Bundesregierung beschließt Eckpunkte für besseren Kinder- und Jugendmedienschutz

Kinder unter 13 Jahren sollen künftig keinen Zugang zu sozialen Netzwerken mehr haben. (Foto: © candy1812 – stock.adobe.com)

Die Bundesregierung hat neue Eckpunkte für einen besseren Kinder- und Jugendmedienschutz beschlossen. Das Maßnahmenpaket basiert auf den Handlungsempfehlungen einer unabhängigen Expertenkommission und sieht strikte Vorgaben für Plattformbetreiber, altersgestaffelte Zugangsbeschränkungen für soziale Netzwerke sowie die verstärkte Einbindung der pädiatrischen Gesundheitsvorsorge vor.

Mit dem Beschluss leitet das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) unter Ministerin Karin Prien die konkrete Umsetzung von insgesamt 56 Kommissionsempfehlungen ein. Das Vorhaben verfolgt einen Dreiklang aus Schutz, Befähigung und Teilhabe. „Schluss mit Cybermobbing genau wie mit Dauer-Scrolling! Wir nehmen die Plattformbetreiber konsequent in die Pflicht und stärken Eltern den Rücken – sie erziehen die Kinder, das überlassen wir nicht den Algorithmen von Konzernen“, betonte Prien.

Nationale Übergangsregelung und Verbot unter 13 Jahren

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Regulierung digitaler Plattformen. Im Rahmen der europäischen Verhandlungen zum EU KIDS Act setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass Kindern unter 13 Jahren der Zugang zu sozialen Netzwerken grundsätzlich untersagt wird. Zudem soll das Prinzip „Safety by Design“ greifen, das suchtfördernde Oberflächenstrukturen verhindert und algorithmische Empfehlungssysteme standardmäßig deaktiviert. Bis zum Inkrafttreten EU-weiter Vorgaben plant die Bundesregierung eine nationale Übergangsregelung, die soziale Netzwerke für Kinder unter 13 Jahren ohne nachgewiesene Kindgerechtigkeit verbietet. Für Heranwachsende zwischen 13 und 18 Jahren sind gestaffelte Nutzungsbeschränkungen vorgesehen. Eine zuverlässige Altersverifikation soll ab 2027 über die EUDI-Wallet „d-you“ bereitgestellt werden.

Stärkung von Medien- und KI-Kompetenz

Neben der Plattformverantwortung setzt die Strategie auf die Prävention und Förderung digitaler Kompetenzen. Über das Bildungsangebot „KI-Seepferdchen“ sollen Grundschulkinder frühzeitig Basiskompetenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz erwerben. Zudem sollen Medienkompetenzförderung und erzieherischer Jugendschutz fest im Sozialgesetzbuch (SGB VIII) verankert werden. Eine kindgerecht gestaltete Kinder-Online-Wache soll zudem als niedriger Anlaufpunkt bei digitaler Gewalt dienen.

Pädiatrische Vorsorge rückt Mediennutzung in den Fokus

Um gesundheitliche Folgen exzessiver Bildschirmnutzung frühzeitig zu erkennen, soll die pädiatrische Vorsorge intensiver genutzt werden. Das Bundesgesundheitsministerium hat dazu im August 2026 eine Förderrichtlinie zu den Auswirkungen von Bildschirmmedien auf Kinder von null bis sechs Jahren beschlossen. Auch die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) beschlossene Früherkennungsuntersuchung für Neun- bis Zehnjährige sowie die Dokumentation der J1-Untersuchung im Gelben Heft sollen hierfür genutzt werden.