COVID-19 & Co. bei Krebspatienten besser verstehen16. Juli 2020 Studienleiterin Prof. Marie von Lilienfeld-Toal (Quelle: Deutsche Krebshilfe) Banale Erkältungen, die klassische Grippe oder viral bedingte Lungenentzündungen, zu denen auch die neuartige Erkrankung COVID-19 zählt: Bestimmte respiratorische Viren (CARV) verursachen Atemwegsinfekte, die für Krebspatienten besonders bedrohlich werden können. Wissenschaftler aus Jena, Heidelberg und Mainz haben nun das Register OncoReVir gestartet, um Risikofaktoren und Krankheitsverläufe besser zu verstehen und die Therapie von Virusinfektionen bei Krebspatienten zu verbessern. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit rund 200.000 Euro. Die aktuelle Corona-Pandemie zeigt, welche Dynamik CARV-Infektionen entfalten können. Aufgrund zunehmender und zum Teil alarmierender Fallberichte sind Onkologen und Hämatologen bereits seit einigen Jahren vermehrt auf respiratorische Viren aufmerksam geworden. Tödlich können die Infekte vor allem dann werden, wenn sie die unteren Atemwege – damit ist in erster Linie die Lunge gemeint – betreffen. Bislang liegen für Deutschland nur unzureichende Daten vor, wie häufig CARV-Infektionen bei Krebspatienten tatsächlich vorkommen und wie sie verlaufen. „Die meisten Informationen stammen von Patienten mit Blutkrebs, die eine Stammzelltransplantation erhalten“, erklärt Studienleiterin Prof. Marie von Lilienfeld-Toal vom Universitätsklinikum Jena. „Über CARV-Infektionen bei Patienten mit anderen Krebsarten wissen wir hingegen nur wenig.“ Die Konsequenz: Virusbedingte Atemwegsinfekte werden bei Krebspatienten nicht einheitlich behandelt. Insgesamt drei Arbeitsgruppen der Universitätskliniken Jena, Heidelberg (Studienleitung: Dr. Nicola Giesen) und Mainz (Studienleitung Dr. Daniel Teschner) werden deshalb im Rahmen des Registers OncoReVir die Daten von etwa 2000 Krebspatienten erheben und auswerten. Deutschlandweit nehmen insgesamt neun Kliniken an der Studie teil. Welchen Verlauf nehmen CARV-Infektionen bei Patienten mit Krebserkrankungen und welche Patienten sind besonders gefährdet für einen schweren Verlauf? Welche Viren treten bei Krebspatienten vor allem auf? Sind spezifische Therapiemaßnahmen sinnvoll? Gibt es Maßnahmen, mit denen sich die Infektionen verhindern lassen? All diese Fragen gilt es laut von Lilienfeld-Toal zu klären. „Mit den Erkenntnissen aus unseren Studienarbeiten und dem Register wollen wir die Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von respiratorischen Virusinfektionen bei Krebspatienten überarbeiten und damit unsere Kollegen im Behandlungsalltag unterstützen.“ „Die Förderung des Registers OncoReVir haben wir bereits im letzten Jahr – also vor der Corona-Pandemie – beschlossen, denn Virusinfektionen stellen nicht erst seit COVID-19 eine Bedrohung für Krebspatienten dar“, sagt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Das Projekt verdeutlicht, wie umfassend wir das Wohl von Krebspatienten im Blick haben: Im Fokus von OncoReVir steht nicht die eigentliche Tumortherapie, sondern die Therapie von virusbedingten Atemwegsinfekten, von denen Krebspatienten in besonderem Maße bedroht sind.“
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