Das ungenutzte Potenzial digitaler Technologien bei Schizophrenie12. Februar 2026 Digitale Technologien wie Smartphones und Wearables könnten in Zukunft die Diagnostik und Vorhersage von Schizophrenie-Spektrum-Störungen verbessern. (Bild: © Masud/stock.adobe.com) Vom Smartphone zur Diagnose – Forscherende am Institut für Systemische Neurowissenschaften der Medizinischen Universität Innsbruck zeigen in einer systematischen Übersichtsarbeit, wie digitale Technologien wie Smartphones und Wearables die Diagnostik und Vorhersage von Schizophrenie-Spektrum-Störungen verbessern könnten – und wo die aktuellen Grenzen liegen. Die Diagnose und Behandlung von Schizophrenie-Spektrum-Störungen stellt die moderne Psychiatrie vor große Herausforderungen. Diagnosen basieren oft auf subjektiven klinischen Gesprächen, während Symptome im Alltag der Betroffenen stark schwanken können. Eine umfassende Studie unter der Leitung von Prof. Johannes Passecker am Institut für Systemische Neurowissenschaften der Medizinischen Universität Innsbruck beleuchtet nun, wie „Digital Phenotyping“ – die digitale Vermessung des Verhaltens durch Smartphones und Fitness-Tracker – diese Lücke schließen kann.Die im Fachjournal „npj Digital Medicine“ veröffentlichte Arbeit ist die erste systematische Analyse dieser Art. Das Forschungsteam untersuchte Daten aus zwei Jahrzehnten (2004–2024), um zu verstehen, ob digitale Spuren tatsächlich dabei helfen können, Diagnosen zu stellen oder psychotische Rückfälle vorherzusagen. Objektive Daten statt subjektiver Momentaufnahmen „Digital Phenotyping“ nutzt Daten, die wir täglich generieren: aktive Eingaben auf dem Smartphone (wie kognitive Spiele oder Stimmungstagebücher) und passive Daten von Sensoren (wie Bewegungsmuster, Schlafqualität oder Sprachanalysen).Die Analyse von 142 Studien mit über 6000 Teilnehmenden ergab ein klares Bild: Digitale Messungen können Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie-Spektrum-Störungen deutlich von gesunden Kontrollgruppen unterscheiden. Besonders hervorzuheben sind dabei digitale kognitive Tests, die die stärkste Aussagekraft zeigten, gefolgt von Daten zu Verhalten und körperlicher Aktivität, die oft über Wearables gemessen wurden. Bemerkenswerterweise stimmten diese objektiven digitalen Daten oft nur schwach mit den traditionellen klinischen Fragebögen überein. Dies deutet darauf hin, dass digitale Technologien nicht einfach nur bestehende Tests kopieren, sondern neue Aspekte der Erkrankung erfassen, die eventuell im klinischen Gespräch oder in Fragebögen verborgen bleiben könnten.„Die Diagnose psychischer Erkrankungen gleicht heute oft einer Momentaufnahme: Wir sehen, wie es Patientinnen und Patienten während des kurzen Arztbesuchs geht. Digitale Technologien ermöglichen uns hingegen, einen besseren kontinuierlichen Verlauf des Gesundheitszustandes zu sehen. Unsere Studie zeigt deutlich, dass wir durch Smartphones und Wearables objektive Marker für kognitive Leistung und Verhaltensmuster erhalten können, die im klinischen Alltag bisher weitgehend fehlen“, erklärt Passecker die Bedeutung der Ergebnisse. Vielversprechende Vorhersagen, aber fehlende Standards Ein weiterer Schwerpunkt der Studie lag auf der Vorhersage von psychotischen Rückfällen. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Einige Modelle erreichten eine Genauigkeit von bis zu 80 Prozent. „Unsere Analyse zeigt eine enorme Bandbreite in der Qualität der Studien. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht von einzelnen Erfolgsmeldungen blenden lassen, solange die wissenschaftliche Basis so heterogen ist“, betont Passecker.Die Publikation ist den Autoren zufolge ein Weckruf. Um das volle Potenzial der digitalen Medizin für Menschen mit Schizophrenie zu nutzen, fordert das Innsbrucker Team standardisierte Berichtsrichtlinien und größere Langzeitstudien. Nur so könnten aus vielversprechenden Forschungsdaten verlässliche medizinische Anwendungen werden, die Patientinnen und Patienten weltweit zugutekommen. Außerdem interessant zum Thema Schizophrenie: Neue S3-Leitlinie Schizophrenie: Flexiblere Therapieoptionen Psychomotorische Störungen bei Schizophrenie
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