Chronische Nierenerkrankung bei Katzen – Regelmäßige Gesundheitschecks empfohlen6. Oktober 2026 Bei der Abklärung einer chronischen Nierenerkrankung gehört die Kontrolle des Blutdrucks zu den wichtigen Untersuchungen. Foto: © adobe.stock/herraez (BfT-Meldung) Chronische Nierenerkrankungen gehören zu den häufigen Erkrankungen der Katze und treten insbesondere bei älteren Tieren auf. Regelmäßige Gesundheitschecks sind deshalb gerade bei älteren Katzen wichtig, um Veränderungen der Nierenfunktion möglichst früh zu erkennen und zu behandeln, wie der Bundesverband für Tiergesundheit informiert. Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und bleibt lange unbemerkt. Unter dem Begriff chronische Nierenerkrankungen (Chronic Kidney Disease, CKD) werden unterschiedliche Prozesse zusammengefasst, die über einen längeren Zeitraum zu strukturellen oder funktionellen Veränderungen der Nieren führen. Einmal verloren gegangenes funktionsfähiges Nierengewebe kann in der Regel nicht wiederhergestellt werden. Ziel von Früherkennung und Behandlung ist deshalb, die verbleibende Nierenfunktion möglichst lange zu erhalten, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Folgeerscheinungen zu behandeln. Vor allem ältere Katzen sind betroffen Das Risiko einer chronischen Nierenerkrankung steigt mit zunehmendem Alter. Gerade bei älteren Katzen treten häufig mehrere Krankheitsbilder gleichzeitig auf. Von besonderer Bedeutung sind Bluthochdruck oder eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Eine Hyperthyreose kann eine bereits bestehende Einschränkung der Nierenfunktion zunächst verdecken. Deshalb sollte bei älteren Katzen die Funktion der Nieren und der Schilddrüse sowie der Blutdruck gemeinsam im Blick behalten werden. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann Organe wie Nieren, Augen, Herz und Gehirn schädigen und die bestehende Nierenerkrankung zusätzlich ungünstig beeinflussen. Die Blutdruckmessung ist deshalb ein wichtiger Bestandteil von Diagnostik und Verlaufskontrolle. Grundsätzlich kann eine chronische Nierenerkrankung jedoch in jedem Lebensalter auftreten. Bei jungen Katzen können angeborene und erbliche Nierenerkrankungen eine Rolle spielen. Für einige Katzenrassen wird ein erhöhtes Risiko für Nierenerkrankungen beschrieben. Dazu gehören unter anderem Perser, Abessinier, Siamkatzen, Ragdoll, Burma, Russisch Blau und Maine Coon. Ein erhöhtes Risiko für eines der beiden Geschlechter ist dagegen nicht belegt. Erste Veränderungen sind leicht zu übersehen Eine chronische Nierenerkrankung entwickelt sich meist langsam. Zu Beginn können die Veränderungen so unspezifisch sein, dass sie leicht als normale Alterserscheinungen wahrgenommen werden. Die Katze wirkt beispielsweise ruhiger, schläft mehr oder ist weniger aktiv als gewohnt. Im weiteren Verlauf können vermehrter Urinabsatz und vermehrtes Trinken auffallen. Bei Katzen sind diese Veränderungen nicht immer leicht zu erkennen. So etwa wenn mehrere Tiere im Haushalt leben oder die Katze auch draußen trinkt und Urin absetzt. Gewichts- und Muskelverlust, verminderter Appetit und Schwäche sind weitere mögliche Warnzeichen. Für ältere Tiere ist ein regelmäßiges Wiegen daher zu empfehlen. Bei fortgeschrittener Erkrankung können Übelkeit und Erbrechen hinzukommen. Auch eine Blutarmut (Anämie) kann sich im Verlauf entwickeln, weil die geschädigten Nieren weniger Erythropoetin bilden – ein Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Müdigkeit, Schwäche und verminderter Appetit können dadurch verstärkt werden. Fallen solche Veränderungen auf, sollte die Katze tierärztlich untersucht werden. Mehrere Untersuchungen führen zur Diagnose Eine chronische Nierenerkrankung lässt sich nicht anhand eines einzelnen Symptoms oder Laborwertes feststellen. Neben der Krankengeschichte und der klinischen Untersuchung liefern vor allem Blut- und Urinuntersuchungen