COVID-19-Studie: Studie errechnet doppelten Nutzen bei überlasteten Intensivstationen

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Während kürzlich bekannt wurde, dass die USA praktisch die gesamten weltweiten Bestände an Remdesivir aufgekauft haben, beschreibt eine neue Studie der Boston University School of Public Health (BUSPH), wie das Medikament in Ländern mit geringerer Krankenhauskapazität Leben retten kann. Die Autoren haben dies am Beispiel Südafrika berechnet, wo sich aufgrund von COVID-19 eine Überlastung der Intensivstationen (ICU) abzeichnet.

Jüngste Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Remdesivir die Zahl der COVID-19-Todesfälle um bis zu 30 Prozent senken kann. Sie belegen aber auch, dass der Einsatz des Medikamentes einen sogar signifikanteren Einfluss darauf hat, wie lange Patienten intensivmedizinisch versorgt werden müssen – und zwar nicht durchschnittlich 15, sondern nur elf Tage.

Die nun in der Fachzeitschrift „Clinical Infectious Diseases“ veröffentlichte Peer-Review-Studie lässt darauf schließen, dass diese Eigenschaft von Remdesivir die Anzahl der Personen in Südafrika, die in den ICU behandelt werden können, um mehr als 50 Prozent erhöhen würde. Diese erhöhte Kapazität könnte den Forschern zufolge bis zu 6862 Menschenleben pro Monat retten, wenn die Fallzahlen in Südafrika ihren Höhepunkt erreichen. Hinzu kämen die durch die Behandlung mit Remdesivir potenziell geretteten Leben, sodass das Medikament bis Dezember dieses Jahres den Berechnungen zufolge bei 13.647 Südafrikanern den Tod verhindern könnte.

„Es gibt viele Länder mit begrenzter Kapazität in Bezug auf Intensivstationen, die von diesem doppelten Einfluss auf die Sterblichkeit profitieren könnten“, sagt Studienleiterin Dr. Brooke Nichols, Assistenzprofessorin für globale Gesundheit an der BUSPH. „Warum sollte man ein Medikament – das nur begrenzt verfügbar ist – zur Rettung nur eines Lebens eingesetzt werden, wenn dasselbe Medikament zwei Leben retten kann?“

Nichols sagt, sie sei besorgt angesichts der Nachricht, dass die USA den Remdesivir-Bestand aufgekauft haben, insbesondere wenn die Regierung nicht einmal sicherstelle, dass überlastete Kliniken in den USA vorrangig damit versorgt werden. „Da pro behandelter Person mehr Leben gerettet werden können, wenn Remdesivir dort eingesetzt wird, wo die Kapazitäten von Intensivstationen erschöpft sind, wäre die Verwendung von Remdesivir dort, wo dies nicht der Fall ist, eine Fehlallokation knapper Ressourcen“, sagt sie.

Nichols und ihre Mitautoren in Boston und Südafrika haben die COVID-Epidemie in Südafrika modellhaft berechnet, um die Regierung des Landes bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen. Die Forscher hatten zuvor vorausgesagt, dass die Kapazitäten der Intensivstationen in diesem Land bereits in diesem Monat ausgeschöpft sein könnten. Die am stärksten betroffene Provinz, das Westkap, hatte schon im Juni diese Kapazitäten überschritten.

Für die Remdesivir-Studie verwendeten die Forscher ihr South African National COVID-19 Epidemiology Model, um die geschätzten drei bis sechs Monate zu untersuchen, in denen der Berechnung zufolge schwere COVID-19-Fälle die 3450 verfügbaren Intensivbetten des Landes mehr als auslasten werden. Würde jeder südafrikanische Intensivpatient mit COVID-19 Remdesivir erhalten – was der Kalkulation zufolge den durchschnittlichen Aufenthalt auf der Intensivstation verkürzt – würde die Zahl der auf Intensivstationen behandelten Patienten von Juni bis Dezember von zwischen 23.443 und 32.284 Patienten auf zwischen 36.383 und 47.820 steigen, schätzen die Wissenschaftler.

Die Sterblichkeitsrate für COVID-19 auf Intensivstationen variiert von Land zu Land und von Krankenhaus zu Krankenhaus, sodass auch die Anzahl der durch die Erhöhung der Kapazität auf der Intensivstation geretteten Leben variieren würde. Die Forscher modellierten verschiedene Szenarien und stellten fest, dass eine erhöhte Kapazität auf der Intensivstation in Südafrika 685 Menschenleben pro Monat retten könnte, wenn ein Patient, der eine intensivmedizinische Versorgung benötigt, auf einer Intensivstation genauso wahrscheinlich sterben würde wie außerhalb einer Intensivstation. Auf der anderen Seite schätzten die Forscher, dass die durch Remdesivir erhöhte Kapazität einer Intensivstation bis zu 6682 Menschenleben pro Monat retten könnte, wenn fast alle Patienten mit notwendiger, aber nicht erfolgender intensivmedizinischer Versorgung versterben, aber diejenigen, die auf einer ICU behandelt werden, eine 50:50-Überlebenschance haben.

Wenn die direkte Behandlung mit Remdesivir zudem weitere 30 Prozent Patienten am Leben erhält – was der derzeitigen Schätzung beim Einsatz des Medikamentes entspricht – gehen die Forscher davon aus, dass die „doppelte Wirkung“ von Remdesivir bis zum Dezember dieses Jahres in Südafrika bis zu 13.647 Leben retten könnte.