Custodis Lecture: Auszeichnung für Karl Ulrich Bartz-Schmidt26. September 2025 Karl Ulrich Bartz-Schmidt bei der Custis Lecture auf dem DOG 2025. (Foto: ©Klesse/Biermann) Die Retinologische Gesellschaft ehrte auch in diesem Jahr eine herausragende Forscherpersönlichkeit mit der Custodis Lecture: Prof. Karl Ulrich Bartz-Schmidt vom Universitätsklinikum Tübingen referierte über die Entwicklung der Netzhautchirurgie, technologische Innovationen und die Bedeutung für die Ausbildung der kommenden Generationen von Chirurgen. Bartz-Schmidt habe in der Augenheilkunde einen „legendären Ruf“, heißt es in der Laudatio von Prof. Nicolas Feltgen, Präsident der Retinologischen Gesellschaft. „Wenn ich eins bereue – dann, dass ich nicht in Tübingen hospitiert habe“, ergänzt er mit einem Lachen und verweist auf den beeindruckenden Lebenslauf von Bartz-Schmidt. Der Preisträger, der selbst acht Jahre lang Vorsitzender der Retinologischen Gesellschaft war, ist seit 2020 Mitglied in der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Historische Meilensteine in der Netzhautchirurgie Bartz-Schmidt, der die moderne vitreoretinale Chirurgie entscheidend mitgeprägt hat, nahm seine Zuhörer mit auf eine kleine Zeitreise: Von den Anfängen Mitte des 19. Jahrhunderts durch Hermann von Helmholtz, über bekannte Größen wie Albrecht von Graefe und Ernst Custodis bis hin zur Sprunginnovation – der Pars-plana-Vitrektomie – von Robert Machemer und Rudolf Klöti in den 1970er-Jahren. „Ohne grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse gibt es keine therapeutische Innovation“, so Bartz-Schmidt zu den Pionierarbeiten und der inkrementellen Evolution in der Netzhautchirurgie. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts ermöglichten diese Grundsteine schließlich eine Innovationsdiffusion, also die Ausweitung der Anwendungen, wie beispielsweise der Einsatz geplanter Vitrektomien bei Makulaforamen. Intravitreale Anti-VEGF-Therapie Die intravitreale Anti-VEGF-Therapie zur Behandlung der Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) ist aus dem heutigen Praxisalltag nicht mehr wegzudenken. Das war natürlich nicht immer so: „Es gab eine Zeit, da gab es noch keine Anti-VEGF-Therapie“, merkt Bartz-Schmidt an und scherzt, dass einige der Zuhörenden vermutlich noch im Kindergarten gewesen seien, als er im Jahr 2005 die intravitreale Anti-VEGF-Therapie in die klinische Praxis einführte und damit die Behandlung zahlreicher Netzhauterkrankungen revolutionierte. Bartz-Schmidt betont in diesem Zusammenhand die Bedeutung eines rekursiven Innovationsprozesses: gescheiterte Ansätze oder „Re-Inventionen“ können neue Lösungsansätze hervorbringen. Für die Zukunft sieht er den nächsten Schritt vor allem in der Entwicklung von 3D-Visualisierungssystemen, die eine „Low Light Surgery“ ermöglichen. Auch Roboter-assistierte Verfahren – nach dem Vorbild der Urologie – seien laut Bartz-Schmidt vielversprechend. Von einer klinischen Anwendung gänzlich autonomer Robotik sei die Ophthalmologie in seinen Augen jedoch noch weit entfernt. Derzeit würden vor allem die Rahmenbedingungen für einen solchen Einsatz getestet. Lehren, Lernen und Innovation für die nächste Generation Zum Abschluss geht Bartz-Schmidt noch einmal auf den Titel seines Vortrages ein und stellt die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses in den Fokus. Er plädiert für eine pädagogische Transformation, in der man sich von einer klassischen Lehrer-Schüler-Beziehung wegbewege und auf strukturierte und simulationsbasierte Ausbildungswege setze. In der Nutzung von intelligenten Tutoring-Systemen (ITS) sieht er insbesondere beim Erlernen operativer Techniken einen großen Vorteil. (mkl/BIERMANN)
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