BvDU wendet sich gegen PSA-Heimtests16. März 2026 „Der PSA-Wert ist kein Ja-/Nein-Indikator”, betont der Berufsverband der Deutschen Urologie. Foto: jarun011 – stock.adobe.com Der Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) warnt vor PSA-Selbsttests für Patienten. Diese seien mit erheblichen Risiken verbunden. Der Berufsverband hebt stattdessen das leitliniengerechte Vorgehen zur Prostatakrebsvorsorge hervor. Der Markt für medizinische Selbsttests wächst rasant. Neben frei verkäuflichen Heimtests aus dem Einzelhandel treten inzwischen auch Krankenkassen als Anbieter entsprechender Programme auf. Der BvDU kritisiert, dass stellt etwa die Mobil-Krankenkasse ihren Versicherten PSA-Test-Kits zur eigenständigen Probennahme zur Verfügung stelle und dieses Angebot als Beitrag zur Prostatakrebsfrüherkennung positioniere. „Mehr Verunsicherung als Nutzen“ Nach Überzeugung des BvDU „erzeugen mobile PSA-Tests im Zweifel mehr Verunsicherung als medizinischen Nutzen. Falsch-positive Ergebnisse könnten unnötige Ängste auslösen, während unauffällige Werte Männer trotz individueller Risikokonstellationen in falscher Sicherheit wiegen könnten.“ Ein scheinbar normales Ergebnis könne dazu führen, dass Männer bestehende Beschwerden des unteren Harntrakts bagatellisieren und eine notwendige ärztliche Abklärung verzögern. Dabei lasse sich aus einem PSA-Wert weder der funktionelle Zustand der Harnblase noch das Ausmaß einer Abfluss-Störung ableiten. Erkrankungen wie schwere Blasenentleerungsstörungen würden durch PSA-basierte Selbsttests daher überhaupt nicht erkannt, betont der Berufsverband. „Der PSA-Wert ist kein Ja-/Nein-Indikator, sondern ein Steuerungsparameter innerhalb eines komplexen diagnostischen Pfades. Ein isolierter Messwert ohne ärztliche Einordnung kann medizinisch in die Irre führen“, so der BvDU-Vorstand. Mangelnde Qualität im Vergleich zur Labormedizin Selbsttests sind im Fall von PSA demnach schon vom Konzept her ein Problem. Doch auch die Qualität eines PSA-Selbsttests für liegt laut BvDU nicht auf dem Niveau eines ärztlich/labormedizinisch bestimmten PSA-Werts. Insbesondere bei der Blutentnahme gibt es ein gewichtiges Problem, auf das der BvDU hinweist: Die eigenständige Probenentnahme zu Hause sei – insbesondere bei Kapillarblut – anfällig für Fehler und könne die Aussagekraft der Ergebnisse zusätzlich beeinträchtigen. Und wenn man schon Kapillarblut für den PSA-Test benutzt, dann müsse dieses sofort untersucht werden. „Beim Mobile-Test wird das Blut mit der Post versandt. Belegt ist, dass selbst bei regulären Blutentnahmen das Blut taggleich verarbeitet werden muss. Wird die Analyse später durchgeführt, sollte das Blut gekühlt oder, noch besser, eingefroren werden und vorher Serum hergestellt werden“, betont der BvDU. Aus Sicht des Berufsverbands konterkariert die aktuelle Entwicklung zudem die Bemühungen um die Prostatakrebs-Früherkennung. „Es ist schwer vermittelbar, dass Kassen nicht bereit sind, die leitliniengerechte ärztliche Diagnostik zu finanzieren, gleichzeitig aber Selbsttests fördern, die Patienten ohne Beratung und Einordnung mit einem sensiblen Tumormarker allein lassen“, so der BvDU-Präsident Dr. Axel Belusa. Leitlinienbasierte Früherkennung statt Selbstdiagnostik Der BvDU fordert erneut, die PSA-Bestimmung sowie die transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS), wie sie im Positionspapier „Risikoadaptierte Prostatakarzinomfrüherkennung 2.0“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) vorgesehen sind, in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen. Zudem weist der Verband darauf hin, dass die Vertragsärzte aufgrund der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie immer noch verpflichtet sind, die digitalrektale Untersuchung im Rahmen der Männerkrebsfrüherkennung durchzuführen – solange der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) keine anderen Regelungen beschließt. „Ein unselektiertes PSA-Home-Testing ohne verpflichtende ärztliche Aufklärung widerspricht dem leitlinienbasierten Ansatz der Früherkennung“, betont der Berufsverband. „Früherkennung braucht ärztliche Beratung, qualitätsgesicherte Diagnostik und eine klare medizinische Verantwortung. Ein isolierter Selbsttest kann diese Struktur nicht ersetzen und bergen aus urologischer Sicht ein relevantes Risiko für die Patientensicherheit.“ (ms/BIERMANN)
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