Das „goldene Zeitalter“ steigender Lebenserwartung ist vorüber12. März 2026 Symbolfoto: ©Cagkan/stock.adobe.com In den 1990er und frühen 2000er Jahren ist die Lebenserwartung in Westeuropa stark angestiegen – und hat sich in unterschiedlichen Regionen immer weiter angeglichen. Doch seit etwa 2005 ist dieses „goldene Zeitalter“ vorbei. Auch die Kluft zwischen den Regionen nimmt wieder zu. Die Lebenserwartung in Westeuropa driftet zunehmend auseinander. Seit Mitte der 2000er Jahre vertieft sich der Spalt zwischen westeuropäischen Regionen mit weiter ansteigender und mit stagnierender Lebenserwartung deutlich. Dies zeigt eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des französischen Instituts für demografische Studien (INED), die in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht wurde. Hierfür haben die Forschenden regionale Sterblichkeitsdaten aus 450 Regionen in 13 europäischen Ländern über den Zeitraum von 1992 bis 2019 ausgewertet. Dies ermöglichte laut BiB die Betrachtung langfristiger Tendenzen frei von Verzerrungen durch die Coronapandemie. Wende ab 2005 beendet „goldenes Zeitalter“ steigender Lebenserwartung Wie aus der Untersuchung hervorgeht, stieg die Lebenserwartung in Westeuropa zwischen 1992 und 2005 mit hoher Geschwindigkeit an – bei Männern um rund 3,5 Monate pro Jahr, bei Frauen um 2,5 Monate. Die Forschenden sprechen von einem „goldenen Zeitalter“, in dem viele bei der Lebenserwartung zurückliegende Regionen aufholen und die Abstände zu Gebieten mit höherer Lebenserwartung verringern konnten. Seit 2005 hat sich die Dynamik jedoch deutlich verändert: In den Jahren 2018 und 2019 betrug der durchschnittliche jährliche Zuwachs nur noch etwa zwei Monate für Männer und ein Monat für Frauen. Dabei waren die regionalen Unterschiede von einer wachsenden Kluft gekennzeichnet. So konnten laut Studienergebnissen insbesondere Regionen mit einer niedrigen Lebenserwartung deutlich geringere Anstiege verzeichnen. „Ausschlaggebend ist hierbei die Entwicklung der Sterblichkeit bei den 55- bis 74-Jährigen“, erklärt Dr. Pavel Grigoriev, Forschungsgruppenleiter am BiB und einer der beiden Hauptautoren der Studie. „In manchen Regionen stagnierte die Sterblichkeit in dieser Altersgruppe oder stieg sogar wieder an. Dies ist eine sehr besorgniserregende Entwicklung, da viele dieser Menschen noch mitten im Leben stehen und erwerbstätig sind.“ Deutschland: Neue „Nachzüglerregionen“ im Norden und Westen Auch in Deutschland glich sich die regionale Lebenserwartung zwischen 1990 und 2005 stark an. Anfang der 1990er Jahre gehörten weite Teile Ostdeutschlands zu den „Nachzüglerregionen“, die nach der Wiedervereinigung einen starken Aufwärtstrend in der Lebenserwartung aufwiesen. Nach 2005 hat sich der Fortschritt dagegen in allen Regionen Deutschlands verlangsamt. Dabei verzeichneten neben weiten Teilen Ostdeutschlands auch einige Regionen im Norden und Westen des Landes ungünstige Entwicklungen. Insbesondere bei Frauen stand dies in engem Zusammenhang mit den Folgen des Tabakkonsums, da in diesen Landesteilen traditionell mehr geraucht wird als in Süddeutschland. Insgesamt stehen deutsche Regionen im westeuropäischen Vergleich nicht gut da: „Im Untersuchungszeitraum konnte sich keine einzige Region in Deutschland innerhalb der oberen zehn Prozent aller westeuropäischen Regionen mit der höchsten Lebenserwartung etablieren“, fasst Mitautor Prof. Sebastian Klüsener vom BiB zusammen. Weiterhin Potenzial für Anstiege in der Lebenserwartung Trotz der allgemein verlangsamten Entwicklung gibt es in Westeuropa Gebiete mit hoher Lebenserwartung, die auch nach 2005 noch starke Fortschritte verzeichnen konnten. Dort liegen die Anstiege der Lebenserwartung immer noch bei etwa drei Monaten pro Jahr. „Regionen in Norditalien, der Schweiz und Teilen Spaniens zeigen auf, dass weitere Fortschritte möglich sind und das Potenzial für zusätzliche Zugewinne weiterhin besteht“, fasst Grigoriev die Befunde zusammen. „Die wieder zunehmende regionale Ungleichheit bei der Lebenserwartung in Europa sollte bei gesundheitlichen und sozialpolitischen Maßnahmen stärker in den Blick genommen werden.“
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