wichtige Hinweise. Auch der Blutdruck sollte gemessen werden. Zu den wichtigen Laborparametern gehören Kreatinin und SDMA. Beide können Hinweise auf die Filtrationsleistung der Nieren geben. Bei der Interpretation müssen jedoch weitere Faktoren berücksichtigt werden. Kreatinin wird beispielsweise von der Muskelmasse beeinflusst. Gerade bei älteren oder bereits abgemagerten Katzen kann dies die Beurteilung erschweren. Die Urinuntersuchung liefert zusätzliche wichtige Informationen. Dazu gehört das spezifische Uringewicht, das Hinweise auf die Konzentrationsfähigkeit der Nieren gibt. Außerdem wird untersucht, ob vermehrt Eiweiß über den Urin ausgeschieden wird. Eine anhaltende Proteinurie (Eiweißverlust über den Harn) kann sowohl für die Beurteilung der Erkrankung als auch für die Therapie und die Prognose relevant sein. Je nach Befund können weitere Untersuchungen wie ein Ultraschall der Nieren und Harnwege notwendig sein. Im Ultraschall können Größe und Struktur der Nieren sowie Veränderungen der Nierenbecken und ableitenden Harnwege beurteilt werden. Gleichzeitig müssen andere Ursachen für veränderte Nierenwerte oder ähnliche Symptome ausgeschlossen werden. Dazu gehören eine akute Nierenschädigung, Flüssigkeitsmangel, Infektionen der Harnwege beziehungsweise Nieren, Nieren- und Harnleitersteine sowie Abflussstörungen. Auch eine Schilddrüsenüberfunktion und Diabetes mellitus können mit ähnlichen klinischen Symptomen einhergehen oder Laborwerte beeinflussen. Die Unterscheidung zwischen einer akuten Nierenschädigung und einer chronischen Nierenerkrankung ist besonders wichtig, weil sich Behandlung und Prognose unterscheiden. Bei einer chronischen Nierenerkrankung müssen die Veränderungen über einen längeren Zeitraum bestehen beziehungsweise Befunde vorliegen, die eine chronische Erkrankung belegen. Behandlung richtet sich nach Stadium und Befund Eine chronische Nierenerkrankung ist nicht heilbar. Ist sie nachgewiesen und die Nierenfunktion stabil, wird sie nach den Kriterien der International Renal Interest Society (IRIS) in vier Stadien eingeteilt. Die Einteilung hilft, die Behandlung an Krankheitsstadium und individuelle Befunde anzupassen. Die vier IRIS-Stadien IRIS-Stadium 1: Es liegen bereits Hinweise auf eine Nierenerkrankung vor, obwohl der Wert für Kreatinin noch im normalen Bereich liegen kann. Klinische Symptome fehlen häufig. IRIS-Stadium 2: Die Einschränkung der Nierenfunktion ist deutlicher nachweisbar. Viele Katzen zeigen weiterhin keine oder nur geringe Beschwerden; vermehrter Urinabsatz und vermehrtes Trinken können auftreten. IRIS-Stadium 3: Die Nierenfunktion ist deutlich eingeschränkt. Beschwerden wie Gewichts- und Muskelverlust, Appetitstörungen oder Übelkeit treten häufiger auf. Auch eine Anämie ist in diesem Stadium häufiger möglich. IRIS-Stadium 4: Es liegt eine weit fortgeschrittene Nierenerkrankung vor. Die Behandlung richtet sich neben der Verlangsamung weiterer Schäden zunehmend darauf, Beschwerden zu kontrollieren und die Lebensqualität zu sichern. Zusätzlich werden die Eiweißausscheidung über den Urin und der Blutdruck beurteilt. Proteinurie und Bluthochdruck können in jedem Krankheitsstadium auftreten und zusätzliche therapeutische Maßnahmen erforderlich machen. Ziel der Behandlung ist es, das Fortschreiten möglichst zu verlangsamen, Folgeerscheinungen zu begrenzen und Beschwerden zu lindern. Welche Maßnahmen notwendig sind, richtet sich nach dem Krankheitsstadium und den individuellen Befunden und ob Symptome wie etwa Übelkeit oder Appetitverlust vorliegen. Bei Übelkeit und Erbrechen können entsprechende Medikamente eingesetzt werden. Gegebenenfalls kann zusätzlich ein Schutz der Magenschleimhaut notwendig sein. Auch Störungen des Kalium- oder Säure-Basen-Haushalts werden bei Bedarf gezielt behandelt. Auch eine durch die Nierenerkrankung bedingte Anämie kann gezielt behandelt werden. Neben