Corona-Krise: Offener Brief von Fachärzten an NRW-Politiker7. April 2020 Bild: vander, AdobeStock Anlässlich der COVID-19-Krise in NRW und zur Anpassung des Landesrechts im Hinblick auf die Auswirkungen einer Pandemie haben mehrere Facharztverbände und -gesellschaften, unter anderem von O&U, einen offenen Brief an den Ministerpräsidenten und Gesundheitsminister sowie die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Landtages verfasst. Die unterzeichnenden nordrheinischen Facharztgruppen, die nach eigenen Angaben einen einen Großteil der versorgenden niedergelassenen Fachärzte repräsentieren, betonen in dem Brief ihr “ungebrochenes Engagement in dieser Krise” unter anderem durch: • das Aufrechterhalten der Sprechstundentätigkeit – auch ohne adäquate Schutzausrüstung • die notwendige Unterstützung der Krankenhausabteilungen durch selbstständige und unbürokratische Kommunikations- und Kooperationskanäle• die Empfehlungen an KollegInnen, keinen Urlaub zu nehmen• die Vorselektion des Patientenkollektivs durch alle MitarbeiterInnen zur Entlastung des stationären Sektors. Damit habe man einen unaufgefordert einen unschätzbaren Beitrag im Rahmen der vertragsärztlichen Tätigkeit für ein funktionierendes Gesundheitssystem erbracht und verhindert, dass Zustände wie in Italien und Spanien ausgebrochen seien, heißt es weiter. Des Weiteren wird in dem Brief darauf hingewiesen, “dass insbesondere die Fokussierung auf invasive Beatmungsbetten oder gar extrakorporale Blutoxygenierung (ECMO) in den Kliniken zu kurz greifen”. Bei einem hohen Anfall von schweren Viruspneumonien werde man viele lebensbedrohlich erkrankte Patienten auch außerhalb übervoller Krankenhäuser, gegebenenfalls mit nicht invasiver Beatmung, versorgen müssen, wofür die niedergelassenen Fachärzte selbstverständlich mit ihrer Expertise zur Verfügung stünden. “In unseren Fachgruppen besteht bekanntlich der Ausbildungsstand eines Oberarztes kombiniert mit jahrelanger Erfahrung. Eine solch freiwilliges Engagement ist beispiellos und wir haben unsere existenziellen Sorgen und Nöte – die uns wie alle anderen betreffen – in den Hintergrund gestellt”, betonten die Fachärzte. So habe der BVOU in der vergangenen Woche (KW 14) regional-organisierte Praxis-Netzwerke etabliert, die mit Entlastungssprechstunden die Krankenhäuser unterstützen, damit diese sich auf die Versorgung der Corona-Patienten konzentrieren können. Niedergelassene Orthopäden und Unfallchirurgen hätten in mehreren Bundesländern nicht nur während der Woche, sondern auch an Wochenenden und Feiertagen zwischen 9.00 und 15.00 Uhr ihre Praxen für Patienten geöffnet (zu finden auf der interaktiven Karte des BVOU-Patientenportals www.orthinform.de). Für NRW sei die Notwendigkeit dafür noch nicht gegeben. Bei Verschärfung der Lage könnten jedoch Entlastungssprechstunden für betroffene Landkreise jederzeit organisiert werden. Entsprechend der ärztlichen Hilfsbereitschaft, in Not zu helfen, stehe man “altruistisch” für das Land und seine Bürger ein, ohne dass es bisher Zwangsmaßnahmen bedurfte, heißt es weiter. “Wir erfüllen unseren gesellschaftlichen Auftrag im Rahmen der KV in vorbildlicher und freier Weise und fordern Sie auf, uns nicht durch die im Gesetzentwurf angekündigten Zwangsmaßnahmen unserer Flexibilität zu berauben. Ihr Entwurf würde unserer Einschätzung nach essenzielle Teile des Gesundheitswesens handlungsunfähig machen”, so die Verfasser des offenen Briefes. Mehr als die Zwangsrekrutierung von ÄrztInnen nutzte etwa die Schaffung eines geschützten Rechtsraumes in der Notversorgung, um die MedzinerInnen vor persönlichen Haftungsrisiken in ihren Entscheidungen zu schützen. Auch nach der Pandemie werde man zur Einbindung in entsprechende Katastrophenpläne zur Verfügung stehen, so die Verfasser. Es unterzeichneten:Dr. med. J. Wichmann, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der HNO Ärzte Dr. med. R. Tenbrock, Landesvorsitzender des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie Dr. med. F. Franzen, Vorstandsmitglied Orthonet-NRW eG B. Bankamp, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Gynäkologen Dr. med. H. Hofer, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Anästhesisten N. Mülleneisen, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Lungenärzte Dr. med. M. Weisweiler, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der niedergelassenen Chirurgen Dr. med. J. Schier, Vorsitzender der Genossenschaft der Niedergelassenen Chirurgen Nordrhein Dr. med. P. Lossin, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Urologen Dr. med. R. Ostendorf, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Dermatologen Dr. med. L. Wollring, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte Dr. med. A. Kleemann, Regionalvorsitzender Bundesverband Niedergelassener Kardiologen Dr. med. U. Meier, Vorsitzender Berufsverband deutscher Neurologen PD Dr.med. Ralf Müller-Rath, Vorstand Berufsverband für Arthroskopie e.V.
Mehr erfahren zu: "Kasse: Krankheitsausfälle im Job auch 2025 auf hohem Niveau" Kasse: Krankheitsausfälle im Job auch 2025 auf hohem Niveau Erkältungen, psychische Probleme, Rückenschmerzen: Fehlzeiten von Beschäftigten wegen Krankheit halten sich hartnäckig, wie neue Daten zeigen. Politiker stellen Regelungen wie die telefonische Krankschreibung infrage. Auch neue Modelle werden diktutiert.
Mehr erfahren zu: "Merz kritisiert hohen Krankenstand – Liegt es an telefonischer Krankschreibung?" Merz kritisiert hohen Krankenstand – Liegt es an telefonischer Krankschreibung? Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angesichts aktueller Zahlen zu viele Fehltage wegen Krankheit kritisiert. Seine Partei stellt insbesondere die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung, die während der Corona-Pandemie eingeführt wurde, infrage.
Mehr erfahren zu: "EU-Projekt ENDOTARGET: Patienten mit rheumatischen Erkrankungen unterstützen" EU-Projekt ENDOTARGET: Patienten mit rheumatischen Erkrankungen unterstützen Studien des EU-Rheuma-Forschungsprojekt ENDOTARGET liefern Erkenntnisse über die Verteilung der Biomarker nach Geschlecht, Alter, Body-Mass-Index und Krankheitstyp sowie über Unterschiede zwischen Kontroll- und Krankheitsgruppen. Zudem wurde die Rolle von Systemischer […]