ctDNA als unabhängiger Prognosefaktor bei muskelinvasivem Blasenkrebs

Verräterisch: zirkulierende Tumor-DNA im Blut. Grafik (Symbolbild): ArtemisDiana – stock.adobe.com

Der Nachweis zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) hat bei Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs prognostischen Wert und übertrifft in der Aussagekraft das pathologische Downstaging.

Zudem scheinen Patienten ohne nachweisbare ctDNA zum Zeitpunkt der Diagnose deutlich weniger von einer neoadjuvanten Chemotherapie (NAC) zu profitieren. Dies fanden Forscher aus Dänemark in einer Studie mit einer Nachbeobachtungszeit von mehr als fünf Jahren heraus.

Die Arbeitsgruppe um Lars Dyrskjøt von der Abteilung für molekulare Medizin am Universitätsklinikum Aarhus präsentiert in der Zeitschrift „Clinical Cancer Research“ vollständige Follow-up-Ergebnisse mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 68 Monaten aus einer zuvor beschriebenen Kohorte von 68 mit NAC behandelten Patienten. Die Studienteilnehmer unterzogen sich über den Beobachtungszeitraum regelmäßig einer ctDNA-Untersuchung; dies ergab schließlich 712 Plasma­proben. Zudem untersuchten die Wissenschaftler eine separate Kohorte von 102 NAC-naiven Patienten auf ctDNA: Hier lagen 153 Plasmaproben vor, die vor und nach radikaler Zystektomie (RC) entnommen worden waren. Die mediane Nachbeobachtungszeit in dieser Kohorte betrug 72 Monate. Um die biologischen Eigenschaften von ctDNA-ausscheidenden Tumoren zu untersuchen, sequenzierten die Forscher zudem die gesamte RNA der Tumoren.

Bei Verwendung der erweiterten Follow-up-Daten für die mit NAC behandelten Patienten identifizierte die ctDNA-Analyse nach RC ein metastatisches Rezidiv mit einer Sensitivität von 94% und einer Spezifität von 98%. Der ctDNA-Verlauf während der NAC war nach Adjustierung für pathologisches Down­staging unabhängig mit den Patienten-Outcomes assoziiert (HR 4,7; p=0,029). Für die NAC-naiven Patienten war ctDNA ein prognostischer Prädiktor vor (HR 3,4; p=0,0005) und nach der RC (HR 17,8; p=0,0002). Zwischen den Kohorten wurde kein statistisch signifikanter Unterschied im RFS für Patienten ohne nachweisbare ctDNA zum Zeitpunkt der Diagnose beobachtet. Wenn bei Studienbeginn ctDNA nachweisbar war, gab es eine Assoziation mit dem Subtyp basal/squamös, und Gensätze des Übergangs von Epithel zu Mesenchym sowie des Zellzyklus waren angereichert.

(ms)