Carlo Traverso mit Manfred Bootz Glaucoma Award ausgezeichnet

Carlo E. Traverso (Mitte) mit Laudator Norbert Pfeiffer (l.) und dem Preisträger des Vorjahres, Franz Grehn. Foto: Schulz/Biermann Medizin

Der international anerkannte Glaukom-Spezialist Prof. Carlo Enrico Traverso aus Genua, Italien, ist anlässlich der AAD mit dem Manfred Bootz Glaucoma Award ausgezeichnet worden. Laudator war Prof. Norbert Pfeiffer, ehemaliger Direktor der Mainzer Universitätsaugenklinik und Vorsitzender der Mainzer Glaukom-Stiftung.

Traverso wurde geehrt für sein herausragendes Wirken auf dem Gebiet der Glaukomforschung und -therapie. Er ist seit Anbeginn Co-Leiter des Leitlinien-Teams der European Glaucoma Society (EGS), die im Herbst 2025 die nunmehr 6. Auflage der „Terminologie und Leitlinien für das Glaukom“ herausgegeben hat. Hiermit wurde die vorherige Ausgabe überarbeitet und erweitert. Ziel ist, Augenärzten ein praxisnahes, evidenzbasiertes und konsensgestütztes Handbuch für die Diagnostik und das Management des Glaukoms bereitzustellen.

Stiftungsgründung dank eines Nachlasses

Der mit 10.000 Euro dotierte Manfred Bootz Glaucoma Award wird jährlich im Rahmen der AAD von der Mainzer Glaukom-Stiftung vergeben.
Bootz, so erläuterte Pfeiffer, sei in den 1970er-Jahren ein Glaukompatient der Mainzer Universitäts-Augenklinik gewesen. Aus Dankbarkeit darüber, dass ihm habe geholfen werden können und da er ohne Familie gewesen sei, habe Bootz sich entschlossen, seinen Nachlass dem Kampf gegen das Glaukom zu widmen. Als der einstige Patient dann verstorben sei, habe man das Testament mit der entsprechenden Verfügung gefunden und die Universitätsaugenklinik Mainz informiert. Daraufhin sei die Mainzer Glaukom-Stiftung gegründet worden, um das Vermächtnis von Bootz zu erfüllen.
Erstmals verliehen wurde der Preis 2024 Jahr an Prof. Fotis Topouzis aus Thessaloniki, Griechenland. Im Jahr 2025 erhielt Prof. Franz Grehn, Seniorprofessor der Universitäts-Augenklinik Würzburg, den Award für sein besonderes Lebenswerk.

Ständig in der Weiterentwicklung: Leitlinien der EGS

Traverso, der diesjährige Empfänger des Awards, hielt seine mit dem Preis verbundene Ehren-Lecture zu den „EGS-Guidelines for glaucoma – a evolving project“. Seine Zuhörer nahm er mit auf eine Zeitreise durch die Entwicklung dieses Projektes, das 1996 startete und zugleich auch einen Spiegel der Entwicklung der Glaukomforschung und -therapie darstellt.

Ursprünglich begonnen hatte alles, so erinnerte Traverso, bereits im Jahr 1977, als Erik Greve die Idee aufgebracht hatte, eine europäische Glaukomgesellschaft zu gründen. Aus ihrer Mitte heraus bildete sich 1996 eine zunächst noch kleine Arbeitsgruppe, der Traverso bereits angehörte. Zwei Jahre später erschien sodann die erste Auflage der Guidelines. Seitdem wird sie in fünf-bis sechsjährigen Intervallen regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht. Die Zahl der Mitwirkenden ist im Laufe der vergangenen 30 Jahr stetig gestiegen und mittlerweile auf rund 60 Experten gewachsen.

Viele Updates, ein Statement

Zahlreiche Kapitel seien für die aktuelle Ausgabe umfassend überarbeitet worden, präsentierte Traverso eine detaillierte Liste. Updates gibt es unter anderem zu den Punkten Kosteneffektivität, KI, Genetik, kindliche Glaukome, Angle Closure Management oder Chirurgie.

Unverändert geblieben seit der ersten Ausgabe ist jedoch das Mission Statement der EGS Guidelines: die patientenzentrierte Sichtweise. „Patient first“, fasste Traverso das Statement zusammen. Schon 1998 habe man bei der Zusammenstellung der Fragen, die für das Management von Glaukompatienten wichtig seien, die erst später aufgekommenen Patient Reported Outcome Measures quasi vorweggenommen.

Traverso und Pfeiffer nutzten die Gelegenheit, gleich auf den anstehenden 17. Kongress der EGS aufmerksam zu machen. Dieser findet vom 30. Mai bis 2. Juni in Brüssel statt. (dk/BIERMANN)