Chronische virale Koinfektionen: Zusammenhang mit Long-COVID gefunden19. Juli 2023 © New Africa- stock.adobe.com (Symbolbild) Das Vorhandensein und die Reaktivierung chronischer Virusinfektionen wie zum Beispiel mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), Zytomegalievirus (CMV) und Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) könnten potenzielle Faktoren für die Entwicklung von Long-COVID sein. Studien zu dem Thema, die in gut charakterisierten postakuten Kohorten mit SARS-CoV-2-Infizierten über einen längeren Zeitraum im Einklang mit aktuellen Falldefinitionen für Long-COVID durchgeführt wurden, sind allerdings bisher nur wenige verfügbar. Erstautor Michael Peluso von der University of California San Francisco (USA) und seine Kollegen zogen für diese Fragestellung daher nun eine eigene Patientenkohorte heran. Insgesamt legen ihre Ergebnisse unterschiedliche Auswirkungen chronischer viraler Koinfektionen auf die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Long-COVID und eine Assoziation mit unterschiedlichen syndromalen Mustern nahe. Den Autoren zufolge sollten deshalb dringend weitere Studien während der akuten Infektionsphase von COVID-19 durchgeführt werden. Die Forschenden schlossen in ihre Studienkohorte 280 erwachsene Probanden mit vorheriger SARS-CoV-2-Infektion ein. Untersucht wurden das Vorhandensein und die Arten von Long-COVID-Symptomen sowie die Vorgeschichte der Probanden (einschließlich COVID-19-Vorgeschichte und HIV-Status). Des Weiteren ließ das Team die Probanden unter Zuhilfenahme eines kommerziellen Labors mittels serologischer Tests auf das Vorhandensein von EBV und CMV analysieren. Kovariaten-angepasste binäre logistische Regressionsmodelle dienten schließlich dazu, unabhängige Assoziationen zwischen Variablen und Long-COVID-Symptomen zu identifizieren. Die Wissenschaftler beobachteten, dass Long-COVID-Symptome, wie Müdigkeit und neurokognitive Störungen, im Median 4 Monate nach der Erstdiagnose unabhängig mit serologischen Beweisen für EBV assoziiert waren. Es ging dabei im Detail um eine kürzlich erfolgte EBV-Reaktivierung (frühe Antigen-diffuse Immunglobulin[Ig]G-Positivität) oder hohe IgG-Spiegel des EBV-assoziierten nuklearen Antigens aber nicht um eine bestehende EBV-Virämie. Serologische Hinweise, die auf eine kürzlich erfolgte EBV-Reaktivierung (frühe Antigendiffuse IgG-Positivität) hindeuteten, waren demnach am stärksten mit Müdigkeit assoziiert (Odds Ratio [OR] 2,12). Eine zugrunde liegende HIV-Infektion zeigte sich derweil auch unabhängig mit Long-COVID assoziiert (OR 2,5), wobei es zu einer neurokognitiven Symptomatik kommt. Probanden mit serologischem Nachweis für eine frühere CMV-Infektion entwickelten hingegen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit eine Long-COVID-Variante mit neurokognitiven Symptomen (OR 0,52). Fazit Das Vorhandensein und die Reaktivierung chronischer Virusinfektionen könnten mit der Entwicklung von Long-COVID zusammenhängen. Die Studie mit 280 Probanden deutet darauf hin, dass EBV-Reaktivierung und HIV-Infektion mit Müdigkeit und neurokognitiven Störungen assoziiert sind, während eine frühere CMV-Infektion mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für neurokognitive Symptome bei Long-COVID einhergeht. (sh) Autoren: Peluso MJ et al. Korrespondenz: Timothy Henrich; [email protected] Studie: Chronic viral coinfections differentially affect the likelihood of developing long COVID Quelle: J Clin Invest 2023;133(3):e163669. Web: https://www.doi.org/10.1172/JCI163669