COVID-19-Impfung oder nicht? Zögern schwand bei vielen Engländern innerhalb von 15 Monaten28. Januar 2026 Foto: © Krakenimages.com/stock.adobe.com Impfzögerlichkeit in Zusammenhang mit COVID-19 lässt sich in den meisten Fällen adressieren und mit der Zeit effektiv abbauen. Das zeigt eine aktuelle Veröffentlichung in „The Lancet“. Für die Studie waren mehr als 1,1 Millionen Engländer untersucht worden. Die Forschenden unter der Leitung von Mitarbeitern des Imperial College London (Großbritannien) berichten, dass sich von den ursprünglich unsicheren oder ablehnenden Befragten 65 Prozent schließlich doch mindestens einmal impfen ließen. Laut den Autoren ermöglichen die Forschungsergebnisse einen neuen Blick auf die Haupttypen von Impfzögerlichkeit während der COVID-19-Pandemie. Dass sich diese adressieren lassen, sodass es doch zu einer Impfung kommt, liefere Informationen für eine gezielte Kommunikationen beim Roll-out neuer Vakzine in der Zukunft. Misstrauen gegenüber Impfungen: Ein bekanntes Problem Impfzögerlichkeit ist kein Phänomen, das man erst seit der Corona-Pandemie kennt: Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnete sie schon im Jahr 2019 als eine der zehn größten Gefahren für die globale Gesundheit. Zu geringe Impfraten in Bezug auf verschiedene Erkrankungen, auch Kinderkrankheiten wie Masern und Keuchhusten, bleiben ein großes Problem. In Großbritannien begann der Roll-out von COVID-19-Vakzinen am 8. Dezember 2020. Dabei ging man in Phasen vor und ermöglichte eine Impfung priorisiert nach Alter und klinischem Bedarf. Prof. Marc Chadeau-Hyam vom Imperial College London, Hauptautor der aktuellen Studie, erläutert das Ziel der Untersuchung: „Wir wollten einen tiefergehenden Blick auf die Impfzögerlichkeit werfen und Gruppen mit hartnäckigeren Formen einer solchen Zögerlichkeit und deren Hauptsorgen identifizieren. Diese Triebkräfte zu verstehen ist entscheidend, um die Akzeptanz von Impfungen zu adressieren und die Ausbreitung von Krankheiten besser zu kontrollieren.“ Die Autoren werteten Daten aus einer Längsschnittbefragung von mehr als 1,1 Millionen Personen im Alter von mindestens 18 Jahren aus. Bei 57 Prozent der Befragten handelte es sich um Frauen. Die Probanden stammten aus der REACT-Studie (Real-time Assessment of Community Transmission). Die Daten wurden in der ersten Roll-out-Phase von COVID-19-Vakzinen gesammelt, zwischen Januar 2021 und März 2022. Die Forschenden verglichen die Einstellung gegenüber diesen Impfstoffen zum Zeitpunkt der Rekrutierung für die REACT-Studie mit in der Folge erfolgten Impfungen. Informationen dazu erhielten die Wissenschaftler aus den Aufzeichnungen des National Health Service (NHS) bis zum 7. Mai 2024. Aus den Daten ermittelten die Studienautoren schließlich Treiber und Kategorien einer Zögerlichkeit in Bezug auf COVID-19-Impfungen. Im Verlauf der Pandemie wurden die Studienteilnehmer gefragt, ob sie geimpft worden waren oder dies vorhatten. Personen, die eine Impfung ablehnten oder in Bezug auf das Vakzin skeptisch waren, fragte man nach den Gründen dafür. Dabei konnten sie aus 23 Antwortmöglichkeiten wählen oder selbst eine Antwort formulieren. Vakzinwirksamkeit und Gesundheitseffekte als wichtigste Gründe für Zurückhaltung Insgesamt gaben 3,3 Prozent (37.982 Personen) an, in irgendeinem Ausmaß nicht sicher in Bezug auf eine COVID-19-Impfung zu sein. Für 64 Prozent von diesen Personen (24.229 Personen) lagen über die Verknüpfung mit NHS-Daten Informationen dazu vor, ob sich die Befragte in der Folge dennoch hatten immunisieren lassen. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die Raten der Zurückhaltung mit der Zeit zurückgingen – von einem anfänglichen Höchststand im Januar 2021 (8%) auf einen Tiefststand von 1,1 Prozent Anfang des Jahres 2022. Allerdings kam es während der Omikron-Welle eine leichte erneute Spitze von mehr als 2,2 Prozent im Februar und März 2022. Die Forschenden identifizierten acht Kategorien der Zögerlichkeit in Bezug auf eine Impfung. Dazu gehörten Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit und Nebenwirkungen des Vakzins und die Wahrnehmung eines geringen COVID-19-Risikos für sich selbst. Misstrauen gegenüber den Impfstoffentwicklern sowie eine generelle Angst vor Impfungen und Impfreaktionen gehörten ebenfalls zu den Gründen, die die Wissenschaftler ausmachten. Von denjenigen, die Gründe für ihr Zögern sich impfen zu lassen angaben (n=30.701), gaben 41 Prozent (n=12.498) zu Protokoll, dass sie sich Sorgen wegen langfristiger gesundheitlicher Beeinträchtigungen machten. 