COVID-19 und hypoxämisches Atemversagen: Ausgewählte Patienten profitieren von Bauchlage

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Offenbar ist bei wachen, spontan atmenden Patienten mit schwerem hypoxämischem COVID-19-Atemversagen die Bauchlage mit einer verbesserten Sauerstoffversorgung verbunden. Das hat eine kleine monozentrische Kohortenstudie aus den USA ergeben.

Darüber hinaus ergab sich bei Patienten mit einem Prozentsatz oxygenierten Hämoglobins (SpO2) von 95 Prozent oder mehr nach einer Stunde in Bauchlage ein Zusammenhang mit einer geringeren Intubationsrate.
Die Studienautoren hatten 88 konsekutive Patienten auf der Step-Down-Station der Klinik der Columbia University auf Eignung für die Teilnahme an der Studie überprüft. Einschlusskriterien waren eine im Labor bestätigte COVID-19-Diagnose, schweres hypoxämisches Atemversagen (Atemfrequenz von 30 Atemzügen/min oder mehr) und ein SpO2 von 93% oder weniger, bei zusätzlichem Sauerstoff (6 l/min über eine Nasenkanüle und 15 l/min über Non-Rebreather-Maske). Ausschlusskriterien waren ein veränderter psychischer Status mit Unfähigkeit, sich ohne Hilfe im Bett umzudrehen (n=13), extremer Atemnot, die eine sofortige Intubation erfordert (n=23) oder ein Sauerstoffbedarf, der unter den in den Einschlusskriterien angegebenen Werten lag (n=23).

Die 29 infrage kommenden Patienten wurden gebeten, so lange wie möglich bis zu 24 Stunden täglich auf dem Bauch zu liegen. Falls gewünscht, können sie sich ein Kissen unter unter das Becken legen und in Seiten- oder Rückenlage schlafen, wenn sie sich danach wieder in die Bauchlage begaben.

Von diesen 29 Patienten verbrachten 25 mindestens einmal länger als eine Stunde im wachen Zustand in Bauchlage, während vier die Bauchlage ablehnten und sofort intubiert wurden. Eine Stunde nach Beginn der Bauchlage stieg der SpO2 im Vergleich zum Ausgangswert an (Verbesserung 1-34%; Median 7% [SE 1,2%]; 95%-KI 4,6-9,4). Bei allen Patienten blieb das Niveau an zusätzlichem Sauerstoff während der ersten Stunde in Bauchlage unverändert. Eine Stunde nach Beginn der Bauchlage hatten 19 Patienten einen SpO2 von 95% oder mehr; anschließend war bei sieben (37%) eine Intubation erforderlich. Von sechs Patienten, deren SpO2 eine Stunde nach Beginn der Bauchlage unter 95% blieb, wurden fünf (83%) intubiert. Der mittlere Unterschied in der Intubationsrate bei Patienten mit einem SpO2 von 95% oder mehr gegenüber einem SpO2 unter 95 Prozent eine Stunde nach Beginn der Bauchlage betrug 46 Prozent (95%-KI 10-88).

Von zwölf Patienten, bei denen eine Intubation notwendig wurde, verstarben drei anschließend auf der Intensivstation. Von 13 Patienten, die keine Intubation benötigten, erholten sich neun und wurden aus dem Krankenhaus entlassen, zwei wurden auf die Normalstation verlegt und zwei befanden sich bei Abschluss der Studie am 25. Mai noch auf der Step-Down-Station.

Die Studienautoren räumen ein, dass ihre Studie nur begrenzt aussagekräftig ist, da eine Kontrollgruppe fehlte und es sich um eine nur kleine Stichprobe handelte. Es seien randomisierte klinische Studien erforderlich, um festzustellen, ob eine verbesserte Sauerstoffversorgung nach Verwendung der Bauchlage bei wachen, nicht intubierten Patienten das Überleben verbessert.

(ac)