COVID-19-Impfschutz bei Immunsuppression individuell beurteilen14. Februar 2022 Dr. Matthias Moor, Universitätsklinik für Nephrologie und Hypertonie, Inselspital, Universitätsspital Bern und Department for BioMedical Research Universität Bern (Foto: © zvg/Insel Gruppe) In einer breit angelegten Metaanalyse von 1342 Patienten in 23 Studien weltweit ist es einem Forschungsteam der Universität Bern und des Inselspitals, Universitätsspital Bern, gelungen, die Zusammenhänge von Impfschutz und Immunsuppression weiter zu klären. Nur die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit einer Anti-CD20-Therapie wies eine Immunantwort auf. In einer vorangehenden Studie hatten die Berner Forschenden Hinweise gefunden, dass Personen mit einer immunsupprimierenden Therapie nach mRNA-Impfungen nur einen schwachen oder fehlenden Impfschutz aufbauen. Es handelt sich um Personen mit einer Anti-CD20-Antikörpertherapie, wie sie etwa bei hämatologischen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder für eine Nierentransplantation weltweit bei mehreren Millionen Patientinnen und Patienten zur Anwendung kommt. Anhand einer umfangreichen Metaanalyse wurde nun studiert, für welche Gruppen dies genau zutrifft, damit man für solche Fälle das therapeutische Vorgehen verbessern kann. Nur jede zweite Person mit nachweisbarer Immunantwort In der umfangreichen Metaanalyse zeigen die Forschenden, dass nur bei 40 Prozent der Teilnehmenden eine Antikörperantwort bzw. bei 73 Prozent eine T-Zell-Immunantwort nachweisbar ist. Das bedeutet den Forschenden zufolge, dass viele Patientinnen und Patienten mit einer Anti-CD20-Therapie auch nach zwei Impfungen kaum gegen eine SARS-CoV-2-Infektion mit einem schweren Verlauf geschützt sind. Große Metaanalyse zeigt heterogene Resultate in den untersuchten Studien Die Metaanalyse untersuchte 23 von weltweit insgesamt 90 Studien aus den Plattformen PubMed, Embase, Medrxiv und SSRN zu den Themen “anti-CD20”, “Covid” und “Impfung” aus der Zeit bis zum 21. August 2021. In dieser Zeit war die Frage aktuell, wie gut die Schutzwirkung der Covid-Impfungen in der Praxis war. Co-Erstautor der Studie Dr. Manuel Anderegg erklärt: “Die Studie zeigt, dass sich innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Forschungsgruppen ähnliche Fragestellungen verfolgten. Überraschend für uns waren die sehr unterschiedlichen Immunantworten in den verschiedenen Studien.” Besonders empfindliche Gruppen identifiziert Ein deutlicher Unterschied in der Immunantwort wurde in Abhängigkeit der Zeitspanne seit der letzten Anti-CD20-Therapie gefunden. War die Zeitspanne größer als sechs Monate, zeigten 63 Prozent der Teilnehmenden eine gute Immunantwort, während es bei einer weniger als sechs Monate zurückliegenden Anti-CD20-Therapie nur 20 Prozent waren. Teilnehmende mit einer Anti-CD20-Therapie wegen Nierentransplantation schnitten deutlich schlechter ab als solche mit einer hämatologischen oder Autoimmunerkrankung. Die mangelhaften Immunantworten bedeuten ein größeres Risiko eines schweren Verlaufes einer Covid-Erkrankung. Co-Erstautor Dr. Simeon Schietzel erklärt: “Deshalb wird für diese Patientengruppen in der Schweiz gemäß der Eidgenössischen Kommission für Impffragen seit November 2021 generell ein angepasstes Schema mit drei Grund-Impfungen angewandt.” Empfindliche Gruppen brauchen individuelle Betreuung Die Studie zeigt den Wissenschaftlern zufolge auch, dass innerhalb der Personen mit einer Anti-CD20-Therapie bestimmte Untergruppen weitere Schutzmaßnahmen benötogen. Zunächst sind weitere Studien notwendig, die die Konzentration von Antikörpern bestimmen, die für einen effektiven Schutz vor SARS-CoV-2 mit seinen diversen Varianten notwendig sind. Studienleiter Dr. Matthias Moor betont: “Wichtig ist zudem eine individuelle Beurteilung und Betreuung der besonders empfindlichen Patientinnen, damit die Therapie von Autoimmunerkrankungen, Begleitmedikamente z. B. nach einer Transplantation, die Behandlung von Begleiterkrankungen und im Falle von COVID-19-Erkrankung allenfalls ergänzende Passivimpfungen mit isolierten Antikörpern aufeinander abgestimmt werden können.”
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