Chronische Rhinosinusitis: Operation oder Antibiotika?19. September 2025 Foto: romaset/stock.adobe.com Eine Operation der Nasennebenhöhlen ist bei der Behandlung Chronischer Rhinosinusitis (CRS) wirksamer als Antibiotika, wie eine groß angelegte klinische Studie zeigen konnte. Die randomisierte kontrollierte Studie unter der Leitung des University College London (UCL) ist aktuell in „The Lancet“ erschienen. Die Autoren haben die klinischen Ergebnisse von Nasennebenhöhlenoperationen mit langfristiger Antibiotika-Einnahme und Placebo verglichen. Insgesamt wurden mehr als 500 Patienten aus Großbritannien in die Studie eingeschlossen. Im Rahmen ihrer Therapie verwendeten die Studienteilnehmer nasale Steroide und Kochsalzlösungen. Nach drei und sechs Monaten wurden die Teilnehmer nachuntersucht. Dabei wurden Nase und Nasennebenhöhlen untersucht und außerdem Luftstrommessungen sowie Geruchstests durchgeführt. Der Therapie-Erfolg wurde in Bezug auf Verbesserung der Symptome, Lebensqualität und mögliche Nebenwirkungen zu bewertet. Auch sechs Monate nach Eingriff verbesserte Lebensqualität Wie die Studie belegt, lindert eine Operation CRS-Symptome wirksam. Studienteilnehmer, die operiert worden waren, fühlten sich noch sechs Monate nach dem Eingriff besser: 87 Prozent der Operierten gaben nach einem halben Jahr eine verbesserte Lebensqualität an. Demgegenüber erwies sich eine dreimonatige Therapie mit niedrig dosierten Antibiotika als nicht hilfreich. So ließ sich kein signifikanter Unterschied in den Ergebnissen zwischen Patienten der Antibiotika-Gruppe und Patienten der Placebo-Gruppe nachweisen. Dem Hauptautor der Studie Prof. Carl Philpott von der Norwich Medical School der University of East Anglia zufolge gab es bislang keine Studienergebnisse, die belegen, dass eine Nasennebenhöhlenoperation besser wirkt als eine Behandlung mit Antibiotika. Daher sei der Zugang zu Nasennebenhöhlenoperationen in einigen Teilen Großbritanniens eingeschränkt gewesen. „Solide Beweise, dass eine Operation ein wirksames Mittel ist“ Laut Philpott könnten die Studienergebnisse für Betroffene in Zukunft einen Unterschied machen: „Dies könnte für Betroffene eine echte Wende bedeuten. Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen werden, Wartezeiten für Patienten zu verkürzen.“ Der Studienautor geht davon aus, dass sich durch die Straffung der klinischen Abläufe unnötige Arztbesuche und Konsultationen reduzieren und Ressourcen im Gesundheitswesen einsparen lassen. Prof. Anne Schilder, Co-Autorin der Studie vom UCL Ear Institute kommentierte: „Wir haben hier solide Beweise dafür geliefert, dass eine Operation ein wirksames Mittel zur Behandlung chronischer Rhinosinusitis ist, wenn lokale Behandlungen versagt haben. Das dürfte für die große Zahl von Menschen mit dieser Erkrankung eine willkommene Nachricht sein.“ Weitere Forschung geplant Das Team setzt seine Arbeit am Thema fort: Geplant sind weitere Untersuchungen, um die Kosteneffizienz von Nasennebenhöhlenoperationen zu bewerten. Außerdem sollen die Studienteilnehmer über einen längeren Zeitraum nachverfolgt werden, um festzustellen, wie lange die positiven Effekte anhalten. (ja/BIERMANN)
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