Darm-Hirn-Achse beeinflusst funktionelle gastrointestinale Störungen25. Oktober 2019 © Pixel-Shot – stock.adobe.com Darm-Hirn-Interaktionen beeinflussen das psychische Wohlbefinden und die Symptomberichte bei funktionellen gastrointestinalen Störungen. Das Auftreten von Angstzuständen oder Depressionen ist mit der Entwicklung von neu auftretenden Magen-Darm-Beschwerden verbunden, wobei das Vorhandensein von gastrointestinalen Symptomen wiederum mit einer De-novo-Entwicklung psychischer Störungen verknüpft ist. Bei Patienten mit CED in Remission ist die Meldung von Symptomen vom Typ des RDS häufig und geht mit psychischen Störungen, einer beeinträchtigten Lebensqualität und einer erhöhten Inanspruchnahme der Gesundheitsfürsorge einher. Wie die Autoren um Dr. David J. Gracie vom James’s University Hospital in Leeds, Großbritannien, berichteten, wiesen Daten aus Beobachtungsstudien darauf hin, dass psychische Störungen mit einem Rückfall der Krankheitsausprägung bei RDS verbunden sein könnten. Ebenso könnten entzündliche Aktivitäten, beispielsweise RDS und Dyspepsie, mit der Entwicklung neuer psychischer Störungen verbunden sein. Die Darm-Hirn-Achse stellt möglicherweise die vermittelnde physiologische Verbindung zwischen dem ZNS und dem Magen-Darm-Trakt her. Bei RDS könnten Behandlungen, die auf eine gestörte Aktivität der Darm-Hirn-Achse abzielen, zu einer Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität führen. Dies würde, so die Autoren, Psychotherapie und die Gabe von Antidepressiva einschließen. Da es laut der Autoren an interventionellen Studien mangelt, ist der Nutzen dieser Behandlungen im Falle von RDS jedoch weniger gesichert. Trotz dieses Mangels deuteten die Beobachtungsdaten darauf hin, dass die Wirkung einer gestörten Aktivität der Darm-Hirn-Achse bei RDS erheblich ist. Es bliebe, so postulieren Gracie und Kollegen, Raum für weitere gut durchdachte Studien mit psychologischen Therapien und Antidepressiva, insbesondere in der Untergruppe von Patienten mit gleichzeitig auftretenden psychischen Störungen oder bei Patienten mit Symptomen vom Typ RDS. Fazit Daten aus Beobachtungsstudien weisen laut den Studienautoren darauf hin, dass psychische Störungen mit einem Rückfall der Krankheitsausprägung bei RDS verbunden sein könnten. Die Integration entsprechender Behandlungen in ein biopsychosoziales Versorgungsmodell hätte das Potenzial, sowohl das Wohlbefinden als auch die Lebensqualität bei Patienten mit RDS zu verbessern, den Einsatz im Gesundheitswesen zu reduzieren und den Krankheitsverlauf zu verändern, glauben die Studienautoren. (je) Autoren: Gracie DJ et al. Korrespondenz: David J. Gracie; [email protected] Studie: The influence of the brain-gut axis in inflammatory bowel disease and possible implications for treatment Quelle: Lancet Gastroenterol Hepatol 2019;4:632-642. Web: https://doi.org/10.1016/S2468-1253(19)30089-5