BvDU beteiligt sich an bundesweiter SpiFa-Hygienekampagne16. August 2021 BvDU-Präsident Axel Schroeder. Foto: BvDU Der Berufsverband der Deutschen Urologen (BvDU) empfiehlt seinen Mitgliedern, vom 16.08.2021 an “für einen gewissen Zeitraum” endoskopische Untersuchungen nur noch in dringenden Fällen durchzuführen. Damit schließt sich der BvDU, unterstützt von der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), gemeinsam mit anderen Facharztverbänden einer Kampgane des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschlands (SpiFa) an. Die Fachärzte wollen damit auf die Situation aufmerksam machen, dass wichtige fachärztliche Leistungen von den Krankenkassen nur teilweise finanziert werden. Die Aussetzungsperiode werde bundesweit von Nord nach Süd durch den Berufsverband in den nächsten Monaten initiiert, heißt es in einer Mitteilung. “Die Kassen blockieren seit Jahren in den Gremien der Selbstverwaltung die Fortsetzung der Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)”, so der BvDU zur Begründung seiner Aktion. “Man hat zwar mittlerweile den vermehrten Hygieneaufwand, den die Pandemie für die Praxen erforderte, mit 98 Millionen Euro für alle Vertragsärzte unterstützt. Dies deckt jedoch nicht die ständig gestiegenen Kosten für spezielle Hygiene- und Materialaufbereitung in den Facharztpraxen. Dadurch wird zunehmend der Weiterbetrieb in der ambulanten fachärztlichen Grund- und Spezialversorgung auf gewohntem Niveau, mit entsprechenden qualifizierten Hygienevoraussetzungen gefährdet.” Die Urologen sind besonders in Bezug auf die Blasenspiegelung betroffen, die zur Abklärung von Harnröhren-, Prostata- und Blasenkrebs dienst. Nach Angaben des Berufsverbandes kostet die Zystoskopie inklusive Arztleistung und Aufwendungen für die Hygieneaufbereitung der Geräte für den Mann 181,57 Euro. Erstattet bekämen die Praxen von den Krankenkassen seit 2020 nur 82,07 Euro, davor seien es lediglich 47,31 Euro gewesen. Für die Blasenspiegelung der Frau würden sogar nur 31,26 Euro honoriert. “Das heißt, bei durchschnittlich 5 bis 10 Zystoskopien am Tag pro Praxis entsteht einer urologischen Praxis ein Defizit von ca. 100.000 Euro im Jahr”, rechnet der Verband vor. „Wenn künftig in den Praxen qualifiziert, wohnortnah und flächendeckend endoskopische Eingriffe und ambulantes Operieren möglich sein sollen, dann muss der Hygieneaufwand endlich vergütet werden!“, fordert BvDU-Präsident Dr. Axel Schroeder. Er sieht auch die Politik in der Pflicht, die Schutzmaßnahmen zur Infektionsvermeidung in der Gesundheitsversorgung zu stärken. DGU-Präsident Prof. Arnulf Stenzl pflichtet ihm bei: „Hygiene duldet keine Kompromisse, somit auch deren Gegenfinanzierung nicht! Es ist geradezu paradox, dass in Zeiten der Pandemie Krankenkassen eine fortgesetzte Verweigerungshaltung an den Tag legen, den gestiegenen Mehraufwand der Medizinproduktaufbereitung zu tragen. Unsere Patienten und Mitarbeiter haben ein Recht auf Schutz vor lebensgefährlichen Infektionen. Hygiene und Infektionsschutz sind elementarer Bestandteil guter Behandlung.“ (BvDU/ms)
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