COVID-19 und Influenza12. März 2020 ©Corona Borealis – stock.adobe.com Liebe Kolleginnen und Kollegen, das COVID-19 und die damit verbundenen Erkrankungsfälle und auch Todesfälle sind in aller Munde und beherrschen gegenwärtig das mediale Stimmungsbild. Sie sorgen für große Unruhe in der Bevölkerung und unter uns Ärzten, trotzdem sollte das aktuell noch laufende Influenzageschehen nicht außer Acht gelassen werden: Nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes suchten 2,6 Millionen Personen wegen Influenza eine Haus- oder Kinderarztpraxis auf, bedauerlicherweise wurde bei 17 % der laborchemisch gesicherten Influenzafälle eine Hospitalisierung der Patienten nötig, es wurden seit der 40. Kalenderwoche 202 Todesfälle mit Influenzavirusinfektion an das RKI gemeldet. Die aktuelle Influenzasaison verlief weniger intensiv als in den vergangen beiden Jahren, dennoch führten die Influenzafälle zu einer wesentlich größeren Beanspruchung des Gesundheitssystems als die bisherigen COVID-19-Fälle. Das gesamte Infektionsgeschehen akuter respiratorischer Infekte wurde bis dato durch Influenzaviren bestimmt, auch im Gegensatz zu COVID-19-Infektionen wirken sich die Influenzafälle insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen deutlich schwerer aus. Hoffentlich wird sich dieses Bild nicht in den nächsten Wochen wandeln. Neben allgemeinen Hygienehinweisen zur Prävention von akuten respiratorischen Infekten besteht für die Influenza eine zumindest teilwirksame Prävention durch die Impfung, auch sind die in dieser Saison im Umlauf gewesenen Grippeerreger sämtlich gut suszeptibel gegen antivirale Arzneimittel. In diesem Zusammenhang muss die Ärzteschafft auf hinreichend hohe Impfquoten in der Bevölkerung hinwirken, das Robert-Koch-Institut veröffentlichte in der Vergangenheit dazu verschiedene Übersichtsdaten: diese zeigten stark heterogene Daten bezogen auf das jeweilige Bundesland zum Teil war gerade mal ein Viertel der über 60-jährigen Bevölkerung gegen die Influenza geimpft. Die unzureichende Nutzung von Präventionsmöglichkeiten trägt zu einer hohen Inanspruchnahme des Gesundheitswesens, hoher Morbidität und einer relevanten Mortalität bei. Bleiben Sie also wachsam und konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche um die Folgen einer schwerwiegenden Influenza-Welle wie 2017 und 2018 mit etwa 25.000 Todesfällen in Deutschland abzumildern. Dies wird insbesondere für die kommende Influenza-Saison, die im Herbst wahrscheinlich von einem erneuten Anstieg der COVID-19-Fälle begleitet sein wird, eminent wichtig! Prof. Dr. Thomas Frese