COVID-19 Langzeitstudie: Schwer Erkrankte profitieren von langfristiger und interdisziplinärer Nachsorge7. September 2020 Das CT-Bild zeigt die durch SARS-CoV-2 geschädigten Lungenareale (in Rot). Typisch für COVID-19 ist die Schädigung der Lunge beidseits und basal (in den unteren Bereichen). (Foto: © Radiologie Innsbruck) Ein Team der Innsbrucker Universitäts-Klinik für Innere Medizin II hat in einer prospektiven Studie erstmals die Langzeitfolgen von COVID-19 an stationär versorgten Patienten untersucht. Sechs Wochen nach Entlassung reichen die Beobachtungen von leichten bis mittelgradigen Atemwegs-Symptomen bis hin zu anhaltenden Auffälligkeiten des Lungengewebes. Mit einer an der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführten prospektiven Beobachtungsstudie zum Verlauf einer COVID-19 Infektion bei hospitalisierten Patienten liegen nun erstmals Erkenntnisse zu möglichen Langzeitfolgen vor. Die entscheidenden Ergebnisse werden als „late breaking news“ beim Kongress der European Respiratory Society (ERS) präsentiert. Systematische Datenerhebung In die Studie eingeschlossen waren 86 Patienten – 70 Prozent Männer – zwischen 50 und 70 Jahren, die aufgrund ihrer Infektion mit SARS-CoV-2 an der Uniklinik Innsbruck, im Krankenhaus Zams und im Reha-Zentrum Münster in klinisch-therapeutischer Behandlung waren. Die Probanden waren im Schnitt übergewichtig bis adipös, 44 Prozent waren vormals Raucher, und – wie international bereits beobachtet – ein wesentlicher Teil der Studienteilnehmer hatte kardiovaskuläre Vorerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes oder Hypercholesterinämie. Anhand einer COVID-19 spezifischen strukturierten Datenerhebung mittels detaillierter Anamnese, Laboruntersuchung, Lungenfunktionstests, Echokardiographie und bildgebender Untersuchungen der Lunge mittels Computertomographie (CT) war es mit dieser Studie unter der Federführung der Lungenspezialisten Judith Löffler-Ragg, Thomas Sonnweber und Ivan Tancevski möglich, eine erste valide Beschreibung von Langzeitfolgen durch das neue Corona-Virus zu erzielen. Langanhaltende Symptome „55 Prozent der hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und Patienten zeigten auch sechs Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus anhaltende körperliche Beeinträchtigungen“, beschreibt Löffler-Ragg ein zentrales Ergebnis der Studie. An erster Stelle liegt mit knapp 50 Prozent die Kurzatmigkeit bei Belastung, 15 Prozent der Betroffenen klagten über andauernden Husten. Grundsätzlich beschreiben die untersuchten PatientInnen eine überdurchschnittlich lange Genesungsphase, aber erfreulicherweise bessert sich die Intensität der Beschwerden im Verlauf deutlich. In Zusammenarbeit mit dem Team um den Radiologen Gerlig Widmann, zeigten sich in den CT-Untersuchungen sechs Wochen nach Krankhausentlassung bei 88 Prozent der Patienten anhaltende leicht- bis mittelgradige strukturelle Veränderungen der Lunge, Diese bildeten sich allerdings im Zeitverlauf bei den meisten Patienten deutlich zurück. Es gibt derzeit keine Hinweise auf fortschreitende Lungenschäden, wie etwa zunehmende Vernarbungen. Ob die Veränderungen in der Lunge und die damit verbundene Einschränkung der Lungenfunktion vollständig abklingen werden, ist aktuell noch nicht zur Gänze zu beantworten und wird in weiteren Untersuchungen analysiert werden. Bedarf an intensiver und spezifischer Therapie Die engmaschige Anbindung des Studienzentrums an das Reha-Zentrum Münster, wo Intensivpatienten nachbetreut werden, macht auch den Mehrwert einer strukturierten, langandauernden Rehabilitation sichtbar. „Wir konnten in unserer Langzeitstudie sehen, dass sich Patientinnen und Patienten nur langsam erholen. Erste Erfahrungen zeigen, dass die bei der Entlassung aus der Klinik diagnostizierten Beeinträchtigungen der Lungenfunktion durch eine langfristige und spezifische Rehabilitationstherapie deutlich verbessert werden können. Entsprechend dürfte es sich bei einem Großteil der Lungenveränderungen um reversible Prozesse handeln“, schließt Sabina Sahanic aus dem Studienteam, die die Ergebnisse beim ERS-Kongress vorstellt. Den weiteren Genesungsverlauf werden die Innsbrucker MedizinerInnen nach sechs und nach zwölf Monaten durch Nachfolgeuntersuchungen analysieren.
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