COVID-19-Prävention: Besondere Vorsicht bei Parkinson-Patienten27. August 2020 Telemedizinische Konsultationen zählen zu den Präventionsstrategien, um Parkinson-Patienten vor SARS-CoV-2 zu schützen. (Foto: © M.Doerr & M.Frommherz GbR – stock.adobe.com) Patienten mit Morbus Parkinson weisen als Begleiterkrankungen zahlreiche Risikofaktoren auf, die zu einem schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion führen können. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Bochumer Universitätsklinikums. Die Parkinson-Erkrankung selbst sei zwar kein Risikofaktor für eine Infektion mit Sars-CoV-2, die Patienten litten aber überdurchschnittlich häufig an Begleiterkrankungen wie Pneumonien, erklärt Dr. Daniel Richter, Erstautor der Studie. Als Konsequenz empfehlen die Autoren im Umgang mit Parkinson-Patienten hohe präventionshygienische Standards, so die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG). Für die Untersuchung analysierte das Wissenschaftler-Team der Neurologischen Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital die Daten aller 2018 in Deutschland stationär behandelten Parkinson-Patienten. Ihr Fazit: Von allen Komorbiditäten zeigten Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zerebrovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus, Hepatitis-B-Infektionen sowie chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen und chronische Nierenerkrankungen ein erhöhtes Vorkommen. „In der Analyse der Begleiterkrankungen ist aufgefallen, dass Parkinson-Patienten – insbesondere im fortgeschrittenen Stadium – häufig zu Pneumonien neigen, die dann oft Hauptgrund einer stationären Aufnahme sind“, erklärt Richter. „Diese Pneumonien werden bei Parkinson-Patienten jedoch weniger durch Aspirationen hervorgerufen. Tatsächlich ist der Anteil der Pneumonien ohne Aspiration bei Parkinson-Patienten höher. Hierunter fallen auch virale Pneumonien.“ Prävention: Hygiene, getestetes Personal, Telemedizin Prof. Lars Tönges, Leiter der Ambulanz für Parkinson und Bewegungsstörungen im St. Josef-Hospital und Leiter der Studie, ordnet die Ergebnisse ein: „Wir betrachten Parkinson selbst nicht als Risikofaktor für COVID-19, und eine Parkinson-Diagnose sollte bei den Patienten zu keinen Unterschieden bei der Behandlung von COVID-19 führen.“ Die häufigen Komorbiditäten unterstreichen laut Tönges jedoch die hohe Bedeutung von hygienischen Präventionsstrategien: „Dazu zählen nicht nur vorbeugende COVID-19-Tests beim beteiligten Pflegepersonal, sondern auch telemedizinische Konsultationen für die Patienten.“ Ergebnisse auf andere neurologische Patienten übertragbar Auch Prof. Christos Krogias, der die Untersuchung mitverantwortete, unterstreicht die Relevanz der Ergebnisse: „Mit diesen epidemiologischen Daten, die wir gemeinsam mit dem Datenanalysten Dr. Dirk Bartig von DRG Market erhoben haben, konnten wir frühzeitig den veränderten Vorgehensbedarf bei der Versorgung unserer Patienten erkennen und dementsprechend umsetzen.“ Dies gelte laut Krogias sowohl für die Parkinson-Erkrankung als auch für andere neurologische Erkrankungen, insbesondere Schlaganfall-Erkrankungen. Originalpublikation: Richter D et al. Letter to the editor: risk comorbidities of COVID-19 in Parkinson’s disease patients in Germany. Neurological Research and Practice 2020;2:22.
Mehr erfahren zu: "Augenbewegungstests decken Schädel-Hirn-Trauma Jahre nach Gehirnerschütterung auf" Augenbewegungstests decken Schädel-Hirn-Trauma Jahre nach Gehirnerschütterung auf Eine Studie von Forschenden des CU Anschutz Marcus Institute for Brain Health legt nahe, dass Veteranen mit Gehirnerschütterungen auch mehr als zehn Jahre nach der Verletzung noch subtile, aber messbare […]
Mehr erfahren zu: "Umbrella-Review: Opioide lindern viele akute Schmerzen nur kurzfristig" Umbrella-Review: Opioide lindern viele akute Schmerzen nur kurzfristig Eine neue Übersicht über 59 systematische Reviews verdeutlicht, dass Opioide bei vielen akuten Schmerzzuständen nur eine geringe und kurzfristige Linderung bewirken – bei einigen zeigen sie keinen klaren Vorteil gegenüber […]
Mehr erfahren zu: "Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform" Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform Eine Neuaufstellung der Krankenhäuser in Deutschland steht eigentlich schon im Gesetz. Union und SPD bringen jetzt aber Nachbesserungen der Krankenhausreform durch.