BVOU: Orthopädie und Unfallchirurgie stemmen Winter-Ansturm von Unfallverletzten4. Februar 2026 Bild: M.Dörr & M.Frommherz – stock.adobe.com Dem Berufsverband zufolge rettet nur der direkter Zugang zu Spezialisten die Versorgung der vielen Verletzten durch Eis- und Schneeglätte. Er fordert von der Politik, diesen im Notfall sicherzustellen. Die anhaltende Eis- und Schneeglätte der vergangenen Wochen hat in Berlin und bundesweit zu einem dramatischen Anstieg an Sturzverletzungen geführt. In den Notaufnahmen und orthopädisch-unfallchirurgischen Praxen herrscht Ausnahmezustand, teilt der Berufsverband für Orthopödie und Unfallchirurgie (BVOU) mit. In Berlin etwa meldeten Krankenhäuser und Praxen einen massiven Zustrom an Patientinnen und Patienten mit Brüchen, Prellungen und Kopfverletzungen. Ohne den direkten Zugang zu Fachärzten in Praxen und Kliniken wäre die Versorgung dieser akuten Fälle nicht möglich gewesen, so der BVOU. Berliner Orthopäden und Unfallchirurgen an der Belastungsgrenze Die Versorgungskapazitäten der Orthopädie und Unfallchirurgie werden laut BVOU durch die Glättewelle stark beansprucht und berichtet: Allein das Evangelische Elisabeth-Krankenhaus behandelte am 30. Januar 60 bis 70 Verletzte innerhalb eines Tages – viele von ihnen mit Brüchen, die sofort operiert werden mussten. Die regulären 150 Betten waren bereits am Mittag vollständig belegt, und zusätzliche Feldbetten wurden bereitgestellt. Das Unfallkrankenhaus Berlin meldet täglich 30 bis 40 neue Glätteopfer. Auch die Berliner Feuerwehr war mit allen verfügbaren Rettungswagen im Dauereinsatz, um die gestürzten Personen zu versorgen. Doch nicht nur die Kliniken, sondern auch hunderte Praxen für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin sorgen dafür, dass die Patienten kurzfristig behandelt werden, so der BVOU. Diese Praxen seien ein Rückgrat der Versorgung und hülfen, die Notaufnahmen zu entlasten. Zahlen belegen Rekordanstieg an Verletzungen Die Glättewelle hat sowohl in der Hauptstadt als auch bundesweit zu einer außergewöhnlichen Zunahme von Sturzverletzungen geführt, erläutert der Berufsverband weiter.: In Berlin wurden in einzelnen Bezirken seit Jahresbeginn Hunderte Beschwerden über nicht geräumte Wege gemeldet. Verletzungen wie Knochenbrüche, Prellungen und Schädel-Hirn-Traumata häufen sich. Bundesweit berichteten orthopädisch-unfallchirurgische Praxen und Kliniken von einem Anstieg akuter Verletzungsfälle um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Praxen und Kliniken: Rückgrat der Akutversorgung Orthopädische und unfallchirurgische Praxen spielen laut BVOU eine zentrale Rolle in der Akutversorgung. In Berlin gebe es mehrere hundert Praxen für Orthopädie und Unfallchirurgie, die eng mit den Kliniken zusammenarbeiteten und einen Großteil der ambulanten Notfallversorgung übernehmen. Bundesweit seien mehr als 3300 Praxen tätig, die etwa 70 Prozent der orthopädisch-unfallchirurgischen Notfälle ambulant behandeln. Ohne diese Strukturen wäre die Versorgung in der aktuellen Lage nicht aufrechtzuerhalten, betont der Berufsverband. Verpflichtender Hausarztbesuch würde Versorgung gefährden Die aktuelle Versorgungssituation zeige, so der BVOU, dass ein verpflichtender Hausarztbesuch vor dem Facharztkontakt – wie in manchen Modellen der Primärarztversorgung vorgesehen – kontraproduktiv wäre. Patienten mit akuten Verletzungen wie Brüchen oder schwereren Sturzfolgen brauchten sofort fachärztliche Hilfe. Der direkte Zugang zu Orthopäden und Unfallchirurgen – sowohl in Kliniken als auch in Praxen – sei für die Patientensicherheit unerlässlich. Direkter Facharztzugang sichert Versorgung Die Versorgung der vielen Glätteopfer im Januar 2026 war nach Angaben des BVOU nur durch das Zusammenspiel von Kliniken und niedergelassenen Orthopäden und Unfallchirurgen möglich. Daher fordert der Berufsverband von der Politik, den direkten Zugang zum Facharzt im Notfall sicherzustellen und bürokratische Hürden bei der Entwicklung von Primärversorgungsmodellen zu vermeiden.
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