Cannabisbasierte Arzneimittel: Auffällige Unterschiede in Europa1. Februar 2018 © johnalexandr – fotolia.com Eine Erhebung der Europäischen Schmerzgesellschaft (EFIC) zeigt: Es existieren erstaunliche Unterschiede zwischen europäischen Ländern hinsichtlich der Verfügbarkeit pflanzlicher und synthetischer Cannabinoide sowie medizinischem Cannabis zum Einsatz in der Schmerztherapie und Palliativversorgung. Auch die Übernahme der Kosten für diese Arzneimittel durch Krankenversicherungen und staatliche Sozialsysteme unterscheidet sich stark. Insgesamt wurden Vertreter von 31 nationalen EFIC-Verbänden befragt. Es stellte sich heraus, dass ein oromukosales Spray mit pflanzlichem Tetrahydrocannabinol/Cannabidiol (THC/CBD) in 21 Ländern zur Behandlung der Spastik bei Multipler Sklerose zugelassen ist, wenn konventionelle Therapien nicht ausreichend wirken. Ebenfalls aus Pflanzen gewonnenes THC (Dronabinol) ist in einigen palliativmedizinischen Indikationen in insgesamt 4 Ländern zugelassen. Ein synthetisches THC-Analogon (Nabilon) kann ebenfalls in 4 europäischen Ländern zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie-Patienten eingesetzt werden, wenn konventionelle Therapien nicht anschlagen. Insgesamt 8 Länder haben ein Ausnahmeprogramm für den Zugang zu medizinischem Cannabis, in 6 Ländern existiert ein erweitertes Zugangsprogramm. Deutsche und israelische Schmerzgesellschaften empfehlen den Einsatz von cannabisbasierten Arzneimitteln als Drittlinientherapie bei chronischen Schmerzen im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzeptes. Im Gegensatz dazu sprechen sich die Bundesärztekammer und ein Team finnischer Experten und Funktionäre gegen die Verschreibung von medizinischem Cannabis aus, aufgrund eines Mangels an qualitativ hochwertiger Evidenz für die Wirksamkeit und potenziellen Nebenwirkungen. Fazit Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den in EFIC vertretenen Ländern hinsichtlich der Zulassung und Verfügbarkeit von Produkten auf Cannabisbasis für medizinische Zwecke. Die EFIC-Länder sollten mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur zusammenarbeiten, um ein gemeinsames Dokument über Arzneimittel auf Cannabis-Basis zu veröffentlichen, so die Autoren. Autoren: Krcevski-Skvarc N et al. Korrespondenz: Department of Anesthesiology, Intensive Care and Pain Treatment, University Medical Center Maribor, Maribor, Slowenien Studie: Availability and approval of cannabis-based medicines for chronic pain management and palliative/supportive care in Europe: A survey of the status in the chapters of the European Pain Federation Quelle: Eur J Pain. 2017 Nov 13. Web: onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1002/(ISSN)1532-2149