Darmmikrobiom steht in Zusammenhang mit der Wirksamkeit von Chemotherapien bei Brustkrebspatientinnen

Darmmikrobiom (Grafik: © Anatomy Insider/Adobe Stock)

Forscher, die die Aktivität von Darmbakterien bei Brustkrebspatientinnen untersucht haben, konnten einen möglichen Zusammenhang damit herstellen, wie wirksam die Chemotherapie bei den untersuchten Probandinnen war.

Die Studie, die anlässlich der 12. European Breast Cancer Conference vorgestellt wurde, umfasste eine kleine Gruppe von Frauen, die vor der Operation mit einer Chemotherapie behandelt wurden. Bei einigen Frauen, bei denen die Chemotherapie alle Krebszellen zu eliminieren schien, beobachteten die Forscher vor und während ihrer Behandlung ein bestimmtes Muster in der Aktivität der Darmbakterien. Laut den Wissenschaftlern könnte das Verständnis der Ursachen für diese Assoziation letztendlich dabei helfen, Wege zu finden, um die Chemotherapie für mehr Brustkrebspatientinnen wirksam zu machen.

Die Studie wurde von Dr. Kirsty Ross, Fachärztin für medizinische Onkologie am Krebszentrum Beatson West of Scotland in Glasgow (Großbritannien) vorgestellt. Die Medizinerin erklärte: „Brustkrebspatientinnen werden häufig vor der Operation mit einer Chemotherapie behandelt. Tests an dem während der Operation entfernten Gewebe können dann zeigen, wie empfindlich der Krebs einer Patientin auf die Chemotherapie reagiert. Wenn alle Krebszellen eliminiert werden, sagt dies eine hohe Heilungschance für die Patientin voraus. Bei vielen Patienten finden wir jedoch Krebszellen im entfernten Gewebe. Diese Personen haben ein höheres Rezidivrisiko.“

„Es gibt wahrscheinlich viele verschiedene Gründe, warum die Chemotherapie bei einigen besser funktioniert als bei anderen. In dieser Studie haben wir untersucht, ob die Funktion des Darmmikrobioms ein Faktor sein könnte, der die Wirksamkeit der Chemotherapie beeinflusst.“

Ross und ihre Kollegen untersuchten die Darmbakterien der Patienten, indem sie die Konzentration kurzkettiger Fettsäuren (SCFA) in deren Stuhlproben ermittelten. SCFA werden von Bakterien im Darm produziert, wenn sie Ballaststoffe aus Lebensmitteln abbauen.

Die Studie umfasste zwei Gruppen von Frauen ähnlichen Alters und Körpergewichts: eine Gruppe von 21 Patienten mit Brustkrebs im Frühstadium und eine Gruppe von 21 gesunden Frauen. Alle Brustkrebspatientinnen wurden im Beatson West of Scotland Cancer Center mit einer Chemotherapie behandelt, gefolgt von einer Operation. Für jede Patientin wurde das während der Operation entfernte Gewebe getestet, um festzustellen, ob noch Krebszellen vorhanden waren.

In der Gruppe der gesunden Frauen nahmen die Forscher einen Satz Proben und testeten sie auf die SCFA-Konzentration. Bei Frauen mit Brustkrebs testeten sie Proben vor Beginn der Chemotherapie, mitten in der Behandlung und am Ende der Therapie. Die Wissenschaftler fanden zu Beginn der Behandlung ähnliche SCFA-Werte bei gesunden Frauen und bei Frauen mit Brustkrebs.

Bei einer genaueren Betrachtung der Spiegel verschiedener SCFA bei Brustkrebspatientinnen stellten die Studienautoren jedoch Unterschiede zwischen denen fest, deren Krebs durch Chemotherapie wirksam behandelt wurde, und jenen, bei denen sich im Brustgewebe noch Krebszellen zeigten. Insbesondere fanden sie niedrigere Konzentrationen von zwei SCFA – Propionat und Butyrat – in vor und nach der Behandlung entnommenen Proben von Frauen, die auf eine Chemotherapie ansprachen, im Vergleich zu denen von Patientinnen mit einem weniger guten Ansprechen.

Ältere Untersuchungen haben gezeigt, dass diese SCFA einen Einfluss auf das Immunsystem des Körpers haben; so fördern sie die Entwicklung regulatorischer T-Zellen. Es ist bekannt, dass diese Zellen die Fähigkeit des Immunsystems mindern, Krebszellen anzugreifen.

Ross erklärte: „Wir können nicht sicher sagen, dass die unterschiedlichen SCFA-Spiegel die unterschiedlichen Reaktionen auf die Chemotherapie verursacht haben, und wir müssen dies weiter untersuchen. Es scheint aber möglich zu sein, da wir bereits wissen, dass diese chemischen Substanzen eine Rolle im Immunsystem spielen. Es könnte sein, dass Patienten mit niedrigeren SCFA-Werten besser dazu in der Lage sind, zusätzlich zur Chemotherapie eine Immunantwort zur Bekämpfung der Krebserkrankung zu entwickeln. Wir werden das in zukünftigen Studien untersuchen.“

Ross und ihre Kollegen planen eine größere Studie, um Darmbakterien bei Patienten mit verschiedenen Brustkrebs-Subtypen zu untersuchen. Dabei wollen sie auch die Immunantworten der Patientinnen gegen Krebs erforschen, um festzustellen, ob diese erklären können, wie das Darmmikrobiom die Wirksamkeit der Chemotherapie beeinflusst.

Prof. David Cameron von der University of Edinburgh (Großbritannien) ist Mitglied des Organisationskomitees der 12. European Breast Cancer Conference und war nicht an der Studie nicht beteiligt. Er erklärte: „Dies ist ein faszinierendes Forschungsgebiet, das sich rasant weiterentwickelt. Einige Studien haben Unterschiede im Darmmikrobiom von Krebspatientinnen im Vergleich zu Menschen ohne Krebs festgestellt. Bisher haben sich nur sehr wenige Studien mit dem Darmmikrobiom bei Brustkrebs befasst. Es handelt sich hier um eine kleine Studie, und es muss weiter geforscht werden. Es ist aber interessant zu sehen, dass das, was in einem anderen Körperteil eines Patienten vor sich geht, einen Einfluss darauf haben kann, wie gut Therapien bei einem Tumor in der Brust funktionieren. Wenn dies in einer größeren Studie bestätigt werden sollte, würde es neue Wege der Forschung eröffnen, die eine Chemotherapie für mehr Patienten wirksam macht.“