Chronische Nierenkrankheit: Neue Methode kann Risiko einer weiteren Verschlechterung vorhersagen27. Februar 2024 Foto: © Uuganbayar/stock.adobe.com Ein Forscherteam der Universität Aarhus, Dänemark, hat eine einfache Messtechnik gefunden, um vorherzusagen, welche Personen ein hohes Risiko für ein schnelles Fortschreiten einer chronischen Nierenkrankheit haben. Etwa zehn Prozent der dänischen Bevölkerung leiden an einer chronischen Nierenkrankheit, und bei einigen Menschen verschlechtert sich der Zustand nach der Diagnose rasch. Nun hat ein Forscherteam der Universität Aarhus in einer umfassenden Studie das genaue Risiko eines raschen Fortschreitens untersucht. Das Ergebnis könnte ein wichtiger Schritt zu einer wirksameren Behandlung der Krankheit sein. Die Studie, die sich auf Daten aus dänischen Gesundheitsregistern stützt, liefert Fachleuten des Gesundheitswesens neue Erkenntnisse darüber, wie sie Patienten mit hohem Risiko einer raschen Verschlechterung der Nierenkrankheit besser erkennen können. Sie wurde in der Fachzeitschrift „Nephrology Dialysis Transplantation“ veröffentlicht. „Wir haben uns für die Untersuchung chronischer Nierenkrankheiten entschieden, weil bei einigen Patienten eine rasche Verschlechterung ihres Zustands eintritt, ohne dass wir genau wissen, bei wem. Unser Ziel war es, zu verstehen, welche Patienten am meisten gefährdet sind und ob wir frühzeitig eingreifen können, um dieses Fortschreiten zu verzögern oder sogar zu verhindern“, kommentiert Christian Fynbo Christiansen, Professor an der Abteilung für klinische Medizin der Universität Aarhus. Eine einfache Messung Die Studie zeigt, dass Patienten mit neu diagnostizierter leichter bis mittelschwerer chronischer Nierenkrankheit innerhalb von drei Jahren ein 15-prozentiges Risiko für ein schnelles Fortschreiten haben, das zu schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder sogar zum Tod führen kann. Überraschenderweise zeigte die Studie auch, dass das Risiko eines raschen Fortschreitens von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ist. Eine einfache Messung des Eiweißgehalts im Urin erwies sich als aussagekräftiger Indikator für den Verlauf der Nierenkrankheit. Bei Frauen ohne Diabetes oder erhöhten Blutdruck bzw. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ohne das Protein Albumin im Urin lag das Risiko eines schnellen Fortschreitens bei sieben Prozent, während das Risiko bei Männern mit Diabetes, erhöhtem Blutdruck bzw. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Albumin im Urin 47 Prozent betrug. „Dies ist ein wichtiges Ergebnis, da Albumin als Indikator für das Fortschreiten der Nierenkrankheit verwendet werden kann, wodurch es möglich wird, Patienten mit einem hohen Risiko für eine rasche Verschlechterung der Krankheit zu identifizieren, die Prävention von Komplikationen zu verbessern und hoffentlich die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen“, erklärt Christiansen. Nutzen für Patienten und Gesellschaft Die Messung kann den Angehörigen der Gesundheitsberufe dabei helfen, die Behandlung und die Nachsorge auf Patienten mit hohem Risiko auszurichten. Dies könnte sowohl in Dänemark als auch im Rest der Welt einen erheblichen Nutzen für die Patienten darstellen. „Wir hoffen, dass dieses Ergebnis dazu beitragen kann, das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie wichtig es ist, leicht verfügbare Marker – einschließlich Albumin im Urin – zu verwenden, um Patienten mit einem hohen Risiko für ein schnelles Fortschreiten der Krankheit zu identifizieren“, erläutert Christiansen. Und nicht nur die Patienten können von den Ergebnissen profitieren. Eine schnellere und wirksamere Prävention könnte auch dazu beitragen, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. „Ich denke, dass wir uns in Zukunft viel mehr auf Patienten mit milderen Krankheitsstadien konzentrieren werden, wie diejenigen, die wir in diese Studie einbezogen haben. Wenn es uns gelingt, chronischen Nierenkrankheit und den damit verbundenen Komplikationen besser vorzubeugen und sie zu behandeln, könnten sowohl die Patienten als auch die Gesellschaft davon profitieren“, erklärt Christiansen. Der Forscher betont, dass noch weitere Forschung und die Entwicklung präziser Behandlungsmethoden erforderlich sind. Obwohl die Studie wichtige Erkenntnisse über Risikogruppen liefert, fehlt es noch an einem präzisen Modell zur Vorhersage der individuellen Patientenergebnisse.
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