Das Sonnenschutz-Paradoxon: Steigende Hautkrebsraten trotz Sonnenschutzmittel7. November 2023 Foto: © Knut Wiarda – stock.adobe.com Die Verwendung von Sonnenschutzmitteln nimmt zu, aber auch die Melanom- und Hautkrebsraten: Die Gründe für dieses Sonnenschutz-Paradoxon untersuchten Forschende nun in zwei Studien genauer. Sonnenschutzmittel seien wichtig, aber im Vergleich zu Sonnenschutzkleidung und Sonnenvermeidung auch die am wenigsten wirksame Möglichkeit, die Haut zu schützen, so Dr. Ivan Litvinov, außerordentlicher Professor in der Abteilung für Medizin und Vorsitzender der Dermatologieabteilung der McGill University. Das Problem bestehe darin, dass Menschen Sonnenschutzmittel als ‚Erlaubnisschein‘ zum Bräunen verwenden. „Die Leute denken, sie seien vor Hautkrebs geschützt, weil sie ein Produkt verwenden, das zur Vorbeugung einer Erkrankung vermarktet wird“, so Litvinov. Die meisten Menschen tragen nicht ausreichend Sonnenschutzmittel auf oder bleiben stundenlang in der Sonne, nachdem sie morgens Sonnenschutzmittel aufgetragen haben. „Das gibt ihnen ein falsches Sicherheitsgefühl“, sagte Litvinov. Um die Faktoren zwischen den unterschiedlichen Inzidenzraten von Melanomen in den Atlantikprovinzen Kanadas zu verstehen, führte eine Gruppe von Forschenden 23 Fokusgruppen durch. In der Studie fanden sie heraus, dass Kanadier, die in Nova Scotia und Prince Edward Island leben – Provinzen mit hohen Melanom-Inzidenzraten – eher angeben, Sonnenschutzmittel zu verwenden und sich der Gesundheitsrisiken der Sonneneinstrahlung bewusster sind. Dennoch waren sie aufgrund der wärmeren Temperaturen und der Tendenz, sich an der frischen Luft zu betätigen, auch stärker der Sonne ausgesetzt. In ähnlicher Weise dokumentierten die Forschenden in einer zweiten Studie mit Daten der UK Biobank, dass die Verwendung von Sonnenschutzmitteln überraschenderweise mit einem mehr als zweifachen Risiko für Hautkrebs verbunden war. „Diese kombinierten Ergebnisse deuten auf ein Sonnenschutz-Paradoxon hin, bei dem Personen mit höherer Sonneneinstrahlung tendenziell auch mehr, aber nicht ausreichende Mengen Sonnenschutzmittel oder andere Sonnenschutzmaßnahmen verwenden, was ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt“, sagte Litvinov. Interventionen zur Beseitigung von Wissens- und Praxislücken im Bereich Sonnenschutz und Hautkrebsprävention müssten dieses Sonnenschutz-Paradoxon berücksichtigen, fügte er hinzu.
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