Computergraphik-Team der TU Wien simuliert Seheindrücke von Kataraktpatienten26. März 2019 Katharina Krösl (Foto: © AIT/Johannes Zinner) und Michael Wimmer. Quelle: TU Wien An der Technischen Universität (TU) Wien wird untersucht, wie man Seheindrücke bei Augenkrankheiten virtuell simulieren kann. Wenn man mit einer VR-Brille computergenerierte virtuelle Welten erkundet, wünscht man sich normalerweise die bestmögliche Graphik. Gestochen scharf soll das Bild sein, mit gutem Kontrast und perfekter Ausleuchtung. Aber manchmal ist genau das Gegenteil viel interessanter: Gesunde Menschen können sich nun mit einer Virtual-Reality Brille ein Bild davon machen, wie eine bestimmte Umgebung aussieht, wenn man unter Grauem Star leidet. So ist es beispielsweise möglich herauszufinden, wie man Beleuchtungskörper anpassen muss, um unangenehme Blendeffekte zu vermeiden oder wo Wegweiser für Notausgänge positioniert werden müssen, damit sie auch von sehbeeinträchtigten Menschen noch gut erkannt werden. Linsentrübung für die VR-Brille „Für gesunde Menschen ist es schwierig, sich vorzustellen, wie die Welt für jemanden mit Grauem Star aussieht“, sagt Dipl.-Ing. Katharina Krösl vom Computergraphik-Team am Institut für Visual Computing and Human-Centered Technology an der TU Wien. „Wir haben nun Möglichkeiten entwickelt, die Auswirkungen dieser Krankheit zu simulieren.“ Wenn man beispielsweise ein neues Gebäude plant oder ein Beleuchtungssystem designt, kann man nun mit einer VR-Brille ausprobieren, ob man sich auch mit Augenproblemen in dieser Umgebung zurechtfinden kann. Sehschärfe, Kontrast und Blendeffekte Um optimale Ergebnisse zu erzielen, wurden die Virtual-Reality-Brillen mit Eyetrackern ausgestattet, die jede Veränderung der Blickrichtung registrieren. So kann man auch Sehstörungen simulieren, die ungleichmäßig auftreten, etwa eine Trübung in der Mitte des Gesichtsfelds. „Das Bild, das von der Virtual-Reality-Brille angezeigt wird, kann man in Echtzeit anpassen, um dem Seherlebnis mit Grauem Star möglichst nahe zu kommen“, sagt Prof. Michael Wimmer, der Leiter der Rendering and Modeling Group des Forschungsbereiches Computergraphik der TU Wien, „Man kann das Bild leicht verschwimmen lassen, den Kontrast oder auch die Farbgebung verändern.“ „Wichtig ist auch die Simulation von Blendeffekten“, erklärt Krösl. „Besonders, wenn man helle Lichtquellen im Blickfeld hat, kann es passieren, dass das Licht von den Trübungen im Auge gestreut wird, sodass ein heller, diffuser Schein entsteht, der sehr störend sein kann.“ Ein Beleuchtungssystem, das für gesunde Augen völlig normal aussieht, kann für Menschen mit Grauem Star unangenehm sein und das Erkennen bestimmter Objekte unmöglich machen. Kooperation mit der Augenklinik der MedUni Wien In Zusammenarbeit mit der Augenärztin Dr. Sonja Karst von der MedUni Wien wurden die verschiedenen Parameter des simulierten Grauen Stars angepasst. So konnte man Versuchspersonen mit einer genau definierten virtuellen Sehbeeinträchtigung ausstatten und sie unterschiedliche Aufgaben lösen lassen. Man ermittelte etwa die maximale Distanz, in der man mit Grauem Star noch Hinweisschilder erkennen kann (etwa Notausgangs-Wegweiser), oder ließ die Testpersonen unterschiedliche Lichtverhältnisse in einer simulierten Küche beurteilen. „Für die Forschung ist unsere Methode ein sehr hilfreiches Instrument“, sagt Krösl. „Es gab bisher kaum praxisnahe Studien dieser Art, weil es sehr schwer ist, ausreichend viele Versuchspersonen mit genau den richtigen Arten von Grauem Star für solche Untersuchungen zu gewinnen. Wenn wir nun aber eine Möglichkeit haben, jeden beliebigen Menschen per VR-Brille mit dieser Sehbehinderung auszustatten, wird die Sache viel einfacher.“ Die VR-Simulation des Grauen Stars wird nun auf der Konferenz IEEEVR2019 (23.-27.03.) in Osaka (Japan) präsentiert. „Wir planen noch weitere Verbesserungen, etwa indem wir mit Personen zusammenarbeiten, die an Grauem Star litten und kürzlich operiert wurden“, sagt Krösl. „Aber jetzt schon ist unser System ein sehr aussagekräftiges Modell für alle, die Grauen Star besser verstehen wollen.“ Quelle: Technische Universität Wien
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