Das Brustzentrum ist Teil des Universitären Cancer Center Schleswig-Holstein (UCCSH) und wird seit 2008 nach den strengen Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie regelmäßig rezertifiziert. Es gehört zu den größten Zentren für Brusterkrankungen in Norddeutschland. Foto: UKSH

Welche Brustkrebs-Operationen sind wirklich nötig, damit Patientinnen sicher behandelt werden – und trotzdem möglichst wenige Spätfolgen haben? Auf diese Frage liefert die internationale AXSANA-Studie wichtige Antworten.

AXSANA ist die weltweit größte Studie zur operativen Behandlung der Lymphknoten in der Achselhöhle bei Brustkrebs und das Hauptprojekt des europäischen Studiennetzwerks EUBREAST. Die Studie, an der Forschungsteams in 27 Ländern mitarbeiten, wurde 2020 von der EUBREAST-Studiengruppe initiiert unter der Leitung von Prof. Thorsten Kühn, Universitätsklinikum Ulm und Prof. Maggie Banys-Paluchowski, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Die Ergebnisse der aktuellen Auswertung wurden bereits auf dem weltweit größten onkologischen Kongress ASCO als Hauptvortrag von Prof. Banys-Paluchowski präsentiert. Sie sind nun im „Journal of Clinical Oncology“ veröffentlicht worden.

Radikale Optionen abwägen

Bei rund einem Drittel der Brustkrebspatientinnen sind zum Zeitpunkt der Diagnose Lymphknoten in der Achselhöhle von Krebszellen befallen. Lange Zeit galt daher die Entfernung zahlreicher Lymphknoten in dieser Situation als Standardverfahren. Diese radikale Operation kann jedoch langfristig zu Schwellungen des Arms, Schmerzen, Taubheitsgefühlen, eingeschränkter Beweglichkeit und damit zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. Da heute viele Patientinnen zunächst eine Chemotherapie vor der Operation erhalten, besteht die Chance, den Eingriff in der Achsel zu begrenzen – vorausgesetzt, die ursprünglich befallenen Lymphknoten lassen sich bei der Operation sicher wiederfinden.

Im Rahmen der AXSANA-Studie werden verschiedene leitliniengerechte Operationsverfahren verglichen, bei denen diese Lymphknoten vor Beginn der Chemotherapie mit einem Marker gekennzeichnet werden.

Vorteil Sonden gestützter Markierungsverfahren

Die nun veröffentlichte Auswertung zeigt, dass Sonden gestützte Markierungsverfahren, bei denen der Marker mit einer speziellen Sonde aufgespürt wird, eine signifikant höhere Detektionsrate aufweisen als andere Vorgehensweisen. So können entscheidende Lymphknoten zuverlässiger entfernt und größere Eingriffe, die das Risiko für Spätfolgen erhöhen, häufiger vermieden werden.

In Europa bestehen bislang große Unterschiede in den Behandlungsempfehlungen und die Datenlage war lange unzureichend. Deshalb ist AXSANA als prospektive, multizentrische Registerstudie angelegt. Das Register soll mit Daten von über 5000 Patientinnen dazu beitragen, das krankheitsfreie Überleben und die Lebensqualität nach unterschiedlichen Operationsformen systematisch zu erfassen und so eine internationale Standardisierung zu ermöglichen.

EUBREAST-Netzwerk im Hintergrund

Hinter der Studie steht das gemeinnützige EUBREAST-Netzwerk, ein Zusammenschluss renommierter onkologischer Brustchirurgen. Ziel des Netzwerks ist es, weniger invasive Operationsverfahren zu erforschen, um die körperliche und psychische Belastung der Patientinnen zu verringern und ihnen eine schnellere Rückkehr in ein aktives Leben zu ermöglichen.