CAR T-Zellen gegen solide Tumoren fit machen

CAR T-Zellen aus patienteneigenen Immunzellen werden bereits erfolgreich bei der Behandlung von Blutkrebs eingesetzt. Forschende aus Tübingen versuchen, die Therapie auch für solide Tumoren zu optimieren. Symbolbild: Alpha Tauri 3D/stock.adobe.com

Tübinger Forschende haben die CAR T-Zelltherapie mithilfe der CRISPR-Base-Editing-Technologie präziser und wirksamer gegen aggressive solide Tumoren in Mausmodellen gemacht.

Die Therapie mit CAR T-Zellen zeigt bei Blutkrebserkrankungen bereits große Erfolge. Doch bei einigen Patientinnen und Patienten ist die Wirksamkeit der Therapie nicht ausreichend, so dass es zu einem Fortschreiten oder Rückfall der Erkrankung kommt. Bei soliden Tumoren, etwa bei Lungenkrebs oder Brustkrebs, blieb sie bisher weitgehend erfolglos.

Forschende des Universitätsklinikums Tübingen und des Exzellenzclusters iFIT haben eine Methode etabliert, um die CAR T-Zelltherapie gezielt zu verbessern und die Immunzellen so zu verändern, dass sie Tumorzellen wirksamer bekämpfen – auch bei bisher schwer zu therapierenden soliden Tumoren. Die Ergebnisse der im Fachjournal “Nature Cancer” veröffentlichten präklinischen Studie könnten neue Wege für personalisierte Krebstherapien eröffnen.

Präzise Feinanpassung durch Gen-Modifikation

Um die Wirksamkeit der CAR T-Zellen zu erhöhen, nutzten die Forschenden die sogenannte CRISPR-Base-Editing-Technologie. Mit ihr lassen sich gezielt einzelne Basen im Erbgut verändern. So können wichtige Signalwege in den Zellen präzise angepasst werden. „Unsere Methode erlaubt es, CAR T-Zellen fein abzustimmen und dabei ihre natürlichen Eigenschaften positiv zu beeinflussen“, erklärt Erstautor der Studie Dr. Philip Bucher. „Damit schaffen wir die Grundlage für wirksamere und langlebigere Zelltherapien.“

In präklinischen Mausmodellen testete das Team die modifizierten Immunzellen sowohl bei initialem und wiederkehrendem Blutkrebs nach zunächst erfolgreicher CAR T-Zell-Therapie als auch beim metastasierten Neuroblastom – der häufigsten soliden extrakraniellen Krebserkrankung bei Kindern. Dieser seltene, bösartige Tumor tritt meist im Bauchraum oder Brustkorb auf, und hat seinen Ursprung meist aus dem Nebennierenmark oder den Nervensträngen entlang der Wirbelsäule. In diesen schwer zu behandelnden Modellen zeigten die modifizierten Immunzellen eine deutlich stärkere und länger anhaltende Wirkung als bisherige Ansätze. Damit liefern die Ergebnisse wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der CAR T-Zelltherapie, insbesondere bei bislang schwer behandelbaren Krebsformen.

Perspektive für künftige Behandlungen

Langfristig könnten solche präzisen Genveränderungen die Anwendung der CAR T-Zelltherapie erheblich verbessern – und mehr Patientinnen und Patienten Zugang zu innovativen Behandlungsformen ermöglichen. „Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass gezielte molekulare Eingriffe die Effektivität von Zelltherapien deutlich steigern können“, betont Studienleiterin Prof. Judith Feucht. „Das bringt uns dem Ziel, Rezidive zu vermeiden und die CAR T-Zelltherapie auch im Kontext solider Krebserkrankungen zu etablieren, entscheidend näher“, ergänzt Jun. Prof. Josef Leibold, der sich die Studienleitung mit Prof. Feucht teilt.

Erstautor Bucher und die beiden Professoren Feucht und Leibold forschen in Deutschlands einzigem onkologischen Exzellenzcluster, dem „Image-Guided and Functionally Instructed Tumor Therapies“, kurz „iFIT“ an der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen.