COVID-19-Impfung verringert Sterblichkeit auch bei schwer kranken Corona-Patienten

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Wer trotz Impfung schwer an COVID-19 erkrankt, hat eine bessere Überlebenschance als ungeimpfte Personen mit ähnlichen Komorbiditäten und Risikofaktoren. Zu diesem Schluss gelangt eine aktuelle Berechnung in der Fachzeitschrift „Journal of Medical Virology“.

Frühere Studien haben gezeigt, dass die Sterblichkeitsrate von geimpften Corona-Patientinnen und -Patienten, die hospitalisiert eine Sauerstofftherapie benötigen, jener von ungeimpften sauerstoffpflichtigen Personen gleicht. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von David Gómez-Varela vom Department für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Wien (Österreich) hat diese Ergebnisse nun in einer umfangreichen, multikontinentalen Analyse widerlegt. Ihnen zufolge wäre die Zahl der Todesfälle der Hospitalisierten um 22 Prozent geringer gewesen, wenn alle ungeimpften, sauerstoffpflichtigen Personen geimpft gewesen wären.

Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 können Einweisungen ins Krankenhaus in bis zu 90 Prozent der Fälle vermeiden und die Anzahl an Todesfällen verringern. Dennoch erkranken auch etwa fünf Prozent der Geimpften schwer und entwickeln ein lebensbedrohliches Krankheitsbild. Betroffen sind besonder vulnerable Patienten, etwa Ältere, Menschen mit Komorbiditäten oder einem geschwächten Immunsystem.

Impfen für sehr vulnerable Gruppen bringt nichts?

Ergebnisse früherer und weniger umfangreicher Studien zeigten, dass die Sterblichkeitsrate von geimpften und ungeimpften, hospitalisierten COVID-19-Erkrankten mit Sauerstofftherapie nahezu gleich war. Dies warf Zweifel auf, ob eine Impfung der genannten vulnerablen Risikogruppen überhaupt Sinn macht und schürte Argumente gegen die Impfung. Um diese Bedenken abzuklären, hat das Team um David Gómez-Varela im Zeitraum von Januar 2020 bis Mai 2022 im Rahmen einer größeren und multinationalen Studie retrospektiv die Daten von über 20.000 COVID-19-Patientinnen und -Patienten mittels statistischer Analysen ausgewertet. Dabei wurden Personen aus 148 Krankenhäusern aus Spanien und Argentinien inkludiert. Besonderes Augenmerk legten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Argentinien, Spanien, Finnland und Österreich auf die in früheren Studien bisher fehlende Berücksichtigung der speziellen klinischen Merkmale jeder Patientengruppe. So konnten die Forschenden kritisch beleuchten, ob die Impfung auch Betroffenen mit mittelschwerem bis schwerem COVID-Verlauf hilft.

Sehr vulnerable Gruppen profitieren von der Impfung

Und tatsächlich zeigte sich bei Betrachtung der um die höhere Belastung durch Komorbiditäten und Risikofaktoren bereinigten Daten ein komplett anderes Bild: „22 Prozent aller Todesfälle bei hospitalisierten und sauerstoffpflichtigen Personen wären vermeidbar gewesen, wenn alle diese Patient:innen geimpft gewesen wären“, meint Studienleiter Gómez-Varela. Die große Zahl der untersuchten Personen sowie deren ethnische und geografische Vielfalt unterstützen die Glaubwürdigkeit und Relevanz der Resultate. „Unsere Studie und deren Ergebnisse sind insofern sehr wichtig, als sie eine bessere Grundlage für aktualisierte Impfpläne für viele Millionen Menschen bilden können, die zu den am meisten gefährdeten Gruppen gehören“, betont der Forscher. „Um solch wichtige Entscheidungen im Bereich der Öffentlichen Gesundheit treffen zu können, ist ein wissenschaftlich-basiertes Verständnis des tatsächlichen Einflusses der COVID-19-Pandemie und des Impfschutzes auf die Sterblichkeit von allergrößter Bedeutung.“