COVID-19, Influenza und RSV: Impfungen schwächen Unterschiede ab1. Juli 2025 © Alexander Raths – stock.adobe.com (Symbolbild) Die Schweregrade von COVID-19, Influenza und Infektionen mit dem respiratorischen Synzytialvirus (RSV) unter US-amerikanischen Erwachsen waren Gegenstand einer retrospektiven Kohortenstudie, die Wissenschaftler jüngst in „JAMA. Internal Medicine“ veröffentlicht haben. Bei der Auswertung elektronischer Patientenakten von nichthospitalisierten Personen zeigte sich, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 in der Saison 2022/1023 mit schwereren Krankheitsverläufen verbunden war als Grippe oder RSV, während die Unterschiede in der Saison 2023/2024 weniger ausgeprägt waren. RSV stellte in beiden Saisons eine mildere Erkrankung dar, während COVID-19 als eine mit einer höheren Langzeitmortalität verbundene Infektion eingestuft werden musste. Impfungen schwächten die Unterschiede im Krankheitsschweregrad und der Langzeitmortalität ab. Die Kohorte für den Zeitraum 2022–2023 bildeten 68.581 Patienten, von denen mit 6239 (9,1%) der weitaus geringste Anteil mit RSV infiziert war. An einer Influenza erkrankten in dieser Kohorte 16.947 Personen (24,7%) und mit 45.395 (66,2%) die allermeisten an COVID-19. Die Kohorte aus 2023/2024 umfasste 72.939 Patienten, von denen 9748 (13,4%) sich mit RSV und 19.242 (26,4%) mit Influenza infizierten und 43.949 (60,3%) an COVID-19 erkrankten. Das mediane Alter lag bei 66 Jahren (Interquartilbereich [IQR] 53–75), 123.090 (87,0%) der in die Analyse eingeschlossenen Personen waren Männer. Während der Saison 2023/2024 fiel das 30-Tages-Risiko für einen Krankenhausaufenthalt mit COVID-19 (16,2%) und Influenza (16,3%) ähnlich aus. Für RSV hingegen betrug es nur 14,3% (Risikodifferenz [RD] für COVID-19 vs. RSV: 1,9%; 95%-KI 0,9–2,9; RD für Influenza vs. RSV: 2,0%; 95%-KI 0,8–3,3). Das 30-Tages-Mortalitätsrisiko bezifferte man in der Saison 2022/2023 für COVID-19 mit 1,0% als etwas höher als für Influenza mit 0,7% (RD 0,4%; 95%-KI 0,1–0,6) oder RSV mit 0,7% (RD 0,4%; 95%-KI 0,1–0,6), während der Saison 2023/2024 erwies es sich jedoch als ähnlich. Das Sterberisiko nach 180 Tagen beschreiben die Autoren für COVID-19 in beiden Saisons als höher (2023/2024 RD für COVID-19 vs. Influenza: 0,8%; 95%-KI 0,3–1,2; RD für COVID-19 vs. RSV: 0,6%; 95%-KI 0,1–1,1). In beiden Infektions-Saisons wurde bei Erwachsenen ohne COVID-19-Impfung im Vorjahr eine höhere Sterblichkeit beobachtet als bei solchen ohne Impfungen gegen die saisonale Grippe. Im Gegensatz dazu gab es zwischen den gegen die jeweiligen Infektionen geimpften Gruppen zu keinem Zeitpunkt Unterschiede bezüglich der Sterblichkeit zwischen COVID-19 und Grippe. Fazit Die Kohortenstudie zeigte, dass während der Saison 2022/2023 eine Infektion mit SARS-CoV-2 im Vergleich zu Influenza oder RSV mit schwereren Erkrankungsverläufen assoziiert war, während die Unterschiede in der Saison 2023/2024 weniger ausgeprägt waren. In beiden Saisons blieb RSV mit milderen Krankheitsverläufen verbunden, während COVID-19 mit einer höheren Langzeitmortalität einherging. Eine Impfung milderte die Unterschiede hinsichtlich der Erkrankungsschwere und der Langzeitmortalität. (ac) Autoren: Bajema KL et al. Korrespondenz: Kristina Bajema; [email protected] Studie: Severity and Long-Term Mortality of COVID-19, Influenza, and Respiratory Syncytial Virus Quelle: JAMA Intern Med 2025;185(3):324–334. Web: https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2024.7452