CED: Warum Unverträglichkeiten gegen zuvor tolerierte Lebensmittel auftreten19. Oktober 2026 Abbildung/KI-generiert: new/stock.adobe.com Chronische Entzündungen im Darm können bei Bakterien zu Veränderungen in der Verarbeitung von Nahrung führen und Immunreaktionen gegen Lebensmittel zur Folge haben, die zuvor problemlos konsumiert werden konnten. Viele Patienten mit Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CEDs) ändern ihre Ernährungsgewohnheiten in der Hoffnung, dass dies ihre Symptome lindern würde – auch wenn es nur wenig Evidenz dafür gibt, dass dies hilft. Etwa zwei Drittel aller CED-Patienten geben an, dass bei ihnen im Zusammenhang mit Lebensmitteln verstärkt Symptome auftreten. Milchprodukte, Weizen und Ballaststoffe sind die häufigsten Nahrungsmittel, denen die Schuld dafür gegeben wird. Warum sie bei CED-Patienten zu Problemen führen, ist bislang unklar. Die Antwort könnte im Darmmikrobiom liegen: Ältere Studien haben gezeigt, dass CED-Patienten häufig ein verändertes Darmmikrobiom aufweisen. In ihrer neuen Untersuchung, deren Ergebnisse kürzlich in „Gastroenterology“ veröffentlicht wurden, haben Forschende einen neuen Mechanismus identifiziert, der dafür verantwortlich ist, dass diese Veränderungen zu Reaktion auf bestimmte Lebensmittel führen. „Das Darmmikrobiom agiert als Stoffwechselorgan, das uns hilft, Nahrungsmittelbestandteile zu verdauen – einschließlich derer, die eine Reaktion des Darms auslösen können“, erläutert Studienautor Alberto Caminero vom Farncombe Family Digestive Health Research Institute an der McMaster University in Hamilton (Kanada). „Unsere Studie zeigt, dass eine Entzündung diese mikrobielle Fähigkeit beeinträchtigt, was potenziell zu negativen Reaktionen auf Lebensmittel beiträgt. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für Mikrobiom-basierte Therapien, um diese Funktion bei CED-Patienten zu erhalten.“ Von Mäusen … Die Wissenschaftler bedienten sich für ihre Untersuchungen zweier Colitis-Mausmodelle. Anhand dieser beobachteten sie, dass die Entzündung die Tiere anfälliger für die Entwicklung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten machte. Nach der akuten Entzündung löst eine exposition gegenüber Milchprodukten oder Gluten eine Allergie-artige Immunantwort im Kolon aus. Eine Wiedereinführung dieser Lebensmittel zu einem späteren Zeitpunkt verursachte eine verstärkte Sensitivität des Darms und Colitis-Symptome. Die Spur führte zurück zum Darmmikrobiom: Die Entzündung führte zur Depletion spezifischer Bakterien, die normalerweise diese Nahrungsmittel-Trigger abbauen. Diese Veränderung allein reiche aus, um das Sensibilisierungsrisiko zu erhöhen. Ein Transfer von Darmbakterien, die von Mäusen mit Entzündung stammten, in sterile Tiere machte aus diese anfälliger für Reaktionen gegen dieselben Nahrungsmittel. Ein Erhalt der fehlenden Bakterien wiederum minderte diese Effekte. … und Menschen Dieses Muster zeigte sich auch bei Menschen. CED-Patienten, die nach eigenen Angaben an Nahrungsmittelunverträglichkeiten litten, zeigten mit höherer Wahrscheinlichkeit sowohl eine verminderte Fähigkeit häufig Reaktionen auslösende Lebensmittel abzubauen als auch geringere Konzentrationen von Bakterien, die diese Aufgabe normalerweise übernehmen. Laut den Forschenden ist eine Störung des Mikrobioms wahrscheinlich nur ein Teil des größeren Gesamtbildes. Zu diesem gehören auch die Genetik, Infektionen und Stress. All diese Faktoren müssen noch weiter erforscht werden. Alles in allem deuten die Ergebnisse der Studie auf einen möglichen Mechanismus hin, der hinter Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei CED steckt: Die Entzündung stört diejenigen Darmbakterien, die normalerweise bestimmte Lebensmittel abbauen, und diese Störung – nicht die Nahrungsmittel selbst – tragen dazu bei, die Immunreaktionen auszulösen, die die Patienten erfahren. (ac/BIERMANN)
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