39 Prozent (n=11.953) wollten lieber abwarten, um zu schauen, ob der Impfstoff wirkt, während 37 Prozent angaben, dass sie Angst vor Nebenwirkungen hatten. Die Gründe für ein Zögern unterschieden sich zwischen den untersuchten demografischen Gruppen. So sahen Männer mit höherer Wahrscheinlichkeit als Frauen für sich selbst kein persönliches COVID-19-Risiko (18% vs. 10%). Frauen hingegen machten sich wahrscheinlicher Sorgen wegen Folgeerscheinungen einer Impfung, die die Fertilität betreffen (21% vs. 8%). Bei Personen im Alter von 74 Jahren oder älter war die Wahrscheinlichkeit höher als in der Gruppe der Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren, dass sie Impfstoffe generell ablehnten (12% vs. 2,5%). Die Auswertung des späteren Impfverhaltens ergab, dass die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Betreffenden ungeimpft blieben, bei Älteren, Frauen, Menschen aus schwarzen Bevölkerungsgruppen und Arbeitslosen oder in benachteiligten Gegenden Lebenden erhöht war. Dies traf auch auf Personen zu, die schon einmal an COVID-19 erkrankt gewesen waren, sowie auf solche mit geringerer Schulbildung. Mehrheit der Zögernden ließ sich schließlich doch impfen Personen, die die am häufigsten genannten Gründe für ihr Abwarten angaben (d. h. Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit des Impfstoffes oder gesundheitliche Bedenken), änderten mit höherer Wahrscheinlichkeit ihre Meinung und ließen sich schließlich doch gegen COVID-19 impfen. Im Gegensatz dazu fand eine Impfung bei Personen, die ihre Skepsis auf mangelndes Vertrauen, die Einschätzung eines geringen persönlichen Risikos oder eine allgemeine Impfskepsis zurückführten, zwei- bis dreimal seltener statt als bei solchen, die diese Gründe nicht angaben. „Wir zeigen, dass bestimmte Formen der Impfzögerlichkeit leichter ausgeräumt werden können als andere”, erklärt Mitautorin Professorin Helen Ward vom Imperial College London und dem National Institute for Health and Care Research Imperial Biomedical Research Centre (Großbritannien). Als Beispiele nenn sie Bedenken im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft oder dem Stillen. Die Untersuchung lasse die Schlussfolgerung zu, dass mit der Einführung der Impfung das Vertrauen der Öffentlichkeit wuchs und die anfängliche Impfskepsis weitgehend überwunden wurde. Laut Co-Autor Professor Paul Elliott vom Imperial College London hat die COVID-19-Pandemie gezeigt, wie wichtig es ist, dass Menschen Zugang zu verlässlichen und vertrauenswürdigen Informationen bekommen. Solchen Angaben zur Wirksamkeit von Vakzinen und zu deren potenziellen Risiken seien in einer Situation wie der COVID-19, die den raschen und flächendeckenden Einsatz neuer Impfstoffe mit sich brachte, besonders wichtig. Die Autoren räumen einige Einschränkungen der Studie ein. So zeigten die Impfdaten des NHS und die Angaben zum Impfstatus der Befragten Inkonsistenzen. Sie sind laut den Autoren wahrscheinlich auf Erinnerungslücken der Befragten sowie auf unvollständige Daten des NHS zurückzuführen. Zudem stimmten Befragte mit einer gewissen Skepsis gegenüber der Impfung seltener einer Verknüpfung ihrer NHS-Daten zu. Dies hatte möglicherweise einen Selektions-Bias zur Folge. Daher seien die gewonnenen Erkenntnisse möglicherweise nicht nur eingeschränkt verallgemeinerbar. In Kommentar zu der veröffentlichten Studie unterstrich Prof. Silvio Tafuri von der Universität Bari Aldo Moro in Italien den „wertvollen Beitrag“ der Arbeit und kam zu dem Schluss: „Obwohl diese Daten die außergewöhnlichen Umstände der SARS-CoV-2-Impfung widerspiegeln, ist es entscheidend festzustellen, ob ähnliche Faktoren der Impfzögerlichkeit auch bei regulären (d. h. routinemäßigen oder saisonalen) Impfungen eine Rolle spielen”. Wenn man dies wisse, ließen sich kontextspezifische Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit auf Mikro-, Meso- und Makroebene steuern, bilanziert Bari, der an der aktuellen Studie nicht beteiligt war.
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