COVID-19-Pandemie: Mehr Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen28. Dezember 2022 © Andrey Popov – stock.adobe.com (Symbolbild) Ziel einer Studie der Universität Gießen war es, das Auftreten von Typ-1-Diabetes (T1D) bei Kindern und Jugendlichen während der COVID-19-Pandemie in Deutschland im Vergleich zu den Vorjahren eingehend zu untersuchen. Hintergrund dieser Überprüfung war die Fragestellung, ob während der COVID-19-Pandemie eine signifikante Veränderung der T1D-Inzidenz in dieser Bevölkerungsgruppe zu beobachten war. Basierend auf Daten des multizentrischen Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentations(DPV)-Registers analysierten Forschende mehrerer deutscher Universitätskliniken die Inzidenz von T1D pro 100.000 Patientenjahre bei Kindern und Jugendlichen vom 1. Januar 2020 bis zum 30. Juni 2021. Mithilfe von Poisson-Regressionsmodellen wurden die erwarteten Inzidenzen für 2020 und 2021 auf Basis der Daten von 2011–2019 geschätzt und mit den beobachteten Inzidenzen in 2020 und 2021 verglichen, indem die Inzidenzratenverhältnisse (IRR) mit 95%-KI geschätzt wurden. Vom 1. Januar 2020 bis zum 30. Juni 2021 wurden 5162 Kinder und Jugendliche mit neu auftretendem T1D in Deutschland registriert. Die beobachtete Inzidenz in 2020 und 2021 war signifikant höher als die erwartete Inzidenz (24,4; 95%-KI 23,6–25,2 vs. 21,2; 20,5–21,9; IRR 1,15; (95%-KI 1,10–1,20; p<0,001). Die IRR waren im Juni 2020 (IRR 1,43; 95%-KI 1,07–1,90; p=0,003), Juli 2020 (IRR 1,48; 95%-KI 1,12–1,96; p<0,001), März 2021 (IRR 1,29; 95%-KI 1,01–1,65; p=0,028) und Juni 2021 (IRR 1,39; 95%-KI 1,04–1,85; p=0,010) signifikant erhöht. Fazit Diesen Daten zufolge konnte während der COVID-19-Pandemie ein signifikanter Anstieg der T1D-Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen beobachtet werden, mit einer Verzögerung der T1D-Spitzeninzidenz um ca. 3 Monate nach der Spitzeninzidenz von COVID-19 und auch nach Maßnahmen, die zur Eindämmung der Pandemie erfolgten. Die Studienautoren weisen zudem darauf hin, dass die zugrundeliegenden Ursachen unbekannt sind, es jedoch wahrscheinlicher sei, dass diese eher auf indirekte als direkte Auswirkungen der COVID-19-Pandemie zurückzuführen sind. (bi) Autoren: Kamrath C et al. Korrespondenz: Clemens Kamrath; [email protected] Studie: Incidence of Type 1 Diabetes in Children and Adolescents During the COVID-19 Pandemic in Germany: Results From the DPV Registry Quelle: Diabetes Care 2022;45(8):1762–1771. Web: https://doi.org/10.2337/dc21-0969
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