COVID-19-Prävention: Besondere Vorsicht bei Parkinson-Patienten

Telemedizinische Konsultationen zählen zu den Präventionsstrategien, um Parkinson-Patienten vor SARS-CoV-2 zu schützen. (Foto: © M.Doerr & M.Frommherz GbR – stock.adobe.com)

Patienten mit Morbus Parkinson weisen als Begleiterkrankungen zahlreiche Risikofaktoren auf, die zu einem schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion führen können. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Bochumer Universitätsklinikums.

Die Parkinson-Erkrankung selbst sei zwar kein Risikofaktor für eine Infektion mit Sars-CoV-2, die Patienten litten aber überdurchschnittlich häufig an Begleiterkrankungen wie Pneumonien, erklärt Dr. Daniel Richter, Erstautor der Studie. Als Konsequenz empfehlen die Autoren im Umgang mit Parkinson-Patienten hohe präventionshygienische Standards, so die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG).

Für die Untersuchung analysierte das Wissenschaftler-Team der Neurologischen Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital die Daten aller 2018 in Deutschland stationär behandelten Parkinson-Patienten. Ihr Fazit: Von allen Komorbiditäten zeigten Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zerebrovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus, Hepatitis-B-Infektionen sowie chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen und chronische Nierenerkrankungen ein erhöhtes Vorkommen.

„In der Analyse der Begleiterkrankungen ist aufgefallen, dass Parkinson-Patienten – insbesondere im fortgeschrittenen Stadium – häufig zu Pneumonien neigen, die dann oft Hauptgrund einer stationären Aufnahme sind“, erklärt Richter. „Diese Pneumonien werden bei Parkinson-Patienten jedoch weniger durch Aspirationen hervorgerufen. Tatsächlich ist der Anteil der Pneumonien ohne Aspiration bei Parkinson-Patienten höher. Hierunter fallen auch virale Pneumonien.“

Prävention: Hygiene, getestetes Personal, Telemedizin

Prof. Lars Tönges, Leiter der Ambulanz für Parkinson und Bewegungsstörungen im St. Josef-Hospital und Leiter der Studie, ordnet die Ergebnisse ein: „Wir betrachten Parkinson selbst nicht als Risikofaktor für COVID-19, und eine Parkinson-Diagnose sollte bei den Patienten zu keinen Unterschieden bei der Behandlung von COVID-19 führen.“ Die häufigen Komorbiditäten unterstreichen laut Tönges jedoch die hohe Bedeutung von hygienischen Präventionsstrategien: „Dazu zählen nicht nur vorbeugende COVID-19-Tests beim beteiligten Pflegepersonal, sondern auch telemedizinische Konsultationen für die Patienten.“

Ergebnisse auf andere neurologische Patienten übertragbar

Auch Prof. Christos Krogias, der die Untersuchung mitverantwortete, unterstreicht die Relevanz der Ergebnisse: „Mit diesen epidemiologischen Daten, die wir gemeinsam mit dem Datenanalysten Dr. Dirk Bartig von DRG Market erhoben haben, konnten wir frühzeitig den veränderten Vorgehensbedarf bei der Versorgung unserer Patienten erkennen und dementsprechend umsetzen.“ Dies gelte laut Krogias sowohl für die Parkinson-Erkrankung als auch für andere neurologische Erkrankungen, insbesondere Schlaganfall-Erkrankungen.

Originalpublikation:
Richter D et al. Letter to the editor: risk comorbidities of COVID-19 in Parkinson’s disease patients in Germany. Neurological Research and Practice 2020;2:22.