BVOU: 2023 drohen Facharzttermine knapp zu werden29. Juli 2022 Foto: Gina Sanders/stock.adobe.com Die Bundesregierung bereitet die Bürger im Moment auf Engpässe bei Erdgas und Strom vor – noch ein Engpass zeichnet sich ab: Mit der geplanten Budgetierung bei der Behandlung von Neu- und Notfallpatienten könnten Facharzttermine Mangelware werden, warnt der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU). Die Bürger könnten sich dagegen wappnen, in dem sie sich als Gesetzlich Versicherte in Facharztverträge einschreiben, so der Verband weiter. Solche Verträge kennen weder Aufnahmestopps noch lange Wartezeiten. Es gibt sie für Kardiologen, internistische Rheumatologen, Pulmonologen, Orthopäden und Unfallchirurgen und weitere Fachrichtungen.Gesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach will das höhere Honorar für die schnelle Vergabe von Behandlungsterminen an Neu- und Notfallpatienten im kommenden Jahr zurücknehmen. Die zusätzliche Arbeit, die den Praxen durch die rasche Terminvergabe entsteht, wird dann nicht mehr außerhalb des Budgets vergütet. Damit bleibe das Honorar hinter den tatsächlichen Kosten zurück, so der BVOU. „Das ist ein klares Signal mangelnder Wertschätzung an die Ärzteschaft und die vielen hochengagierten medizinischen Fachangestellten, die sich jeden Tag für die zeitnahe und effiziente Versorgung der Patientinnen und Patienten einsetzen, gerade auch unter den Bedingungen der Coronapandemie“, sagt Dr. Burkhard Lembeck, BVOU-Präsident. „Wenn die Behandlung der Neu- und Notfallpatienten wieder budgetiert wird, werden wir zehn Prozent weniger Termine vergeben können, weil wir die dafür nötigen Überstunden der medizinischen Fachangestellten nicht mehr angemessen vergüten können“, so Lembeck weiter. „Das ist ein desaströses Signal aus der Politik. Wartezeiten von drei bis sechs Monaten für einen Facharzttermin werden dann wieder die Regel sein. Die zeitnahe Behandlung wird zum Luxusgut“.Facharztverträge: Kostenfrei und ohne AufnahmestoppsAllerdings gibt es eine Alternative zu dieser drohenden Versorgungslücke, auf die der BVOU hinweist: die Facharztverträge der gesetzlichen Krankenkassen. Der BVOU hat in den vergangenen 15 Jahren mit verschiedenen Krankenkassen Orthopädie-Verträge abgeschlossen, etwa mit der Bosch BKK und der AOK Baden-Württemberg. „Diese Verträge sind für die Versicherten kostenfrei“, erläutert Lembeck. „Es gibt keine Aufnahmestopps und zügige Termine für alle eingeschriebenen Patientinnen und Patienten. Wenn die Bevölkerung schon durch die Inflation und die Verknappung des Erdgases gebeutelt wird, sollte Herr Lauterbach nicht auch noch Lücken in die medizinische Versorgung reißen“, so der BVOU-Präsident weiter.Bei diesen Facharztverträgen, die zu den sogenannten Selektivverträgen gehören, schließen die Gesetzlichen Krankenkassen einen direkten Vertrag mit den Leistungserbringern ohne Einbindung der Kassenärztlichen Vereinigungen. Die Versicherten können sich dann kostenlos in diese Verträge einschreiben. Den Selektivverträgen liege ein gemeinsames Verständnis davon zugrunde, was eine gute orthopädisch-unfallchirurgische Versorgung ausmacht, betont der Verband. Leistungen würden fair und nachvollziehbar vergütet, Behandlungen besser koordiniert. Das ärztliche Gespräch habe einen festen Platz in der Behandlungskette. „Facharztverträge sind eine Win-Win-Situation für alle“, sagt Lembeck. „Sie sind ein Gegenmodell zu einer Versorgung, bei der Neu- und Notfallkranke wieder unter das Budget fallen. Die Patientinnen und Patienten haben die Wahl.“
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