COPD-Überdiagnose bei Personen mit normaler Spirometrie18. November 2019 © koldunova_anna -stock.adobe.com Ist von der COPD die Rede, gibt es verschiedene Berichte zu Unterdiagnosen. Zu Überdiagnosen und einer daraus resultierenden Übertherapie jedoch ist eher wenig bekannt. Eine Arbeitsgruppe um Erstautorin Dr. Lea Sator von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg beschreibt in einer aktuellen Arbeit die Überdiagnose und die Prävalenz spirometrisch definierter falsch-positiver COPD-Diagnosen sowie deren Beziehung zu einer Übertherapie anhand von 23 Stichproben in 20 Ländern, die zwischen 2003 und 2012 an der BOLD-Studie teilgenommen hatten. Von einer falsch-positiven COPD-Diagnose wurde ausgegangen, wenn die Probanden eine ärztliche COPD-Diagnose zu Protokoll gaben, eine postbronchodilatatorische Spirometrie jedoch keine Obstruktion ergab (FEV1/FVC>Lower Limit of Normal [LLN]). Zusätzliche Analysen wurden unter Verwendung des Kriteriums FEV1/FVC <0,7 durchgeführt. Von 16.177 Teilnehmern gaben 919 (5,7%) an, dass bei ihnen in der Vergangenheit von einem Arzt eine COPD diagnostiziert worden sei. Die postbronchodilatatorische Spirometrie ergab bei 569 Probanden (61,9%) keine Obstruktion und somit eine falsch-positive COPD. Eine ähnliche Überdiagnoserate wurde bei Verwendung des Kriteriums FEV1/FVC <0,7 (55,3%) beobachtet. In einer Untergruppenanalyse ohne solche Teilnehmer, bei denen nach eigenen Angaben eine chronische Bronchitis oder ein Emphysem diagnostiziert worden war (n=220), wiesen 37,7% keine Obstruktion auf. Die ortsspezifische Prävalenz der falsch-positiven COPD variierte stark zwischen 1,9% in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen und 4,9% in Ländern mit hohem Einkommen. In der multivariaten Analyse war eine Überdiagnose bei Frauen häufiger festzustellen und wurde mit einem höheren Bildungsstand in Verbindung gebracht sowie mit früherem oder aktuellem Nikotinkonsum, mit Wheezing, Husten und Schleimproduktion und mit einer gleichzeitigen Diagnose von Asthma oder Herzerkrankungen. Unter den Probanden mit falsch-positiver COPD gaben 45,7% an, derzeit Atemwegsmedikamente zu verwenden. Wurden Patienten mit Asthma nicht berücksichtigt, verwendeten immer noch 34,4% der Patienten mit normalem Spirometriebefund ein Atemwegsmedikament, so die Autoren. Fazit Eine falsch positive COPD ist häufig. Dies kann dazu führen, dass nicht betroffene Personen möglichen nachteiligen Auswirkungen von Atemwegsmedikamenten ausgesetzt sind. (ac) Autoren: Sator L et al. Korrespondenz: Horner Andreas; [email protected] Studie: Overdiagnosis of COPD in Subjects With Unobstructed Spirometry: A BOLD Analysis Quelle: Chest 2019;156:277–288. Web: https://doi.org/10.1016/j.chest.2019.01.015