BVMed-Herbstumfrage 2022: Medizintechnik-Branche durch dramatische Kostensteigerungen unter Druck20. Oktober 2022 BVMed-Herbstumfrage 2022: Größte Umsatzhürden in Deutschland. Infografik.©BVMed Trotz der vorhergesagten Umsatzsteigerung in der Medizintechnik-Branche gegenüber dem Vorjahr werden die Gewinne 2022 aufgrund der enormen Kostensteigerungen in diversen Bereichen insgesamt zurückgehen, wie die Herbstumfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) zeigt. Die Umsatzentwicklung der Medizintechnik-Branche zeigt sich nach den Ergebnissen der Herbstumfrage des BVMed mit einem prognostizierten Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr leicht erholt. Die Gewinne der MedTech-Branche werden 2022 jedoch aufgrund der dramatischen Kostensteigerungen bei den Transport-, Rohstoff- und Energiepreisen sowie den regulatorischen Mehraufwand durch die EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) insgesamt zurückgehen. Dennoch schaffen die Unternehmen neue Arbeitsplätze und investieren in Produktionsstandorte, die BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll auf der Jahrespressekonferenz des MedTech-Verbandes vorstellte. Die gestiegenen Kosten und bürokratischen Hemmnisse durch die MDR führen zudem zu einem Rückgang der Innovationsdynamik der Branche. Der Innovationsklima-Index der MedTech-Branche ist mit 3,6 auf einer Zehnerskala auf einem Tiefstwert. „Das zeigt die Dramatik der Herausforderungen für die KMU-geprägte MedTech-Branche in Deutschland auf“, so Möll. An der Herbstumfrage nahmen 120 Mitgliedsunternehmen des BVMed teil. Die erwartete weltweite Umsatzentwicklung schneidet mit einem Plus von 3,5 Prozent nur knapp besser als die Inlandsentwicklung ab. In den Jahren vor der Corona-Pandemie lag das internationale Wachstum der Unternehmen immer deutlich über dem Inlandsergebnis. Aufgrund der enormen Kostensteigerungen werden die Gewinne der Unternehmen aber deutlich zurückgehen. Nur noch elf Prozent der MedTech-Unternehmen erwarten in diesem Jahr Gewinnsteigerungen. 62 Prozent gehen von einer Verschlechterung der Gewinnsituation aus. Trotz des erheblichen Drucks auf die Branche erhöhen über ein Viertel der Unternehmen auch in diesem Jahr ihre Investitionen am Produktionsstandort Deutschland. Bei knapp der Hälfte bleibt die Höhe der Investitionen unverändert. Nur noch 18 Prozent der befragten BVMed-Unternehmen geben an, die Investitionen in Forschung erhöhen zu können. Innovationsklima auf dem TiefpunktAls große Stärken des Standorts Deutschland nennen die befragten MedTech-Unternehmen vor allem die gut ausgebildeten Fachkräfte sowie die gute Infrastruktur. Die Werte sind aufgrund der Krisenauswirkungen mit steigenden Kosten und des spürbaren Fachkräftemangels aber um über zehn Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr. Bei den größten Hemmnissen für die Unternehmensentwicklung in der deutschen Medizintechnik sind 2022 zu den zuvor dominierenden MDR-Themen die enorm gestiegenen Kosten hinzugekommen. Weitere Faktoren sind der Fachkräftemangel und Unsicherheiten bei Zulieferern und Lieferketten. Die Hemmnisse durch die MDR bleiben jedoch weiterhin ein beherrschendes Thema. So sehen 68 Prozent der befragten BVMed-Unternehmen die ansteigenden Ausgaben und gebundenen Ressourcen durch die MDR als großes Hindernis für ihre künftige Entwicklung an. Ein weiterer Faktor ist der Innovationsstopp durch die MDR. Auf einer Skala von null bis zehn bewerten die Unternehmen das Innovationsklima für Medizintechnik in Deutschland im Durchschnitt nur noch mit 3,6. Das ist seit BVMed-Erhebung des Indexes 2012 der absolute Tiefstwert und zeigt die Dramatik der Herausforderungen für die KMU-geprägte MedTech-Branche auf. Als innovativste Forschungsbereiche schätzen die Unternehmen die Kardiologie und die Onkologie ein. Weiter zusätzliche ArbeitsplätzeTrotz der multiplen Krisen und enorm steigenden Kosten schafft die Medizintechnik-Branche in Deutschland weiter zusätzliche Arbeitsplätze. 40 Prozent der Unternehmen, die sich an der BVMed-Herbstumfrage 2022 beteiligten, erhöhen die Zahl der Mitarbeiter gegenüber dem Vorjahr, 43 Prozent halten die Zahl der Stellen stabil. Die Berufsaussichten für Fachkräfte in der MedTech-Branche sind nach wie vor ausgezeichnet. 92 Prozent der Unternehmen halten die Berufsaussichten für unverändert gut beziehungsweise besser. Gesucht werden vor allem Ingenieure, Naturwissenschaftler und Medizintechniker. Nach Bereichen betrachtet, suchen die MedTech-Unternehmen Personal vor allem im Vertrieb, in der Produktion, für Regulatory Affairs und Qualitätsmanagement. Die Auswirkungen des Fachkräftemangels sind dabei auch in der Medizintechnik stark spürbar. So geben beispielsweise 53 Prozent der Unternehmen an, dass sie Probleme haben, die offenen Stellen im Vertrieb zu besetzen. Bei den politischen Forderungen der Branche stehen nach wie vor MDR-bezogene Themen klar an der Spitze. 80 Prozent der MedTech-Unternehmen fordern einen pragmatischen Umgang des MDR-Systems mit Bestandsprodukten – beispielsweise durch Anerkennung klinischer Praxis und Registerdaten sowie Zertifikaten unter Auflagen. Neben dem vorherrschenden Thema MDR stehen auf der gesundheitspolitischen Agenda eine Verkürzung der Dauer der Bewertungsverfahren und eine generell ermäßigte Mehrwertsteuer für Medizinprodukte. Das Fazit von BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll: „Deutschland braucht eine forschungsstarke, leistungsfähige, wirtschaftlich gesunde und international wettbewerbsfähige Medizintechnik-Branche. Diese Zahlen unserer Herbstumfrage bestätigen, dass wir jetzt die im Koalitionsvertrag angekündigte Stärkung des Medizintechnik-Standorts Deutschland angehen müssen und eine Entlastung der Unternehmen von starker Bürokratie dringend benötigen.“
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