MCC CBD: Vielversprechende Substanzen mit hohem therapeutischen Potenzial27. Mai 2026 Symbolbild: Tinnakorn/stock.adobe.com Das Endocannabinoid-System ist nach aktueller Einschätzung ein äußerst bedeutendes und noch nicht vollständig verstandenes regulatorisches System. Laut Intensivmediziner Prof. Rudolf Likar zähle insbesondere Cannabidiol (CBD) zu den vielversprechenden Substanzen mit zukünftigem therapeutischen Potenzial. von Prof. Dr. Rudolf Likar Cannabidiol (CBD) ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid aus Cannabis sativa. Cannabinoide liegen in frischem Pflanzenmaterial beziehungsweise Hanfextrakten in ihrer carboxylierten, sprich in Säureform vor. Als erstes Cannabinoid in seiner genuinen Säureform wurde Cannabidiol isoliert. Erst durch die Temperatureinwirkung und UV-Licht beziehungsweise durch eine Altersdepression der Blütenextrakte wandelt sich dieses Hauptcannabinoid CBDa zum größten Teil in die decarboxylierte, säurefreie Form (Cannabidiol) um. CBD interagiert nicht in direkter Form mit dem humanen Endocannabinoidrezeptor-System. Wie bereits erwähnt, ist CBDa die Vorläuferverbindung von CBD. Beide Cannabinoide haben einige Gemeinsamkeiten, wie etwa, dass beide Substanzen keine psychoaktive Wirksamkeit entfalten.Das CBD wirkt über multiple Rezeptorsysteme, unter anderem auf die Cannabinoid-Rezeptoren CB-1 und -2, auf GPR55 (G Protein Coupled Receptor 55) sowie auf TRPV(Transient Receptor Potential Vanilloid)-Kanäle. CBD ist lipophil und die Aufnahme wird durch Nahrungsmittel mit einem hohen Fettgehalt um den Faktor vier verbessert. Dosierung, Indikationen und Nebenwirkungen Die Initialdosis von CBD ist zweimal 100 Milligramm, die Dosissteigerung ist im therapeutischen Bereich zwischen 600 und 800 Milligramm, grundsätzlich wird empfohlen: Start low and go slow. CBD wird meist als Add-on-Therapie verwendet und dadurch können andere Co-Medikationen reduziert werden und damit auch die Nebenwirkungen der anderen Arzneimittel. Das Problem ist, dass in vielen bisherigen Studien CBD stark unterdosiert eingesetzt wurde und die jeweilige Behandlungsdauer meist auch zu kurz war. Indikationen für die Verordnung von CBD sind unter anderem epileptische Formenkreise, Angststörungen inklusive posttraumatischer Stress, Autismus, maligne und neurodegenerative Erkrankungen, Drogenabhängigkeit, Entzug, Schizophrenie (motorische Darmerkrankung), Immunsuppression. Wir haben CBD und auch den 25 prozentigen Cannabisextrakt CBD bei Patienten mit Fibromyalgie untersucht, wobei eine deutliche Schmerzlinderung gezeigt werden konnte. Auch bei Patienten mit Rückenschmerzen, Patienten mit Myalgie, Post-COVID-Syndrom und Fatigue-Syndrom konnten wir eine deutliche Schmerzlinderung zeigen und eine sichtbare Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Bei Patienten mit Post- und Long-COVID ist die Behandlung langwierig und oft schwierig. Es gibt viele medikamentöse, aber auch nicht medikamentöse Therapiemöglichkeiten. Jedoch existiert kein Monopräparat, welches solitär wirkt und deswegen ist eine Add-on-Therapie auch bei Long- und Post-COVID mit CBD und/oder mit CBD-Extrakt-Öl sinnvoll. Man sollte, wie erwähnt, niedrig dosiert beginnen mit zweimal 100 bzw. zweimal 150 Milligramm und dann auf die Tagesdosis bis 600 bzw. 800 Milligramm steigern. Die Nebenwirkungen, die bei CBD-Einsatz auftreten können, sind Schläfrigkeit, was aber von Schmerzpatienten als sehr positiv empfunden wird, wenn gerade am Abend die Dosis erhöht eingenommen wird. Weiterhin können hohe CBD-Dosen auch zu Fieber und Diarrhö führen, sowie zu vermindertem Appetit. Wenn der Patient eine eingeschränkte Leberfunktion aufweist, dann ist eine Dosisanpassung empfohlen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist dagegen keine