bereits länger eingesetzten Therapieansätzen stehen inzwischen neue Wirkstoffe zur Verfügung, die die körpereigene Bildung roter Blutkörperchen anregen. Welche Therapie angezeigt ist, richtet sich nach Ausprägung der Anämie, klinischem Zustand und individuellen Begleiterkrankungen. Nierendiät als wichtiger Therapiebaustein Die Ernährung gehört zu den wichtigsten langfristigen begleitenden Maßnahmen bei einer chronischen Nierenerkrankung. Eine Nierendiät ist dabei mehr als lediglich ein Futter mit weniger Eiweiß. Eine zentrale Rolle spielt die Kontrolle des Phosphathaushalts, da mit fortschreitender Erkrankung, die Fähigkeit der Nieren zur Ausscheidung von Phosphat verringert wird. Zunächst wird die Phosphoraufnahme über die Nahrung reduziert. Reicht dies nicht aus, können zusätzlich Phosphatbinder eingesetzt werden. Die Fütterung wird anhand regelmäßiger Kontrollen der Blutwerte angepasst. Auch die Eiweißversorgung wird speziell auf die Bedürfnisse der nierenkranken Katze ausgerichtet. Dabei kommt es nicht auf einen möglichst weitgehenden Eiweißverzicht an, sondern auf eine bedarfsgerechte Versorgung mit hochwertigem, gut verwertbarem Protein. Welche Ernährung für die einzelne Katze geeignet ist, hängt vom Krankheitsstadium und den individuellen Befunden ab. Wichtig ist zudem, dass die Katze die angebotene Nahrung akzeptiert und ausreichend frisst. Nach den IRIS-Empfehlungen sollte eine Nierendiät bei Katzen im Stadium 2 in Betracht gezogen werden. In den Stadien 3 und 4 wird sie empfohlen. Appetitverlust und Gewichts- beziehungsweise Muskelverlust verschlechtern den Ernährungszustand. Körpergewicht, Körperkondition und insbesondere Muskelmasse sollten deshalb regelmäßig beurteilt werden. Eine Futterumstellung sollte möglichst langsam erfolgen und an die Akzeptanz der Katze angepasst werden. Auch ist es wichtig, auf ein ausreichendes Wasserangebot zu achten. Die Ernährungstherapie ist kein starres Konzept. Blutwerte, Körpergewicht, Muskelmasse, Futteraufnahme und Krankheitsstadium müssen im Verlauf berücksichtigt werden. Bei Veränderungen kann eine Anpassung der Ernährung erforderlich sein. Regelmäßige Kontrollen begleiten die Therapie – Prognose ist immer individuell zu stellen Eine chronische Nierenerkrankung kann sich im Laufe der Zeit verändern. Regelmäßige Blut- und Urinuntersuchungen zeigen, wie sich die Nierenfunktion entwickelt und ob die Behandlung angepasst werden muss. Auch ist es wichtig, Blutdruck, Körpergewicht und Ernährungszustand im Verlauf zu kontrollieren. Der Verlauf ist von Katze zu Katze unterschiedlich. Einige Tiere können über längere Zeit in einem stabilen Krankheitsstadium bleiben, während die Erkrankung bei anderen schneller fortschreitet. Für die Prognose spielen unter anderem das Krankheitsstadium bei der Diagnose, die weitere Entwicklung der Nierenfunktion, Eiweißausscheidung über den Urin, Blutdruck, Ernährungszustand und Begleiterkrankungen eine Rolle. Auch, ob die Katze gut auf die Behandlung anspricht, beeinflusst die Prognose. Chronische Nierenerkrankungen sind fortschreitend. Eine frühzeitige Diagnose, eine an das Krankheitsstadium angepasste Behandlung und regelmäßige Verlaufskontrollen können dazu beitragen, die Erkrankung möglichst lange zu stabilisieren und die Lebensqualität der Katze zu erhalten. Was Tierhalter/innen tun können Um die Erkrankung möglichst früh zu erkennen, sollten Tierhaltende ihr älter werdendes Tier genau beobachten. Treten Änderungen im Verhalten auf, trinkt die Katze mehr als sonst oder nimmt der Appetit ab, sollten die Gründe hierfür tierärztlich abgeklärt werden. Empfohlen wird zudem das regelmäßige Wiegen des Tieres und Dokumentieren des Gewichts. Ab einem Alter von etwa 7 Jahren sollte eine jährliche Vorsorgeuntersuchung mit Blut- und Urinuntersuchung vorgenommen werden. (Stand 02.10.2026)
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