Corona-Virus: Geht die Infektionsdynamik jetzt in eine endemische Phase über?

Erreicht das SARS-Cov-2-Virus mit der Variante BA.3.2 die endemische Phase? (Foto: © Dr MEK – stock.adobe.com)

Seit seinem Auftreten hat das SARS-CoV-2-Virus stetig neue Varianten hervorgebracht, die sich weltweit ausgebreitet haben. Dieses Muster könnte sich nun nachhaltig ändern wie Infektionsforscher am Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen festgestellt haben.

Seit 2020 sind in rascher Folge neue SARS-CoV-2-Varianten aufgetreten, von denen jede die zuvor dominierenden Stämme abgelöst hat. Diese Dynamik könnte sich nun jedoch ändern. Die zuletzt dominanten Varianten, NB.1.8.1 und XFG, wurden nicht wie erwartet durch eine neue, weltweit dominante Variante abgelöst. Stattdessen breitet sich die Variante BA.3.2 – auch als „Cicada“ bezeichnet – langsam, aber stetig aus.

BA.3.2, erstmals im November 2024 in Südafrika nachgewiesen, zeichnet sich durch ungewöhnliche Eigenschaften aus: Im Gegensatz zu früheren Varianten verbreitet sie sich parallel zu bestehenden Varianten. In einigen europäischen Ländern und bestimmten australischen Bundesstaaten hat sie sich als dominante Variante etabliert, während sie in anderen Regionen weniger erfolgreich war.

Was bedeutet das für die Pandemie?

Die Beobachtungen der Forschenden deuten auf eine bedeutende Veränderung hin: Zum ersten Mal wird eine erfolgreiche Variante möglicherweise nicht durch eine neue, weltweit dominante Variante abgelöst; stattdessen könnten mehrere Varianten gleichzeitig zirkulieren. „Dies könnte darauf hindeuten, dass der durch Impfungen und frühere Infektionen erzeugte Immunschutz für neue Varianten schwer zu überwinden ist“, erklärt Stefan Pöhlmann, Hauptautor der Studie. „Die parallele Ausbreitung mehrerer Varianten könnte darauf hindeuten, dass die Infektionsdynamik in eine endemische Phase übergeht – das heißt, eine anhaltende Präsenz des Virus in der Bevölkerung, in der keine global synchronisierten Infektionswellen mehr zu erwarten sind, sondern vielmehr regionale und zeitlich versetzte Ausbrüche.“

Eine unerwartete Beobachtung: Kinder häufiger infiziert

Ein Vergleich der relativen Infektionshäufigkeit verschiedener Altersgruppen bei derzeit zirkulierenden SARS-CoV-2-Varianten zeigte, dass BA.3.2 Kleinkinder deutlich häufiger infiziert als andere Varianten. In Schottland und England, wo sich die Variante weit verbreitet hat, wurde ein Anstieg der COVID-19-Fälle bei Kindern beobachtet – während die Fallzahlen bei älteren Personen stabil blieben. Die Gründe für diese ungewöhnliche Präferenz sind noch nicht bekannt.

Den Forschenden zufolge werfen diese Ergebnisse ein neues Licht auf die Dynamik der COVID-19-Pandemie. Sie deuten darauf hin, dass die durch Impfungen und frühere Infektionen entwickelte globale Immunität nun nur noch teilweise von neuen Varianten überwunden werden kann.