Chronischer Tinnitus verändert die Hirnaktivität1. Februar 2022 Foto: B. BOISSONNET / BSIP – stock.adobe.com Bislang gab es keine verlässliche, objektive Methode, um Tinnitus zu diagnostizieren. Schwedische Forschende vom Karolinska Institutet konnten zeigen, dass die Hirnstammaudiometrie zu Messung von Veränderungen im Gehirn von Menschen mit chronischem Tinnitus genutzt werden kann. Tinnitus ist zur Zeit nicht als bestimmte Erkrankung klassifiziert, sondern als Symptom mit vielen möglichen Ursachen, beispielsweise ein beeinträchtigtes Gehör, Lärm, bestimmte Erkrankungen oder Stress. Oft wird es als Phantom beschrieben, das nur für die Betroffenen hörbar ist. Zur Zeit wird der Schweregrad des Tinnitus durch eine Selbsteinschätzung der Betroffenen bestimmt. Eine aktuelle Studie von Forschenden des Karolinska Institutet, Stockholm, Schweden, gemeinsam durchgeführt mit dem Unternehmen Decibel Therapeutics, konnte jetzt zeigen dass ABR (auditory brainstm responses) möglicherweise eine objektive Diagnose von chronischem Tinnitus ermöglicht. “Wir denken, dass unsere ABR-Methode empfindlich genug ist, um als Diagnose-Tool eingesetzt zu werden”, sagt Christopher R. Cederrot, Wissenschaftler in der Abteilung für Physiologie und Pharmakologie am Karolinska Institutet. “Die Methode misst tatsächliche neurologische Veränderungen im Hirnstamm von Personen mit chronischem Tinnitus, was ein künftiger Biomarker sein könnte.” ABR wurde schon früher als Messinstrument für Tinnitus vorgeschlagen, allerdings gibt es keinen wissenschaftlichen Konsens dazu. Frühere Studien hatten allerdings nicht so viele Teilnehmer wie die aktuelle, in die insgesamt 405 Personen eingeschlossen wurden, 228 davon mit Tinnitus und 177 ohne. Die Studie konnte bei Personen mit Tinnitus einen klaren Unterschied in den Messungen zeigen, verglichen mit Studienteilnehmern ohne Tinnitus oder solchen, die ihren Tinnituts als “gelegentlich auftretend” beschrieben. “Wir brauchen eine objektive Methode zur Tinnitus-Diagnose, zum einen um die Erkrankung der Betroffenen anzuerkennen und zum anderen, um die Entwicklung neuer Therapien voranzubringen”, sagt Cederroth. “Unsere Studie legt einen Kausalzusammenhang zwischen bestimmten Veränderungen der neuronalen Aktivität des Gehirns und der Entstehung von chronischem Tinnitus nahe, aber wir brauchen noch mehr Studien, um das zu verifizieren. Wir müssen auch herausfinden, ob unsere Methode therapeutischen Nutzen messen kann.” Die Forschenden verfolgten außerdem über 20.000 Menschen ohne beziehungsweise mit unterschiedlichen Graden an Tinnitus nach, um zu sehen, wie sich die Symptome im Laufe der Zeit entwickeln. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen mit gelegentlichem Tinnitus ein erhöhtes Risiko dafür haben chronischen Tinnitus zu entwickeln, insbesondere wenn der Tinnitus häufig auftritt. Bei denjenigen, die bereits unter chronischen Tinnitus leiden, bleibt das Problem wahrscheinlich bestehen. Für Menschen, die unter wiederkehrendem Tinnitus leiden, sei es wichtig zu wissen, dass sie mit höherer Wahrscheinlichkeit bleibenden Tinnitus entwickeln, so Cederroth. Diese Information müsse man breit kommunizieren, sodass Menschen mit gelegentlichem Tinnitus sich des Problems bewusst werden und präventiv tätig werden können. (ja)
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