Covid-Impfung verbessert Wirkung von Krebstherapie10. November 2022 Nasenrachentumore (gelb markiert) sind in Ländern Südostasiens eine häufige Erkrankung. Die Sorge, die Therapie könne ungünstig mit einer Covid-Impfung interferieren, ist aber wohl unbegründet. Abbildung: ©Y.J. Hua / Sun Yat-sen University Cancer Center Menschen mit Nasenrachenkrebs werden häufig mit Immuncheckpoint-Inhibitoren behandelt. Bislang befürchtete man, dass eine Impfung gegen COVID-19 den Erfolg der Krebstherapie mindern oder starke Nebenwirkungen hervorrufen könnte. Eine aktuelle Studie der Universitäten Bonn und Shanxi in der Volksrepublik China gibt diesbezüglich nun Entwarnung. Viele Krebszellen sind dazu in der Lage, die Immunantwort des Körpers zu unterlaufen. Sie betätigen dazu eine Art Knopf auf den Immunzellen, den PD-1-Rezeptor. Dadurch schalten sie diese körpereigenen Abwehrtruppen gewissermaßen ab. Mit Medikamenten lassen sich die PD-1-Rezeptoren blockieren. Das Immunsystem kann so den Tumor besser bekämpfen.Bei der Impfung gegen Covid wird ebenfalls die Immunantwort stimuliert, wobei der PD-1-Rezeptor involviert ist. „Man befürchtete, dass die Impfung sich nicht mit einer Anti-PD-1-Therapie vertragen könnte“, erklärt Dr. Jian Li vom Institut für Molekulare Medizin und Experimentelle Immunologie (IMMEI) am Universitätsklinikum Bonn. „Diese Gefahr besteht insbesondere bei Nasenrachenkrebs, der genau wie das SARS-Cov-2-Virus die oberen Atemwege befällt.“Der Bioinformatiker hat nun zusammen mit Kooperationspartnern aus der Volksrepublik China untersucht, ob diese Sorge berechtigt ist. An der Analyse nahmen mehr als 1500 Patienten teil, die in 23 Krankenhäusern aus ganz China behandelt wurden. Derartige Multi-Center-Studien gelten als besonders aussagekräftig, da die Teilnehmenden sehr unterschiedlich sind und die Ergebnisse zudem nicht durch regionale Eigenheiten verfälscht werden.Geimpfte sprachen besser auf Krebstherapie anEine Teilgruppe von 373 Betroffenen war mit dem chinesischen Covid-Vakzin SinoVac geimpft worden. „Erstaunlicherweise sprachen sie deutlich besser auf die Anti-PD-1-Therapie an als die Ungeimpften“, erklärt Prof. Christan Kurts, Direktor des IMMEI und Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich „Life & Health“ sowie im Exzellenzcluster ImmunoSensation. „Es kam bei ihnen zudem nicht öfter zu schweren Nebenwirkungen.“ Warum die Behandlung nach der Vakzinierung erfolgreicher war, können die Forschenden nicht sagen. „Wir nehmen an, dass durch die Impfung bestimmte Immunzellen aktiviert werden, die dann den Tumor attackieren“, sagt Prof. Qi Mei vom Universitätsklinikum Shanxi. „Wir werden dieser Hypothese nun weiter nachgehen.“Nasenrachenkrebs ist hierzulande recht selten. In Südchina und anderen Ländern Südostasiens ist die Erkrankung dagegen weit verbreitet. Als Gründe vermutet man unter anderem den häufigen Einsatz von Klimaanlagen in den feuchten und heißen Regionen. Auch Ernährungsfaktoren scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. In Taiwan gilt Nasenrachenkrebs inzwischen bei jungen Männern als eine der häufigsten Todesursachen.Beteiligte Institutionen und Förderung:An der Arbeit waren neben der Universität und dem Universitätsklinikum Bonn die Shanxi Medical University sowie das Tongji Medical College beteiligt. Zudem kooperierten die Forschenden mit einer Reihe von Kliniken in ganz China. Die Studie wurde durch das Chinesisch-Deutsche Zentrum für Forschungsförderung (SGC), das Exzellenzcluster ImmunoSensation² der DFG sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
Mehr erfahren zu: "Individuell kombinierte Krebstherapien verbessern die Behandlungserfolge deutlich" Individuell kombinierte Krebstherapien verbessern die Behandlungserfolge deutlich Weltweit erste Studie belegt: Die individuelle Anpassung von Krebstherapien auf Basis der Tumor-DNA ist sicher, effektiv und realisierbar.
Mehr erfahren zu: "Mortalität aufgrund von Lungenkrebs in Europa: Abflachung der Raten bei Frauen" Mortalität aufgrund von Lungenkrebs in Europa: Abflachung der Raten bei Frauen Nachdem die Sterberaten im Zusammenhang mit Lungenkrebs bei Frauen in den Ländern der Europäischen Union (EU) – mit Ausnahme Spaniens – über 25 Jahre lang gestiegen waren, erreichen nun laut […]
Mehr erfahren zu: "Injizierbare HIV-Medikamente sind auch für Jugendliche sicher" Injizierbare HIV-Medikamente sind auch für Jugendliche sicher Nach einer Infektion mit dem HI-Virus (HIV) können antiretrovirale Wirkstoffe die Vermehrung des Virus im Körper unterdrücken. Voraussetzung hierfür ist die tägliche Einnahme der Medikamente, was insbesondere Heranwachsenden schwer fällt. […]