Cochrane-Review: Intervallfasten möglicherweise nicht besser als andere Diäten

Die bisherige Evidenz ist dünn, doch lässt erahnen, dass Intervallfasten zur Gewichtsabnahme bei übergewichtigen Erwachsenen – wenn überhaupt – nur einen geringen Effekt hat. (Symbolfoto: ©photka/stock.adobe.com)

Besonders in den Sozialen Medien liegt Intervallfasten seit einiger Zeit im Trend: Es soll angeblich Gewicht reduzieren und den Stoffwechsel positiv beeinflussen. Doch kann der Trend halten, was er verspricht?

Ein jetzt veröffentlichter Cochrane-Review geht der Frage nach: Wie stark nehmen Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas durch Intervallfasten ab? Vereinfacht zusammengefasst zeigt er: Sie nehmen durch Intervallfasten möglicherweise nicht mehr ab als durch andere Diäten – aber wahrscheinlich etwas mehr als ohne gezielte Ernährungsintervention.

„Für manche Menschen kann Intervallfasten vielleicht eine sinnvolle Option sein“, so Luis Garegnani, einer der Review-Autoren und Direktor des Cochrane-Zentrums am Universidad Hospital Italiano de Buenos Aires (Argentinien). „Aber die aktuelle Evidenz rechtfertigt die Begeisterung nicht, die in den Sozialen Medien zu beobachten ist.“

Intervallfasten versus andere Diäten: Möglicherweise kein oder minimaler Effekt

Der neue Review fasst verschiedene Formen von Intervallfasten zusammen. Dabei stützt er sich auf 21 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 1430 Teilnehmenden. Deren Auswertung zeigt: Im Vergleich zu anderen Diäten reduziert Intervallfasten das Körpergewicht bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas möglicherweise nicht oder nur minimal.

Wie die Formulierung „möglicherweise“ bereits andeutet, ist dieses Review-Ergebnis jedoch mit einer relativ großen Unsicherheit behaftet. Die Review-Autorinnen und -Autoren bewerten seine Vertrauenswürdigkeit als „niedrig“ – das ist die zweitunterste von vier möglichen Stufen im GRADE-System. Dieses bewertet die Zuverlässigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse. Viele der ausgewerteten Untersuchungen waren nämlich klein und hatten methodische Mängel. Sprich: Neue Studienergebnisse könnten durchaus dazu führen, dass sich die Evidenz zu Intervallfasten noch ändert.

Intervallfasten versus keine Diät: Wahrscheinlich kleiner Effekt

Die Cochrane-Autorengruppe hat das Intervallfasten nicht nur mit anderen Diätformen verglichen, sondern auch mit „keiner strukturierten Ernährungsintervention“. Dafür wurden sechs Studien mit 427 übergewichtigen oder adipösen Teilnehmenden ausgewertet.

Hier zeigt sich wahrscheinlich ein kleiner Effekt: Bei Intervallfastenden sinkt das Körpergewicht wahrscheinlich durchschnittlich um 3,4 Prozent mehr als bei Menschen ohne eine gezielte Ernährungsintervention. Die Review-Autorinnen und -Autoren stufen die Vertrauenswürdigkeit dieser Zahlen als „moderat“ ein (zweithöchste von vier Stufen im GRADE-System). Auch dieses zweite Review-Ergebnis ist aus wissenschaftlicher Sicht also mit einer gewissen, aber geringeren Unsicherheit behaftet.

Ein intervallfastender Mensch mit 100 Kilo Körpergewicht würde demnach im Mittel wahrscheinlich etwa 3,4 Kilo mehr abnehmen als jemand, der nicht aktiv intervallfastet. Klinische Leitlinien empfehlen für Menschen mit Übergewicht und Adipositas allerdings einen Gewichtsverlust von mindestens fünf Prozent. Erst ab dieser Schwelle sinken gesundheitliche Risiken.

Fehlende Evidenz zu Langzeiteffekten

Bei dem aktuellen Review sei einschränkend zu beachten, erläutert Prof. Jörg Meerpohl, wissenschaftlicher Vorstand von Cochrane Deutschland in Freiburg, dass fast alle ausgewerteten Studien nur über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten durchgeführt wurden. „Man kann auf Basis der vorliegenden Evidenz keine verlässliche Aussage treffen, ob es übergewichtigen und adipösen Menschen mit Intervallfasten langfristig gelingt, ihr Gewicht so deutlich zu reduzieren, dass sie dadurch gesünder werden“, so Meerpohl.

„Zudem fehlen Daten dazu, wie zufrieden die Menschen mit dem Intervallfasten sind, ob sie es mittel- und langfristig im Alltag gut durchhalten können und ob es unerwünschte Wirkungen hat. Unklar bleibt außerdem, wie sich Intervallfasten auf Begleiterkrankungen von Übergewicht auswirkt und ob es beispielsweise hilft, einen Typ 2-Diabetes zu verhindern. Auch dazu fehlen bislang die Daten.“

Verschiedene Formen des Intervallfastens inkludiert

In den Studien, die der Cochrane Review einschließt, wurden im Wesentlichen folgende Formen des Intervallfastens untersucht:

  • Zeitlich begrenztes Essen (Time-restricted feeding): Die tägliche Nahrungsaufnahme ist auf ein festes Zeitfenster beschränkt, meist auf höchstens acht bis zehn Stunden pro Tag. Die restliche Zeit wird gefastet, oft über Nacht für mindestens 14 Stunden.
  • Periodisches Fasten: An ein bis zwei Tagen pro Woche wird gefastet oder kaum gegessen. An den übrigen fünf bis sechs Tagen wird normal gegessen.
  • Alternierendes Fasten (Alternate-day fasting): Fastentage und Tage mit normaler Nahrungsaufnahme wechseln sich ab. An Fastentagen wird entweder gar nichts oder nur sehr wenig gegessen.
  • Modifiziertes alternierendes Fasten (z. B. 5:2-Diät): An zwei Tagen pro Woche wird die Kalorienzufuhr stark reduziert, an den übrigen fünf Tagen wird normal gegessen. An den Fastentagen wird nicht vollständig auf Nahrung verzichtet.