COVID-19 führt zu signifikanten kognitiven Problemen22. Juni 2021 Foto: ©olezzo – stock.adobe.com COVID-19-Patienten leiden zwei Monate nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus noch an kognitiven und Verhaltensproblemen. Das zeigt eine neue Studie, die auf dem 7. Kongress der European Academy of Neurology (EAN) vorgestellt wurde. Bei Patienten, die innerhalb von acht Wochen nach einer COVID-19-Erkrankung untersucht wurden, wurden Probleme mit dem Gedächtnis, dem räumlichen Bewusstsein und der Informationsverarbeitung als mögliche Nachwirkungen des Virus festgestellt. Laut der Studie meldete zudem jeder fünfte Patient eine posttraumatische Belastungsstörung und 16 Prozent klagten über depressive Symptome. In der italienischen Untersuchung wurden die neurokognitiven Fähigkeiten genesener COVID-19-Patienten getestet, nach zwei Monaten unterzogen sich die Studienteilnehmer MRT-Scans des Gehirns. Mehr als 50 Prozent der Patienten berichteten von kognitiven Störungen; 16 Prozent hatten Probleme mit Exekutivfunktionen (Arbeitsgedächtnis, flexibles Denken und Informationsverarbeitung), sechs Prozent hatten visuell-räumliche Probleme (Schwierigkeiten bei der Beurteilung von Tiefe und Kontrast), sechs Prozent hatten ein gestörtes Gedächtnis, und bei 25 Prozent zeigte sich eine Kombination all dieser Symptome. Bei jüngeren Menschen waren die kognitiven und psychopathologischen Probleme deutlich stärker ausgeprägt, und die Mehrheit der Patienten unter 50 Jahre hatte auch Probleme mit Exekutivfunktionen. Über die gesamte Stichprobe korrelierte die Schwere der akuten COVID-19-Erkrankung während des Krankenhausaufenthaltes mit einer schlechteren Leistung bei Exekutivfunktionen. Darüber hinaus zeigte eine Längsschnittbeobachtung derselben Kohorte zehn Monate nach der COVID-19-Erkrankung einen Rückgang der kognitiven Einschränkungen von 53 auf 36 Prozent, aber auch ein anhaltendes Vorhandensein einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und von depressiven Symptomen. Der leitende Autor der Studie, Prof. Massimo Filippi vom Wissenschaftlichen Institut und der Universität Vita-Salute San Raffaele, Italien, erklärte: “Unsere Studie hat bestätigt, dass mit COVID-19 signifikante kognitive und Verhaltensprobleme assoziiert sind und auch einige Monate nach der Remission der Krankheit bestehen bleiben.” Ein besonders alarmierendes Ergebnis sind den Forschern zufolge die Veränderungen bei den Exekutivfunktionen, die es den Betroffenen schwer machen, sich zu konzentrieren, zu planen, flexibel zu denken und sich an Dinge zu erinnern. Diese Symptome betrafen drei von vier jüngeren Patienten im erwerbsfähigen Alter. Zwischen der kognitiven Leistungsfähigkeit und dem Hirnvolumen wurde in der Studie kein signifikanter Zusammenhang beobachtet. “Es sind größere Studien und längerfristige Folgeuntersuchungen erforderlich, aber diese Studie legt nahe, dass COVID-19 mit signifikanten kognitiven und psychopathologischen Problemen assoziiert ist”, erklärte Dr. Canu vom Krankenhaus San Raffaele in Mailand, Erstautor der Studie, abschließend. “Eine angemessene Nachbetreuung und Behandlung ist von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass Patienten, die im Krankenhaus behandelt worden sind, angemessen unterstützt werden, um diese Symptome zu lindern.”
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