Brustrekonstruktion mit Polyurethan-beschichteten Implantaten reduziert Narbenbildung

Polyurethan-beschichtete Implantate können die Bildung einer Kapselfibrose bei Brustrekonstruktionen verringern. (Symbolbild: © Sergey Novikov/stock.adobe.coom)

Frauen, die sich aufgrund von Brustkrebs einer Mastektomie unterziehen, entscheiden sich häufig für eine Brustrekonstruktion mit Implantaten. Um das Implantat herum kann sich jedoch schmerzhaftes Narbengewebe bilden, insbesondere bei zusätzlicher Strahlentherapie. Polyurethan-beschichtete Implantate könnten hier einen Vorteil bringen.

Neue Forschungsergebnisse, die kürzlich auf der 15. Europäischen Brustkrebskonferenz (EBCC15) in Barcelona vorgestellt wurden, zeigen, dass das Risiko dieser Narbenbildung und die Notwendigkeit weiterer Korrekturoperationen durch die Verwendung von Polyurethan-beschichteten Brustimplantaten reduziert werden könnten. Diese Implantate bestehen aus Silikon und besitzen eine schwammartige Außenschicht aus Polyurethan.

Die Studie wurde von Dr. Kerstin Wimmer, Chirurgin an der Medizinischen Universität Wien und Forscherin am Karolinska Institutet in Stockholm, vorgestellt und von einem Team unter der Leitung von Professor Walter Weber (Universitätsspital Basel), Professor Florian Fitzal (Hanusch-Krankenhaus Wien) und Dr. Rama Kiblawi (Universitätsspital Basel) durchgeführt.

Wimmer erklärte: „Es ist bekannt, dass eine Strahlentherapie nach einer Mastektomie das Komplikationsrisiko bei Frauen mit Brustrekonstruktion mittels Implantat erhöht. Eine der wichtigsten Komplikationen ist die Kapselfibrose, bei der sich Narbengewebe um das Implantat bildet. Dies führt zu einer harten, unangenehmen und mitunter schmerzhaften Brust sowie zu sichtbaren Veränderungen der Brustform. Diese Situation tritt relativ häufig auf, da viele Frauen mit Hochrisiko-Brustkrebs nach einer Mastektomie eine Strahlentherapie benötigen. Allerdings gibt es nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, ob die Art des Implantats das Narbenrisiko beeinflusst.“

Seltenere Kapselfibrose durch Polyurethan-beschichtete Implantate

Die Studie umfasste 1455 Frauen, die zwischen 2016 und 2024 an 26 Standorten in 15 Ländern wegen Brustkrebs behandelt wurden. Das Durchschnittsalter der Frauen betrug 47 Jahre. Alle Frauen unterzogen sich einer Mastektomie mit anschließendem Brustaufbau mittels Implantat. 475 Frauen erhielten ein polyurethanbeschichtetes Implantat, 980 ein Implantat ohne Polyurethanbeschichtung. Alle Frauen wurden anschließend bestrahlt.

Nach der Behandlung beobachteten die Forscher den Gesundheitszustand der Frauen über einen Zeitraum von zweieinhalb bis drei Jahren. Sie stellten fest, dass Frauen mit einem polyurethanbeschichteten Implantat seltener Anzeichen einer Kapselfibrose entwickelten (32,8 % gegenüber 47,5 % der Frauen mit einem Implantat ohne Polyurethanbeschichtung) und seltener einen zweiten Eingriff zur Narbenentfernung benötigten (9,3 % gegenüber 25,7 %). Das Risiko einer schweren Brustinfektion oder einer notwendigen Implantatentfernung war ebenfalls geringer. Die Studie war retrospektiv, die Behandlungen wurden daher nicht randomisiert zugeteilt.

Wimmer erklärte auf der Konferenz: „Unsere Studie legt nahe, dass Frauen mit polyurethanbeschichteten Implantaten nach der Strahlentherapie deutlich weniger Probleme hatten als Frauen mit Standardimplantaten. Für Patientinnen bedeutet dies, dass die Art des verwendeten Implantats einen wesentlichen Einfluss auf das Komplikationsrisiko nach der Strahlentherapie haben kann. Für Ärzte liefert sie wichtige Erkenntnisse für die Planung der Brustrekonstruktion bei Patientinnen, die voraussichtlich eine Strahlentherapie benötigen werden. Die Wahl des Implantats hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Erfahrung und Präferenz des Chirurgen, die Verfügbarkeit von Implantaten, die Kosten, lokale Bestimmungen und die individuelle Situation der Patientin. Polyurethanbeschichtete Implantate werden seit vielen Jahren verwendet und gelten allgemein als sicher. Wie alle Medizinprodukte können auch sie Komplikationen verursachen. Daher sind eine sorgfältige Nachsorge und eine langfristige Überwachung wichtig.“

Die Forschung wurde mit dem EBCC15 Multidisciplinary Team Award ausgezeichnet und im Rahmen des Oncoplastic Breast Consortium durchgeführt, einem internationalen Forschungsnetzwerk, das Brustchirurgen und Forscher aus aller Welt zusammenbringt.

Entwicklung zu stärker personalisierter Brustkrebsbehandlung

Die Vorsitzende des EBCC15, Prof. Isabel Rubio, Leiterin der Abteilung für Brustchirurgische Onkologie an der Clínica Universidad de Navarra in Madrid, Spanien, war an dieser Forschung nicht beteiligt. Sie sagte: „Diese Studie stellt einen wichtigen Fortschritt für die Verbesserung der Langzeitergebnisse bei Frauen dar, die sich nach einer Mastektomie einer Brustrekonstruktion unterziehen. Obwohl die rekonstruktive Chirurgie erhebliche Fortschritte gemacht hat, bleibt die Kapselfibrose eine der größten Herausforderungen, insbesondere für Patientinnen, die zusätzlich eine Strahlentherapie benötigen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass polyurethanbeschichtete Implantate das Risiko einer Kapselfibrose und die Notwendigkeit weiterer Korrekturoperationen verringern können. Sollte sich dies in weiteren prospektiven Studien bestätigen, könnte dieser Ansatz dazu beitragen, den Patientenkomfort, die ästhetischen Ergebnisse und die allgemeine Lebensqualität zu verbessern. Im Zuge der fortschreitenden Entwicklung hin zu einer stärker personalisierten Brustkrebsbehandlung sind Erkenntnisse wie diese wertvoll für die Auswahl von Implantaten und die Behandlungsplanung. Das oberste Ziel ist nicht nur eine effektive Behandlung des Krebses, sondern auch die Minimierung von Langzeitnebenwirkungen und die Verbesserung der Genesung der Patientinnen.“

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