BVKJ: “Kranke Kinder und Jugendliche gehören nicht in Fieberambulanzen“

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Sogenannte Fieberambulanzen sollen nach dem Willen des Bundesgesundheitsministers die Praxen entlasten, wenn die Corona-Infektionszahlen in den Wintermonaten wieder steigen. Kinder- und Jugendärzte halten diese Idee für schädlich.

„Säuglinge und Kleinkinder machen durchschnittlich acht bis zwölf Infektionen pro Jahr durch, im Herbst und Winter vor allem Atemwegsinfekte mit Fieber. Kinder und Jugendliche würden also die Patientenmehrheit in den geplanten Fieberambulanzen stellen. Fieberambulanzen sind jedoch keine Kinder- und Jugendarztpraxen”, sagte der Präsident des Berufsverbandes des Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Dr. Thomas Fischbach.

Die Praxen von Pädiatern seien dagegen auf Kinder und Jugendliche eingerichtet. “Wir betreuen die Kinder und Jugendlichen oft von Geburt an. Wir wissen, wieviel Gesundheitskompetenz wir ihren Eltern zutrauen können, wir können beurteilen, welche Familie mit Husten, Schnupfen und Fieber gut alleine klarkommt und wer eng betreut werden muss. Wir nutzen die Besuche der fiebernden Patienten auch, um auf fehlende Vorsorgen und Impfungen hinzuweisen. All dies können Fieberambulanzen nicht leisten. Sie würden unser ganzheitliches Betreuungskonzept sogar empfindlich stören”, sagte Fischbach. Vor allem sehr junge Kinder würden verunsichert und verlören ihr Zutrauen zu Ärzten, wenn sie statt in die vertraute Praxis in eine Fieberambulanz gebracht werden, wo sie auf fremdes Personal treffen, warnte der BVKJ-Präsident.

“Wir haben in den vergangenen Monaten unsere Praxen auf Pandemiebedingungen umgerüstet, Schutzvorrichtungen angebracht und die Abläufe geändert, sodass Covid-19-Patienten weder andere Patienten noch die Praxisteams infizieren können. Wir sind in der Lage, Corona-Tests durchzuführen und Kinder und Eltern zu beraten, wie sie sich bei einem positiven Test in den folgenden Tagen verhalten sollen. Es gibt also keinen Grund, für unsere Patienten, die wir bestmöglich und umfassend behandeln, Fieberambulanzen zu errichten, wo Kinder und Jugendliche von fachfremdem Personal ‘wie am Fließband’ behandelt werden”, sagte Fischbach.

Wichtiger wäre hingegen eine auf pädiatrische Belange zugeschnittene und risikoadjustierte Teststrategie des RKI, die weiterhin ausstehe. Nicht jeder banale Atemwegsinfekt müsse abgestrichen werden, was die wenigen positiven Testergebnisse in den pädiatrischen Praxen zeigten. Käme hier endlich eine geeignete RKI-Empfehlung, wären die Praxen für die kommende Infektsaison gut gerüstet. “Das Geld, das die Fieberambulanzen kosten werden, wäre hingegen sinnlos herausgeworfenes Geld und würde künftig für die ambulante Versorgung unserer pädiatrischen Patienten fehlen“, kritisierte der Berufsverband.