entsprechende Anpassung erforderlich. Hinweise auf positive Effekte bei schwerem COVID-19 und Gliomen Wir haben CBD auf der Intensivstation auch bei Patienten mit COVID-19 untersucht. Hier konnten wir zeigen, dass der Infektionsverlauf positiv beeinflusst wird, der CT-Wert sowie Laborwerte für Lymphozyten wie auch Ferritin sich schneller normalisieren. Weitere retrospektive Fallanalysen konnten zeigen, dass bei Patienten mit Gliomen Hinweise auf einen positiven Effekt von CBD bestehen. Mittlerweile liegt zudem eine moderate Evidenz dafür vor, dass der Einsatz von CBD bei dieser Patientengruppe zu einer Verbesserung der Lebensqualität sowie zu einer signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit beitragen kann. In diesem Zusammenhang ist die Anwendung höherer Dosierungen, in der Regel über 400 Milligramm täglich, von besonderer Bedeutung. In Österreich ist CBD bzw. CBD-Öl in Form einer magistralen öligen Zubereitung nicht im Erstattungskodex EKO gelistet. Eine Kostenübernahme ist daher nur bei Vorliegen einer entsprechend fundierten medizinischen Begründung sowie nach vorheriger Bewilligung durch den kontrollärztlichen Dienst möglich. Wir haben ein Fachbuch verfasst, in dem die Wirkungen verschiedener Cannabinoide systematisch dargestellt werden. Der Titel lautet „Dr. Cannabis – Wie man Cannabis, CBD und CBG richtig einsetzt, um Lebensqualität zu verbessern“. Herausgeber sind Dr. Rudolf Likar und Dr. Dominik Schantl; erschienen ist das Werk in der Edition Platin. Darüber hinaus sind wir in der Forschung sowie in der Entwicklung entsprechender Produkte tätig, da insbesondere CBD, aber auch Cannabigerol (CBG), zu den vielversprechenden Substanzen mit zukünftigem therapeutischen Potenzial zählen. Weitere Cannabinoide befinden sich derzeit ebenfalls in wissenschaftlicher Untersuchung. Das Endocannabinoid-System ist nach aktueller Einschätzung ein äußerst bedeutendes und noch nicht vollständig verstandenes regulatorisches System, dessen Rolle in vielerlei Hinsicht über jene des Endorphin-Systems hinausgehen könnte. Für die Zukunft besteht ein erheblicher Forschungsbedarf, insbesondere im Hinblick auf das Zusammenspiel der zahlreichen – mittlerweile über 100 bekannten – Cannabinoide und deren komplexe Interaktionen im biologischen Gesamtsystem. Der Vortrag findet am 29.05.2026 von 09:45 bis 10:30 Uhr am CVK in Forum 3 statt. Prof. Dr. Rudolf Likar ist Facharzt für Anästhesiologie und allgemeine Intensivmedizin und am Klinikum Klagenfurt am Wörthersee in Österreich tätig. Weiterführende Informationen finden Sie unter www.dr-likar.at
Mehr erfahren zu: "Vorurteile und mangelndes Wissen: Warum die Ärzteschaft Cannabis ablehnt" Weiterlesen nach Anmeldung Vorurteile und mangelndes Wissen: Warum die Ärzteschaft Cannabis ablehnt Auch heute noch steht ein Teil der Ärzteschaft dem Konsum von medizinischem Cannabis kritisch oder gar ablehnend gegenüber. Der britische Wissenschaftler Prof. David Nutt sieht in Unwissenheit und Vorurteilen die […]
Mehr erfahren zu: "Medizinalcannabis: Die Apotheke als kompetenter Berater der ärztlichen Verordner" Weiterlesen nach Anmeldung Medizinalcannabis: Die Apotheke als kompetenter Berater der ärztlichen Verordner Mit der Legalisierung 2022 wächst die Bedeutung von Medizinalcannabis in der Schweiz. Doch das Wissen zu Indikationen, Dosierung und Vergütung bleibt oft lückenhaft. Hier kommt Apotheken, die sich auf die […]
Mehr erfahren zu: "Bayern will bei Gesundheitsreform Verbesserungen für Ärzte" Bayern will bei Gesundheitsreform Verbesserungen für Ärzte Kaum ein politisches Gebiet ist so vermint, wie das Gesundheitswesen. Viele Lobbygruppen zerren in Sachen Gesundheitsreform am selben Strang – in verschiedene Richtungen. Bayern will sich gegen Kürzungen bei Ärzten […]